Neuigkeiten von Chance-To-Grow e.V.

DSC_2216Lieber Spender, Liebe Spenderin, mit Freude und Dankbarkeit hat Tam – das behinderte Mädchen aus Hue – ein Motorrad für sich erhalten. Sie ist sehr glücklich über die Spende und will ihre Dankbarkeit an alle Wohltätige nachreichen. Hier ist ihr Brief an alle Spender, die sie unterstützt haben. Besuchen Sie unsere Website und Facebook Seite um mehr Informationen zu bekommen: Facebook & Website Chance to Grow

“Namo Bodhisattva Avalokiteshvara.

“Sehr geehrter Ehrwürdiger Thich Thien Son – Meister der Phat Hue Pagode!

Sehr geehrte Wohltäter und die Buddhisten der Phat Hue Pagode.

Mein Name ist Huynh Thi Tam aus der Berufsschule der Tay Linh Pagode. Ich hätte ein paar Worte an Sie, meine geehrte Wohltäter. Ich war wirklich berührt, als die Nonne Nhu Minh mir mitgeteilt, dass Sie mir ein Motorrad für Behinderte schenken würde. Nach einer Wartezeit wurde mein Wunsch heutzutage erfüllt. Seitdem ich den Motorrad bekomme, bin ich sehr glücklich und es fällt mir leichter als mit dem alten Rollstuhl, mit denen ich mich sehr müde gefühlt habe, jedes Mal bergauf und bergab bewegen zu müssen.

Seitdem ich an der Berufsschule bin, kann ich mich die Güte der Nonnen, die mich erziehen, und des Ehrwürdigen sowie Sie, die mich lieben und mir alles was Sie können helfen. Früher war ich auch sehr schuldig meines Behindertenlebens, aber mithilfe der Ermutigung der geehrten Mönche und Wohltäter habe ich Freude gefunden und wenige Minderwertigkeitskomplex über mich selbst. Dank des Motorrad kann ich schneller und leichter zur Schule fahren.

Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll, ich würde mich aufrichtig vor dem Ehrwürdiger verneigen und mich bei den Wohltäter und Si Anh ganz herzlich bedanken.

Hue, den 26. Juni 2013

Mit freundlichen Grüße

Huynh Thi Tam”

Donnerstag, Juli 18th, 2013 Allgemeines Keine Kommentare

Vorankündigung “Sri Lanka 2014 – Bhantes 50. und Karuna Samadhis 10. Geburtstag” – Eine Reise mit dem Ehrw. Bhante und dem Ehrw. Thich Thien Son

Sri Lanka 2014Liebe Freundinnen und Freunde – wir sind froh ankündigen zu dürfen, dass 2014 eine besondere Reise ansteht mit dem Ehrw. Bhante Punnaratana und dem Ehrw. Thich Thien Son: Begleitet die beiden nach Sri Lanka, lernen sie Land und Kultur kennen und feiern sie mit uns gemeinsam den Geburtstag von Bhante und seiner Hilfsorganisation Karuna Samadhi. Nähere Informationen folgen in Kürze. Das Programm (Änderungen vorbehalten) steht in diesem Artikel.

Anmeldung: info@phathue.de

Nähere Informationen folgen in Kürze.

DAS PROGRAMM (Änderungen vorbehalten)

ROUTE: COLOMBO – DAMBULLA – SIGIRIYA – ANURADHAPURA – SIGIRIYA ROCK – CITY POLONNARUWA DAMBULLA – MATALE – KANDY CITY – COLOMBO – ONWARD

07 Tage / 06 Nächte

28. Februar 2014 Freitag – Abflug 14.20 Uhr @ FRANKFURT

1. März 2014 Samstag – Ankunft in COLOMBO

Anreise & Empfang in Sri Lanka, Transfer vom Flughafen zum Hotel in Colombo. Später besuchen Sie die faszinierende Stadt Colombo, welche Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft. Sie besuchen das Fort, das Zentrum, Pettah – Colombos belebten Basar, die Zimt Gärten und große Residenzen, buddhistische und Hindu-Tempel sowie Moscheen.Nachmittag Feier in der BMICH (Bandaranaike Memorial International Conference Hall) – ein Kongresszentrum, welches als erstes seiner Art in Asien das Beste von professionellen Tagungsmöglichkeiten vereint mit dem einmaligen Erlebnis, die Insel Sri Lanka, bekannt als das „Paradies auf Erden“, kennen zu lernen. Übernachtung in Ihrem Hotel.

  1. März 2014 Sonntag – COLOMBO – DAMBULLA – SIGIRIYA (ca. 3 Std.)

Fahrt nach Dambulla. Dambulla Cave Temple (auch als Goldener Tempel von Dambulla bekannt) ist ein Weltkulturerbe (1991) in Sri Lanka, im zentralen Teil des Landes gelegen. Dieser Ort ist 148 km (92 Meilen) östlich von Colombo und 72 km (45 Meilen) nördlich von Kandy entfernt. Es ist die größte und besterhaltene Höhlen-Tempelanlage in Sri Lanka. Die Felstürme ragen 160 m (525 ft) über die umliegenden Ebenen heraus. Es gibt mehr als 80 dokumentierte Höhlen in der Umgebung. Dambulla birgt ins sich fünf Höhlen unter einem riesigen überhängenden Felsen. Im Jahr 1938 wurde die Architektur mit gewölbten Kolonnaden und Satteldach-Eingängen verschönert. Im Inneren der Höhlen sind die Decken mit komplizierten Mustern religiöser Bilder den Konturen des Felsens entlang bemalt. Das Dambulla-Höhlenkloster ist noch funktionsfähig und bleibt das am besten erhaltene antike Gebäude in Sri Lanka. Der Komplex stammt aus dem 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. Übernachtung in Ihrem Hotel Sigiriya

