Archive for Dezember 2006
Mönche des Senchen Kloster – Einweihung eines Medizin-Buddha-Sandmandalas
Mönche des Senchen Kloster - Medizin-Buddha-Sandmandala Einweihung [8:04m]: Play Now | Play in Popup | DownloadStreuen eines Medizinbuddha Sandmandala
Wir haben mit Gendün Rinchen aus dem Senchen Monastery in Kathmandu, der augenblicklich das Sandmandala in unserer Pagode erstellt, ein Interview geführt. Fragen wie “Was ist ein Mandala” und wozu diese Praxis dient werden beantwortet.
Was ist ein Mandala?
Ein Mandala stellt eigentlich den himmlischen Palast einer Gottheit dar. Da wir mit unseren blossen Augen nicht in der Lage sind, jene Bereiche wirklich Wahrzunehmen, in denen die Gottheiten verweilen, sind Mandalas sozusagen eine Fotoabbildung. Diese Abbildung veranschaulicht uns das zunächst Unvorstellbare, damit wir darüber meditieren können. Es ist ein einfaches Mittel, das wir nutzen können, um in die Himmelsebenen zu gelangen. Weil es viele verschiedene Gottheiten gibt, gibt es so viele verschiedene Mandalas. Und das Mandala, das jetzt gestreut wird, ist das Mandala des Medizinbuddhas.
Sie sagen, das Mandal ist das Haus einer Gottheit, was aber ist eine Gottheit?
Wenn wir das Wort Gottheit benutzen, dann verstehen wir darunter erleuchtete Wesen, also Buddhas. Sie können sich in verschiedenen Formen zeigen, in der Form verschiedenster Lebewesen, aber auch in abstrakten Formen. Mandalas sind einer jener Bereiche, in denen sich diese Gottheiten aufhalten.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Göttern und Gottheiten?
Der Unterschied ist, dass Götter immer noch in Samsara gefangen sind. In Samsara gefangen bedeutet, dass sich die Götter noch immer in den drei Daseinsbereichen befinden (dem Bereich der Begierde, dem Bereich des Formhaften und dem Bereich des Formlosen) und deswegen sterben und wiedergeboren werden. Gottheiten dagegen sind erleuchtet und dem Kreislauf von Tod und Wiedergeburt nicht unterworfen.
Woher stammt die Grundlage für die Erstellung des Medizinbuddha-Mandalas?
Also, wir orientieren uns an einem Text, der das Medizinbuddha-Mandala beschreibt. Dieser Text wiederum geht auf den Medizinbuddha selbst zurück, der ihn weitergegeben hat. Im Weiteren wurde der Text dann immer vom Lehrer an den Schüler übertragen, so dass der Text bis zum heutigen Tag erhalten werden konnte.
Welche Bedeutung kann das Medizinbuddha-Mantra für den Betrachter haben ?
Über das Mandala kann man meditieren. Wenn wir nun über das Mandala meditieren und gleichzeitig die uns verordnete Medizin einnehmen, können wir den Heilungsprozesses beschleunigen. Die Erklärung dazu ist folgende:
Auslöser von Krankheiten sind oft negative Emotionen. Meditation hilft, dass die negativen Emotionen uns nicht mehr so stark beeinflussen, so können wir dann eher auf geistiger und körperlicher Ebene heil werden. Wenn wir nun wiederum gesund sind und gesund bleiben, können wir länger und besser meditieren und uns somit auch besser und schneller zur Erleuchtung hin entwickeln. Meditation ist wirklich ein gutes Hilfsmittel, das Probleme bei der Wurzel packt.
Wie kann man das Medizinbuddha–Mandala in seiner Praxis visualisieren um den Segen zu erhalten?
Die Visualisierungstechnik ist sehr kompliziert und würde wahrscheinlich uns normale Praktizierende überfordern. Deshalb rate ich einfach dazu, sich den Medizinbuddha in seiner himmlischen Umgebung vorzustellen und dazu alle Menschen um uns herum als dort lebende erleuchtete Wesen. Und dabei sollte man dann das Medizinbuddha-Mantra rezitieren. Wichtig ist, dass man diese Vorstellung mit Hingabe vornimmt.
Wie lange haben Sie geübt, um Mandalas herzustellen?