3. März 2014 Montag  ANURADHAPURA – SIGIRIYA

Fahrt nach Anuradhapura. Anuradhapura ist eine der alten Hauptstädte von Sri Lanka – weltweit bekannt für seine gut erhaltenen Ruinen der Großen Sri Lanka Zivilisation. Die Zivilisation, die auf diese Stadt gebaut wurde, war eine der größten Asiens und der Welt. Die Stadt ist jetzt UNESCO-Weltkulturerbe. Im 4. Jahrhundert v. Chr. war es die Hauptstadt des Königreichs Anuradhapura bis Anfang des 11. Jahrhunderts. Während dieser Zeit blieb es eine der stabilsten und langlebigsten Zentren der politischen Macht und des städtischen Lebens in Südasien. Es war auch eine reiche Stadt, die eine einzigartige Kultur und eine große Zivilisation geschaffen hat. Die Ruinen bestehen aus drei Klassen von Gebäuden: Dagobas, Klostergebäude und Pokunas. Die Dagobas sind glockenförmige Massen von Mauerwerk, variierend im Umfang von einigen Metern zu einigen hundert Metern. Einige von ihnen enthalten genug Mauerwerk, um eine Stadt für fünfundzwanzigtausend Einwohner zu bauen. Reste der Klostergebäude sind in jeder Richtung, in der Form von erhöhten Steinplattformen, Stiftungen und Steinsäulen gefunden worden. Das berühmteste ist der von König Dutugamunu etwa 164 v. Chr. errichtete Bronze Palast. Die Pokunas sind Bassins, die für die Versorgung mit Trinkwasser verwendet wurden – sie sind überall durch den Dschungel verstreut. Die Stadt enthält auch ein heiliger Bodhi-Baum, der angeblich aus dem Jahr 245 v. Chr. stammen soll. Fahrt nach Sigiriya. Übernachtung in Ihrem Hotel in Sigiriya.

4. März 2014 Dienstag – Sigiriya Felsen – POLONNARUWA CITY

Sigiriya, von einigen als das achte Wunder der Welt betrachtet, besteht aus einer alten Burg von König Kasyapa, des 4. Jahrhunderts n. Chr. Sigiriya besteht aus den Überresten eines Palastes auf der flachen Oberseite des Felsens, aus einer Terrasse mit dem Löwentor und der Spiegelwand mit ihren Fresken, aus einem unteren Palast, der zu den Pisten unterhalb der Felsen gelegen ist, und aus Gräben, Mauern und Gärten, die sich einige hundert Meter weit von der Basis des Felsens weg erstrecken. Dieser Ort ist sowohl Palast als auch Festung. Überreste bieten den Besuchern einen atemberaubenden Einblick in die Innovationskraft und Kreativität seiner Erbauer. Die Gräben und Mauern, die die unteren Paläste umgeben, sind noch heute exquisit schön.

Polonnaruwa das zweit älteste Königreich Sri Lankas, wurde zum ersten Mal die Hauptstadt von König Vijayabahu I., der die Chola Invasoren im Jahre 1070 CE besiegte. Das Land wurde einmal mehr unter einem lokalen Führer vereint. Übernachtung in Ihrem Hotel Sigiriya.

Chakrawarthi Invasion von Sri Lanka im Jahre 1284. Die Hauptstadt wurde auf Dambadeniya verschoben. Heute ist die alte Stadt von Polonnaruwa eines der best geplanten archäologischen Relikte des Landes, Zeugnis für die Disziplin und die Größe des Königreichs und seiner Herrscher. Die antike Stadt Polonnaruwa wurde zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt.

5. März 2014 Mittwoch – DAMBULLA – MATALE – KANDY CITY

Matale ist ein besonderer Ort, 142 km entfernt von der Hauptstadt Colombo und 26 Kilometer (16 Meilen) entfernt

von Kandy. Es ist ein Gebiet, durchtränkt von Geschichte und dörflichem Leben. Der Kräutergarten in Matale wird „Sri Lankas unsterbliche Seele“ genannt – er machte durch die vielen großen Düfte, Geschmäcker und Medikamente Sri Lanka berühmt. Sehen und erfahren Sie mehr über Gewürze in Matale, und erleben Sie den großen Reichtum von Sri Lankas Küche und traditioneller Ayurveda-Therapie. Rund um die Stadt befinden sich die „Knuckles“. Das Knuckles-Gebirge ist ein besonderes Wahrzeichen von Matale.

Das Gebiet Riverston ist voll von herzberührender Atmosphäre, die wirklich ideal ist für Naturliebhaber. Das Klima hier ist etwas anders als das der bisherigen Orte & man kann Wolken kommen und gehensehen, die das Wetter kühl machen.

Der Alu Vihara Tempel, auf der Nordseite der Stadt, ist ein historischer Ort, an dem die buddhistischen Schriften des Pali Kanon erstmalig auf Palmenblättern aufgeschrieben wurden.

Kandy ist ein wichtiges touristisches Ziel – es wird auch als kulturelle Hauptstadt von Sri Lanka beschrieben. Eingebettet in Hügeln auf einer Höhe von 488 m, ist es 115 km von Colombo entfernt. Kandy hat eine reichhaltige Geschichte: Es wurde ursprünglich als Senkadagalapura nach einem Einsiedler namens Senkada benannt, der dort lebte. Viele Singhalesen nennen es Mahanuwara – die große Stadt. Der Name Kandy wurde von den Kolonialherren aus dem Wort Kanda im Singhalesischen abgeleitet und bedeutet „Hügel“. Kandy war die Hochburg der singhalesischen Könige, welche die Kultur schützten und förderten, bis die Stadt im Jahre 1815 in die Hände der Briten überging. Heute ist Kandy ein belebtes und geschäftiges, kommerzielles Zentrum, mit seinem großen See in der Mitte, ist Kandy besonders bekannt für die Kandy Perahara oder Dalada Perahara – ein riesiger kultureller Festzug, der im Juli oder August stattfindet. Dieser Festzug ist eine der buntesten Prozessionen der Welt. Tausende von Trommlern und Tänzern sind daran beteiligt, geschmückte Elefanten schreiten durch die Straßen von Kandy. Beginn des Umzugs: der Zahn-Tempel – der heiligste buddhistische Ort in Sri Lanka, wo der Überlieferung nach ein Zahn Buddhas aufbewahrt wird. Besuchen Sie auch die Stadt Kandy – das berühmteste Wahrzeichen ist der See im Zentrum der Stadt. Übernachtung in Ihrem Hotel

6. März 2014 Donnerstag – Kandy – Colombo (ca. 2.25 Stunden)

Nach dem Frühstück Zeit für Einkäufe und Shopping. Später am Abend Transfer zum Flughafen Colombo,  Rückflug nach Deutschland.


Nachdem wir nun die Reiseplanung abschließen konnten, freuen wir uns, Sie jetzt über die konkrete Reiseroute sowie die Hotels informieren zu können.


Im Rahmen der Sri Lanka-Reise 2014 vom 28.Februar 2014 - 6. März 2014 haben wir ausschließlich 5* Hotels (Landeskategorie) reserviert, sodass neben dem anspruchsvollen Reiseprogramm auch für Ihre Bequemlichkeit und Erholung gesorgt ist.


Reiseroute und Liste der Hotels ( folgt )


Der Reisepreis beträgt 1799,- Euro für Flug (Sri Lankan), Rundreise, Hotel im Doppelzimmer sowie voll Pension.

Einzelzimmerzuschlag 275,- Euro.


Das Visum für Sri Lanka wird individuell beantragt und ist nicht im Reisepreis enthalten.

Wenn Sie Interesse haben nach der Rundreise Ihre Eindrücke von diesem wunderschönen Land zu vertiefen und noch mehr von Land und Leuten kennen zu lernen, nehmen Sie bitte mit Karuna Samadhi Kontakt auf.


Sollten Sie im Anschluss an die Rundreise noch individuelle Reiseziele eingeplant haben, lass Sie es uns bitte mit Ihrer Anmeldung wissen, damit wir Ihr Rückflugticket entsprechend reservieren lassen können.

Ihr Besuch war uns eine Freude!

Freitag, Juli 5th, 2013 Allgemeines Keine Kommentare

Bericht: Geshe Sonams Vortrag “Weg zu einem friedvollen und glücklichen Geist”

Geshe SonamDie ZEN – Schüler des Abtes der Pagode Phat Hue in Frankfurt/M, dem Ehrw. Thich Thien Son, sowie interessierte Gäste aus deren Freundes- und Bekanntenkreis, hatten am 03.04.2012 die Gelegenheit – und das Vorrecht! – den tibetischen Mönch, Ehrw. Geshe Sonam, zu erleben und seinem Vortrag zu lauschen. Der Ehrw. Geshe Sonam wurde übersetzt von dem Mönch Kehdrup und der Nonne Hue Tho.

Das Verhalten des Ehrw. Geshe Sonam vom Betreten der Buddhahalle bis zum Verlassen war eine ebenso eindrucksvolle Belehrung wie seine Worte. Durch 3 tiefe Verbeugungen bezeugte er seine Ehrfurcht vor Buddha. Nach einer Rezitation und einem warmherzigen Willkommensgruß, wies er von Beginn seines Vortrags darauf hin, wie entscheidend wichtig die Motivation sowohl des Sprechers, wie des Zuhörers jetzt sei. Beiden geziemt tiefe Dankbarkeit, für das Vorrecht, als Mensch geboren zu sein und zu der Wahrheit und Weisheit der Lehre Buddhas Zugang zu haben.

Wir haben einen menschlichen Körper, einen menschlichen Geist und tragen den Samen der Buddhanatur in uns. Viele Menschen sind reich und berühmt und haben nicht dies Glück, mit Dharma in Berührung zu kommen. Es gilt, sich bewusst zu machen, wie wir unseren Reichtum und unsere Freiheit nutzen können. 3 Ebenen werden dem Praktizierenden als Ziel angeboten: die 1. Ebene verheißt uns, als menschliches oder göttliches Wesen wiedergeboren zu werden. Die 2. Ebene stellt uns das Nirvana, d.h. die Beendigung des Leidens, in Aussicht. Die 3. Ebene ist die der Buddhaschaft zum Wohle aller Lebewesen. Je nach engagiertem Training können wir eine oder alle drei Ebenen erreichen und dann auch das Glück dieser Ebenen erfahren. Warum braucht es Training? Damit für uns und andere ein stabiles Glück erreicht wird. Wie kann das Training aussehen? Neben dem Hören und Reflektieren der Dharmareden können wir die Zufluchtnahme praktizieren und die Regel von Ursache und Wirkung beobachten.

Bei der Zufluchtnahme werden nicht viele Worte gemacht, aber die Wirkung ist groß. Was Karma ist und wie es entsteht, wird deutlich, wenn man sieht, wieviel Leid entsteht, weil man nicht Ursache + Wirkung beachtet. Viele Menschen haben nicht das Wissen, wie sie sich aus Leid befreien können. Sie schaffen es nicht, es zu beenden.

Die 4 Edlen Wahrheiten zeigen den Übungsweg auf, sich aus Leid zu befreien.