Mit 15 war ich bereits in der Maltechnik unterwiesen worden. Dann hatte ich viele Aufträge von Klöstern erhalten und nicht nur Mandalas, sondern auch Thangkas angefertigt.
Ich habe mich darüber hinaus auch viele Jahre in buddhistischer Philosophie weitegebildet und an einer buddhistischen Schule gelehrt. In Namobuddha bin ich für 3 Jahre in ein Retreat gegangen.
Anmerkung des Verfassers zu den Aussagen über die Ausbildungspraxis:
Das Malen von Mandalas setzt nicht nur die Kenntnis der Maltechnik voraus, sondern es bedarf auch einer hohen spirituellen Entwicklung. Nur dann kann der Maler das von ihm zu legende Sandmandala hinreichend visualisieren und die entsprechende Energie auf das zu fertigende Sandmandal übertragen.
Audienz bei Seiner Heiligkeit, dem XIV. Dalai Lama
Am 7. 12. ist Meister Thich Thien Son mit seinen Zenschülern in Dharamsala (Nordindien) eingetroffen, wo sie nachmittags gegen 14 Uhr eine Audienz bei Seiner Heiligkeit dem 14. Dalai Lama gehabt haben. Hierzu der folgende Bericht…
Man kann von jeder Person die Aufregung spüren, als wir durch den Security Check gehen. Wir müssen alle persönlichen Sachen ablegen, nur Meister Thich Thien Son darf einen Fotoapparat und eine Videokamera mit hineinnehmen.
Im Audienzraum Seiner Heiligkeit haben wir zunächst eine halbe Stunde auf ihn gewartet.
Während dieser Zeit können wir Seine Stimme von nebenan immer hören und die Aufregung steigt und steigt, bis Seine Heiligkeit in den Raum kommt. Wir fühlen eine solch gewaltige Energie, dass alle in Tränen ausbrechen, allein weil wir ihn sehen.
Wir dürfen sitzen bleiben und sollen uns noch nicht einmal vor Seiner Heiligkeit verbeugen. Das Gefühl von Vertrauen und von Nähe ist sofort da, Seine Heiligkeit ist für uns so nahe, dass er wie ein gutmütiger Opa wirkt, der seine Enkelkinder wiedersieht.
Wir dürfen dann die erste Frage stellen:
„Wie sollen wir mit unserer Arroganz und mit unserem Stolz umgehen?“
Antwort Seiner Heiligkeit:
„Arroganz und Stolz sind zweierlei Sachen, das muss man auseinander halten. Arroganz führt zu Verblendung. Stolz kann zu heilsamen Taten motivieren, denn Stolz bedeutet auch, dass man seine positiven Möglichkeiten und Fähigkeiten zulässt und sich erlaubt, diese weiter zu kultivieren.“
Zweite Frage:
„Wie lassen sich Spiritualität und Wissenschaft miteinander vereinbaren?“
Antwort Seiner Heiligkeit:
Wissenschaft ist eine Möglichkeit um den Menschen Dharma näher zu bringen und verständlich zu machen, aber, wenn die Wissenschaft Phänomene nicht beweisen kann, heißt das noch lange nicht, dass diese nicht existieren. Relativität existierte bereits, bevor Einstein seine Relativitätstheorie formulierte. Und für Buddhisten kommt es darauf an, wie wir Wissenschaft benutzen um Dharma zu verstehen. Wissenschaft selbst können wir nicht als absolut ansehen.“
Dritte Frage:
„Ist es möglich, dass jeder Buddhas Ebene erreichen kann?“
Antwort Seiner Heiligkeit:
Nach der Zeitberechnung – und diese Zeitberechnung bezieht sich auf die stoffliche Ebene, also die Ebene der Materie – dauert es Äonen von Jahren, bis man sein Karma soweit transformieren kann, dass man die Befreiung erlangt. Aber wenn wir nur von der reinen Bewusstseinsebene sprechen, dann gibt es kein Zeitlimit. Es kommt auf unsere Bemühungen an, es kommt darauf an, wie stetig wir uns unsere Buddha-Natur vergegenwärtigen. Wir sollen stolz darauf sein Buddhas Schüler zu sein, denn seine Lehre gibt die Wege zur Erleuchtung an.“