Die 1. Wahrheit besagt: Das wichtigste ist, erst einmal mein Leid zu sehen und zu verstehen: ja, ich leide (= Wirkung des Leids)

Die 2. Wahrheit besagt: Im nächsten Schritt fragen wir: wie entsteht das Leid? Wie kreiere ich es? = die Bedingungen zum Leid. (= Ursache des Leids)

Die 3. Wahrheit besagt: dass man das Leid beenden kann

Die 4. Wahrheit zeigt auf: wie man das Leid beenden kann.

Alle ehemaligen buddhistischen Gelehrten zeigen auf, wie man sich vom Leid befreit.

Da wird als Praxis angeboten, den Bodhicittageist zu entwickeln. Das bedeutet, Mitgefühl für alle Lebewesen zu empfinden und sich einzusetzen für ihre Befreiung von Leid. Als zweite Möglichkeit wird die Praxis der Leerheit genannt. Das bedeutet, in einer friedvollen Geisteshaltung Liebe und Mitgefühl für alle Lebewesen zu entfalten. Genau diese Unterstützung haben wir selbst bereits von vielen erhalten, nicht nur in diesem Leben von Vater und Mutter.

Am Ende des Abends bot Ehrw. Geshe Sonam an, Fragen der Zuhörer zu beantworten.

Frage: Was ist mit den Menschen, die mir Probleme machen?

Antwort: Diese Menschen haben nicht die Freiheit, ihren Verstrickungen zu entgehen. Ärger im Kontakt mit ihnen fühlen wir auch, weil wir Ärger in unserem Karma angesammelt haben. Ärger ist die größte Verstrickung. Wir haben dabei nicht nur jetzt ein schlechtes Gefühl, sondern zerstören auch unser zukünftiges Glück. Ein wirksames Gegengift ist Geduld. Bei Problemen, die uns begegnen, sollten wir nicht argumentieren: „Womit habe ich das verdient?“ Sondern bedenken: Unsere Probleme sind gering im Gegensatz zu denen anderer Menschen, beispielsweise derer, die in Kriegsgebieten leben, verletzt, krank und hungrig sind.  Ein Problem ruft uns auf zu schauen: gibt es eine Methode, es zu lösen? Und dann diese Methode anzuwenden, statt im Leid zu baden.Wenn uns aber klar wird: es gibt keine Methode, das Problem zu lösen, dann ist es Zeit, uns vom Leid abzuwenden, an die Quelle des Leids zu gehen und das Übel an der Wurzel zu packen.

Zum Abschluß des Abends gab der Ehrw. Thich Thien Son seinen ZEN – Schülern die Gelegenheit, mit einer dreifachen tiefen Verbeugung dem Ehrw. Geshe Sonam ihre Dankbarkeit und ihren Respekt zu zeigen.

Er kündigte an, dass der Ehrw. Geshe Sonam bei dem 2 Tage später beginnenden Samadhi-Retreat in Phat Dao seine Belehrungen fortsetzen werde.

Samstag, April 21st, 2012 Allgemeines Keine Kommentare

Ordinationszeremonie in Frankreich / Lyon – Ein kurzer Bericht von Hue Chuyen

Lyon Ordination Teil 1-109Als ich meine Augen langsam öffne sehe ich einen vietnamesischen Mönch mit dunklen Schlafsäcken um ihre Körper gewinkelt. Er scheint in tiefer Meditation. Hinter ihm sitzen noch zwei weitere Mönche, die ähnlich aussehen wie er. Ich brauche fast eine Minute bis ich mir wieder bewusst werde wo ich bin. Ich schaue neben mich und sehe Hue Ngos Gesicht neben mir, ebenfalls eingewickelt in seinen Schlafsack. Seine Augen sind leicht geöffnet. „Es ist noch nicht 5.oo Uhr du kannst weiter schlafen“, sagt er. Dankbar schließe ich meine schweren Augen und atme tief ein und lasse mich noch mal tiefer auf die dünne Matte auf dem harten Fußboden sinken. Vietnamesisches Gemurmel erreicht plötzlich meine Ohren
und dann ertönt eine laute Glocke irgendwo über meinem Kopf.

Als ich meine Augen zum zweiten Mal öffne sehe ich den Abt des Tempels mit einem Arm voller Meditationskissen hin und her laufen im Versuch, eine Sitzreihe herzustellen. Keine Chance wieder einzuschlafen. Mein Geist kommt langsam in Gang und ich erinnere mich, dass heute die Zeremonie ist für die Gelübde der Bhikkhu. Und heute wird mein erster Tag sein, als vollordinierter Mönch. Wir sind jetzt seit 4 Tagen in der Thien Minh Pagode in Frankreich. 5 Brüder und 2 Anwärter sind von Buddhas Weg im weißen Van um 6 Uhr morgens losgefahren um in Lyon noch vor Nachtanbruch anzukommen. Wir haben 12 Stunden gebraucht. Unterwegs haben wir an einem französischen Supermarkt gehalten und uns Brote und Käse gekauft für ein Picknick in einem Feld, bevor wir dem berühmten französischen Kloster Taize einen kurzen Besuch abstatteten. Es war eine ruhige Woche dort, wie uns einer der christlichen Mönche berichtete, nur 1000 junge Besucher…

Dann erwartete uns das wunderschöne traditionell vietnamesisches Kloster Thien Minh, das hoch gelegen auf einem Berg liegt. Die Landschaft wird durch den Lotusteich vollkommen und der liegenden Buddha Statue und einem riesigen „Quan Te Am Botat“, dem Symbol für Mitgefühl. Die Aussicht vom Balkon der Buddhahalle ist ein atemberaubender Ausblick in die eine hügelige Weite endlos bis in den Horizont. Wir wissen, wir sind hier aus einem ganz besonderen Grund…

Diese Woche hat die Sangha von Buddhas Weg und Phat Hue die Möglichkeit an einer großen Buddhistischen Zeremonie teilzunehmen, gemeinsam mit anderen Mönchen und Nonnen aus der ganzen Welt. Unter blauem Himmel wurde von der Vietnamesischen Kongregation Ordinations-Zeremonien, Dharmareden und Gruppendiskussionen angeleitet. Bruder Hue Loc, Hue Ngo, und ich Hue Chuyen erhielten die volle Ordination als Bhikkhus und erhielten die goldenen Roben. Wir erhielten auch die Möglichkeit unsere Bodhisattva Gelöbnis zu nehmen, um unser Leben zum Wohle aller Lebewesen zu widmen. Schwester Hue Nghiem, Hue Tho und Hue Trieu erhielten ebenso die höhere Ordination als Shikshamanas. Nach unserer Ordination gratulierte uns Thay und zeigte uns, wie glücklich er war über unsere Entwicklung auf unserem spirituellen Weg.

Die Sangha wurde von einer wunderbaren Gemeinschaft empfangen, mit herrlichen vietnamesischen Mahlzeiten und zahlreichen traditionellen Liedern und Gesängen und vielen Impulsen über die wir später reflektieren können auf unserem Dharmaweg. Wir möchten uns ganz herzlich bei dem Ehrwürdigen Abt der Pagode Thien Minh bedanken und all den hohen ehrwürdigen Gästen die dieses segensreiche Ereignis möglich gemacht haben.

Frankreich, Lyon, 10. September 2011
Bruder Hue Chuyen

Samstag, September 10th, 2011 Allgemeines Keine Kommentare

Psycho-HP Grundmodul 1 und buddhistische Psychologie Modul 2 2011 / 2012 Veranstaltungsort: Kloster Buddhas Weg / Odenwald

heilpraktiker psychotherapie psychologieDie Ausbildung vermittelt psychiatrisches Grundlagenwissen und einen Überblick über traditionelle, westliche Psychotherapieverfahren, sowie eine theoretische und praktische Einführung in die Buddhistische Psychologie und Philosophie. Sie besteht aus zwei Modulen, die auch einzeln buchbar sind.

Modul 1:
Heilpraktiker/in für Psychotherapie (HPT)

Mit Hilfe der anschaulichen und lebendigen Vermittlung von schulmedizinisch-psychiatrischen Inhalten zur Dynamik und Diagnostik seelischer Erkrankungen und der Einführung in Theorie und Praxis verschiedener psychotherapeutischer Verfahren und Methoden, erhalten Sie eine fundierten Überblick über die vielseitigen Aspekte und Möglichkeiten im Zusammenhang mit einer Tätigkeit als Heilpraktiker/in für Psychotherapie.
Ziel der Ausbildung ist eine kompetente Vorbereitung auf die Prüfung zum/r psychologischen Heilpraktiker/in nach HPG durch das jeweils zuständige Gesundheitsamt. Darüber hinaus wird den Teilnehmer/innen im Rahmen von praktischen Übungen Eigen- und Selbsterfahrung ermöglicht, um sich auf die Rolle als Therapeut/in vorzubereiten.

Nach der bestandenen Prüfung bei Ihrem Gesundheitsamt können Sie sich in eigener Praxis als Heilpraktiker/in für Psychotherapie niederlassen.

Bei erfolgreichem Abschluss der Ausbildung erhalten Sie ein entsprechendes Zertifikat.

Ausbildungsstart: 09.09.2011

Für wen ist die Ausbildung geeignet?
Die Ausbildung richtet sich sowohl an Menschen, die bereits in beratenden Berufen tätig sind und ihre Kompetenzen und Wirkungsbereiche sinnvoll erweitern möchten, als auch an alle Interessierte, die sich näher mit dem Thema „Psychologie/Psychotherapie/Buddhismus“ im weitesten Sinne befassen möchten – vielleicht auch im Hinblick auf eine berufliche Neuorientierung.
An 14 Wochenenden (insgesamt 168 Unterrichtsstunden) werden folgende Themenschwerpunkte erarbeitet:
1. WE (09.-11. 09.2011)
• Psychotherapie in Deutschland: Allgemeine Einführung
• Lernen lernen
• Anatomie und Physiologie des Nervensystems
2. WE (30.9.-02.10.2011)
• Psychopathologische Grundbegriffe
• Psychiatrische Klassifikationssysteme (ICD-10 etc.) und Psychiatrische Fallaufnahme
3. WE (04.-06.11.2011)
• Affektive Störungen (Depression und Manie)
• Schizophrenie(n)
4. WE (09.-11.12.2011)
• Neurosenlehre und Neurosen
5. WE (20.-22.01.2012)
• Persönlichkeitsstörungen
• Kinder- und Jugendpsychiatrie
6. WE (24.-26.02.2012)
• Suchterkrankungen
• Psychosomatik 1: Essstörungen
7. WE (23.-25.03.2012)
• Psychosomatik 2: Allgemeine Theorie – Schlafstörungen/Sex. Störungen – „Holy Seven“
8. WE (20.-22.04.2012)
• Theorie und Praxis: Tiefenpsychologie
9. WE (25.-27.05.2012)
• Theorie und Praxis: Verhaltenstherapie
10. WE (22.-24.06.2012)
• Theorie und Praxis: Humanistische Therapieverfahren und systemische Aufstellungen
11. WE (27.-29.07.2012)
• Theorie und Praxis: Buddhistische Psychologie
12. WE (24.-26.08.2012)
• Psychopharmakologie
• Neurologie
13. WE (14.-16.09.2012)
• Notfallsituationen
• Juristische Aspekte für die Tätigkeit als HP-Psychotherapie
14. WE (05.-07.10.2012)
• Repetitorium
• Mündliche und schriftliche Prüfung
KURSGEBÜHREN:

1. Teilnahmegebühr pro Wochenende (Einzelbuchung WE):
225 € (inkl. 2 ÜN im DZ mit vegetarischer Verpflegung)
185 € (ohne ÜN – inkl. 2 x vegetarischem Mittagessen)
2. Ermäßigter Preis bei Komplettzahlung vor Ausbildungsbeginn:
2352 € – Ersparnis 588 € (= – 20%)

Buchungsnummer: 20354

Sie erhalten ein umfangreiches Skript und ergänzendes Lehrmaterial zu den jeweiligen Unterrichtsthemen.

MODUL 2:

BUDDHISTISCHE PSYCHOLOGIE

Werkzeuge der Selbsterforschung, die tief in der Buddhistischen Lehre verwurzelt sind, wie z.B. Achtsamkeit im Alltag und verschiedene Meditationstechniken, wurden bereits in zahlreiche, westliche Psychotherapieansätze erfolgreich integriert.

Im Zentrum der Buddhistischen Psychologie steht die Befreiung des Einzelnen von das (Er)leben einschränkenden Vorstellungen und Verhaltensmustern. Dabei geht es bei Beginn des therapeutischen Prozesses zunächst darum, dem Klienten die Durchleuchtung der eigenen Ich-Struktur zu ermöglichen. Erst dann wird es möglich, den Erfahrungsspielraum auf körperlicher, geistiger und kommunikativer Ebene in der Tiefe zu verändern und zu erweitern. Ein weiteres Anliegen besteht darin, auf transpersonaler Ebene karmische Verstrickungen, die zum Teil von Generation zu Generation und darüber hinaus kollektiv weitergegeben wurden, zu erkennen und zu lösen.

Grundvoraussetzung für den gesamten Prozess und unmittelbar damit verknüpft ist die Förderung einer heilsamen Geisteshaltung (bodhicitta) und Lebensführung, die weder dem Therapeuten/Klienten selbst noch anderen Schaden zufügt, sondern zum Wohle aller beiträgt.

Die Weiterbildung wird an 19 Wochenenden (insgesamt 228 Unterrichtsstunden)stattfinden.

Der Unterrichtsstoff wird praxisnah und ansprechend aufbereitet, so dass die Inhalte dazu einladen, direkt im eigenen Alltag und in der therapeutischen Praxis angewendet zu werden. Darüber hinaus wird es viel Raum für die Eigen- und Selbsterfahrung der vorgestellten Themen sowie Fallbeispiele geben. Die Teilnehmer/innen können auch eigene Fallbeispiele einbringen.

Ziel der Weiterbildung ist der theoretische und praktische Erwerb
therapeutischer Werkzeuge auf der Grundlage der Buddhistischen
Psychologie. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Sie ein Weiterbildungszertifikat
„Buddhistische Psychologie“.

Weiterbildungsstart: 31.03.2012

Für wen ist die Weiterbildung geeignet?
Die Weiterbildung richtet sich an Menschen, die bereits in beratenden oder/und therapeutischen Berufen tätig sind oder über entsprechende Vorkenntnisse verfügen und ihre Kompetenzen und Wirkungsbereiche mit Hilfe der Buddhistischen Psychologie und Philosophie sinnvoll erweitern möchten. Vorkenntnisse zum Thema „Buddhismus“ sind nicht erforderlich, jedoch erleichtert eine eigene spirituelle Praxis den Zugang zu den vorgestellten Inhalten.

Die thematischen Schwerpunkte in der Kurz-Übersicht:
1. WE (31.03.-01.04.2012): Einführung: Buddhistische Psychologie als Grundlage für die therapeutische Arbeit – vom Problem zum Potential
2. WE (05.-06.05.2012): Ego – Selbst – Ich: (Selbst-)Täuschungen und Verstrickungen erkennen
3. WE (30.06.-01.07.2012): Ich & Du: Die Welt ist unser Spiegel – Interaktionsmuster verstehen
4. WE (01.-02.09.2012): Erkennen, Verstehen und Transformieren von Ängsten
5.WE (13.-14.10.2012): Wie unser Geist funktioniert: Erarbeiten einer Landkarte des Geistes: Teil 1 Abhidhamma
6. WE (24.-25.11.2012): Wie unser Geist funktioniert: Erarbeiten einer Landkarte des Geistes: Teil 2 Bewusstseinsschule (Yogacara)
7. WE (26.-27.01.2013): Achtsamkeit als psychotherapeutisches Werkzeug: Der Weg ins Hier und Jetzt
8. WE (02.-03.03.2013): Meditation als therapeutisches Werkzeug: Samatha, den Geist zur Ruhe bringen, und Vipassana, Ursache und Wirkung verstehen lernen
9. WE (20.-21.04.2013): Entwicklung einer positiven Geisteshaltung (bodhicitta) mit Hilfe der vier Unermesslichen: das heilsame Potential von liebender Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gelassenheit für das therapeutische Setting
10. WE (01.-02.06.2013): Umgang mit schwierigen Emotionen – buddhistische Integrationsarbeit für das innere Team
11. WE (24.-25.08.2013): Einführung in die Praxis des Chöd: Durchschneiden von Anhaftungen an Glaubenssätze, (Sehn)süchte und Wunschvorstellungen
12. WE (28.-29.09.2013): Systemische Aufstellungstechniken auf der Grundlage der Buddhistischen Psychologie
13. WE (09.-10.11.2013): Heilsam kommunizieren – Wege zur Mediation und Konfliktlösung
14. WE (25.-26.01.2014): Erwachsenwerden – Buddhistische Psychologie in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
15. WE (01.-02.03.2014): Das Zusammenspiel von Körper und Geist – Wege zu einer buddhistischen Psychosomatik
16. WE (05.-06.04.2014): Das Festhalten loslassen: Vergänglichkeit und Leerheit erfahrbar machen
17. WE (24.-25.05.2014): Umgang mit Krisen, Blockaden und Traumata: Frieden schließen
18. WE (28.-29.06.2014): Auf dem Weg zur Befreiung: Heilung, Freude und Glück willkommen heißen
19. WE (26.-27.07.2014): Abschluss und Prüfung
(ausführlichere Informationen zu den einzelnen Wochenenden finden Sie unter www.buddhasweg.eu)

KURSGEBÜHREN:

1. Teilnahmegebühr pro Wochenende (Einzelbuchung WE):
225 € (inkl. 2 ÜN im DZ mit vegetarischer Verpflegung)
185 € (ohne ÜN – inkl. 2 x vegetarischem Mittagessen)
2. Ermäßigter Preis bei Komplettzahlung vor Ausbildungsbeginn:
3847,50 € – Ersparnis 427,50 € (= – 10%)

Buchungsnummer: 20364

Für beide Module gilt:

Unterrichtsbeginn: Jeweils Samstag 9.30 Uhr – bis Sonntag 17.00 Uhr mit entsprechenden Pausen.

Die Wochenenden können auf Nachfrage auch einzeln gebucht werden.

KONTAKT, INFORMATIONEN und ANMELDUNG:

BUDDHAS WEG
Gesundheits- und Seminarzentrum
Außerhalb 5
69483 Wald-Michelbach
(Siedelsbrunn/Odenwald)
Tel. 069 – 48 44 98 – 50 oder
Tel. 06207 – 92598 – 21

E-Mail:
info@buddhasweg.eu
Internet:
www.buddhasweg.eu

DOZENTIN:

ann-uta-hue-phoAnn-Uta Beißwenger (Hue Pho), Heilpraktikerin und M.A. phil. hat
mehrere Jahre in eigener Praxis für psychotherapeutische
Medizin und Naturheilverfahren in Frankfurt/M und als freie Dozentin für Heilpraktikerschulen gearbeitet.
Sie hat verschiedene geisteswissenschaftliche Studiengänge absolviert,
ein Aufbaustudium in Verhaltensbiologie, sowie ein Studium
der Humanmedizin (bis 2. Staatsexamen) und eine Ausbildung zur
PR-Referentin.
Psychotherapeutische Weiterbildungen im Bereich Tiefenpsychologie,
vor allem nach C.G. Jung und S. Freud, Verhaltenstherapie (Beck,
Linehan), Systemische Ansätze und in Psychosynthese (Assagioli).
Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich mit Buddhistischer Psychologie
und Philosophie und lebte drei Jahre in der Pagode Phat Hue in
Frankfurt am Main und im Kloster Buddhas Weg. Sie wird weiterhin in Buddhistischer Psychologie und Philosophie unter Zen-Meister Thich Thien Son ausgebildet und ist als freiberufliche Dozentin an verschiedenen medizinischen Institutionen sowie als Heilpraktikerin und Beraterin in eigener Praxis tätig.

Ausbildungsort:
Beide Module finden in unserem in landschaftlich reizvoller Höhenlage
gelegenem Buddhistischen Kloster und Seminarzentrum
Buddhas Weg, im Odenwald, statt. Die einzelnen Unterrichtseinheiten
sind eingebettet in den Klosteralltag. Auf diese Weise bietet jedes
Seminarwochenende auch die Möglichkeit zur inneren Einkehr und
Entspannung vom Stress des Alltags. Sie sind herzlich eingeladen, an
den Meditationen teilzunehmen, wenn Sie dies möchten. Zahlreiche
Wanderwege laden in den Pausen ein, die Natur des Odenwalds
zu erkunden. Es besteht darüber hinaus auch genügend Zeit, um sich
mit den anderen Teilnehmer/innen auszutauschen und den Lehrstoff zu vertiefen. Die Lerninhalte können so effektiv verarbeitet werden

Samstag, April 24th, 2010 Allgemeines Keine Kommentare

Ist Dein Glas halbvoll oder halbleer?

thay1Zählst Du auch zu den Menschen, die das halbgefüllte Glas Wasser als „halbleer” und nicht als „halbvoll” bezeichnen? Oder zu den Zeitgenossen, deren Blick direkt auf die eine Wolke inmitten des blauen Himmels fällt? Keine Sorge – damit bist Du nicht allein! Nicht umsonst wird oft gesagt: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.”

Und eine typisch menschliche Gewohnheit ist es, dass wir aus dem bunten Korb aller Wahrnehmungsmöglichkeiten gezielt das herauspicken, was wir als „negativ”, unangenehm und störend empfinden. Unsere Brille ist in der Regel alles andere als rosarot. Der Punkt ist: Du kannst die Brille absetzen!

Vielleicht fragst Du Dich jetzt: Brille absetzen und dann? Ohne Brille kann ich ja gar nichts mehr sehen? Doch – Du wirst sehen können, aber auf andere Weise. Da die Welt Dir plötzlich anders erscheint, hast Du die Möglichkeit, Deine Wahrnehmung und Deine Gedanken neu zu schulen und zu verändern. So könntest Du Deine Aufmerksamkeit beispielsweise immer mehr auf die schönen Blumen vor Deinen Augen lenken, anstelle ständig über Deinen cholerischen Chef nachzudenken.

Aufgrund von Gewohnheiten wendest Du Dich Dingen zu, die Dir bestimmte negative Erwartungen erfüllen und innere Überzeugungen bestätigen. Wenn Du von Deiner Mutter immer wieder schwer enttäuscht wurdest, wirst Du in anderen Frauen immer wieder die Aspekte suchen und wiedererkennen, die Dir bestätigen, dass Du Dich auf das weibliche Geschlecht nun mal nicht verlassen kannst.

Negative Gewohnheiten, werden mit Hilfe von destruktiven oder unvorteilhaften Gedanken und Konzepten genährt. Letztere wiederum stehen in Wechselwirkung mit unangenehmen Gefühlszuständen. So versperrst Du Dir jeden Tag aufs Neue Deinen Weg zu mehr Freude und innerem Frieden. Gebe Dir selbst die Erlaubnis, die Tür zu einem glücklichen und friedlichen Leben zu öffnen.

Aber wie soll das funktionieren? Es gibt zugegebenermaßen keinen Fahrstuhl, in den Du einsteigen kannst, und mit dessen Hilfe Du Dich ohne jegliche Anstrengung in die Sphären der Himmlischen Wesen beförderst. Anstelle dessen gibt es ein Treppenhaus, das sich über mehrere Stockwerke erstreckt. Ja, Du musst jede einzelne Stufe selber, aus eigener Kraft, beschreiten. Das ist bisweilen anstrengend, aber die Mühe lohnt sich. Je höher Du die Stufen erklimmst, umso freier und weiter wird Dein Herz.

Im traditionellen Buddhismus kennen wir die Vier rechten Bemühungen (sammà vàyàma) – etwas moderner ausgedrückt, könnten sie folgendermaßen lauten:

1. Die negativen Ideen und Gedanken, die Du bereits in Deinem Kopf hast, versuche sie zu stoppen.
2. Gebe denjenigen negativen Ideen und Gedanken, die noch nicht aufgekommen sind, keinen Nährboden. Lasse sie erst gar nicht zu.
3. Nähre die positiven und konstruktiven Ideen und Gedanken, die bereits in Deinem Geist vorhanden sind. Erhalte sie am Leben und fördere sie.
4. Praktiziere Achtsamkeit und erzeuge Dir in jedem Moment Deines Erlebens bewusst und aktiv positive und konstruktive Gedanken – gerade auch in solchen Augenblicken, in denen es für Dich schwierig ist.

Oft nehmen wir das Gute, was schon da ist, gar nicht erst wahr. Es passt nicht in Dein Konzept.
Stell’ Dir vor, Du begibst Dich auf den Weg eines Bodhisattwas, eines Menschen, der sein Leben voller Hingabe dem Dienst an allen fühlenden Wesen widmet.
Auf welche Weise könntest Du – ganz ohne Zwang und große Anstrengung – anderen Menschen dienen und sie auf ihrer Reise durch ihr Leben begleiten? Worin besteht Deine wirkliche Stärke, eine Qualität, die Du einfach hast, ohne Dich dafür anstrengen zu müssen? Du benutzt sie nicht, um Dich aufzuwerten oder etwas zu kompensieren – sie entspringt direkt aus Deinem Herzen.

Es könnte die Flexibilität sein, mit deren Hilfe Du Dich mühelos in andere einfühlen kannst und eine gegebene Situation schnell erfasst. Oder Dein Mut, mit welchem Du auch in schwierigen Zeiten, anderen zur Seite stehen kannst.

Versuche in den folgenden Tagen Deine Aufmerksamkeit auf Deine „Bodhisattwa-Stärke” zu richten – nicht nur in der Meditation, sondern besonders auch im Kontakt mit anderen Menschen. Hole sie immer wieder aktiv hervor und erzeuge sie in Deinem Geist. Auf diese Weise kannst Du Deinen Geist Schritt für Schritt in eine positive und freudvollere Richtung transformieren. All die negativen Gewohnheiten und Gedanken verlieren zunehmend an Kraft.

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Mittwoch, April 14th, 2010 Blog Keine Kommentare

Wer wir sind – Impulse jenseits von Konfession und Dualität

Unsere Annahmen und Konzepte, mit welchen wir die Welt betrachten und kategorisieren, begrenzen unsere Wahrnehmung und damit unser tägliches Erleben. Je nachdem, aus welchem kulturellen und/oder spirituellen Umfeld wir stammen, laufen wir mit einem entsprechend voreingestellten Tunnelblick durch unser Leben. Dabei sind wir häufig auf das Außen fokussiert. Sei es, dass wir die Verantwortung für unser Leid oder Wohlbefinden an unser Umfeld abgeben, oder aber alles tun, um den (vermeintlichen) Erwartungen unserer Mitwelt zu entsprechen: „Ich muss unbedingt noch 10 Kilo abnehmen, dann wird mein Partner bestimmt bei mir bleiben” und „Ja, wenn meine Tochter besser in der Schule wäre, muss ich nicht ständig Stress haben!”

Doch was ist eigentlich mit uns selbst? Wo bleiben wir und wer oder was sind wir?

Nicht nur im Buddhismus, sondern in allen Religionen und auch Philosophien der Welt wird die Frage nach dem „wer bin ich” gestellt. Besonders in Zeiten persönlicher Krisen und tief greifender Veränderungen, stellen wir uns Fragen dieser Art. Oft betrachten wir uns dabei nicht isoliert, sondern suchen auch nach einem Schöpfer, einer übergeordneten Macht, einer kosmischen Energie oder im Buddhismus nach der Leerheit. Dabei gibt es zwischen den einzelnen spirituellen Ansätzen zwar große Unterschiede hinsichtlich der Terminologie – schaut man aber hinter die einzelnen Begriffe wird deutlich, dass die Ideen oder das Grundverständnis über die Natur des Menschen und des Kosmos einander sehr ähneln.

Überwinden wir unseren Geist begrenzende Vorurteile und studieren wir z.B. als Buddhisten die Bibel, werden wir dort auch für uns fruchtbare Impulse finden. Begriffe wie Selbst, Seele oder Gott, die im Traditionellen Buddhismus oft verneint werden, können dann in einem anderen Licht betrachtet werden. Die offene Betrachtungsweise erweitert lediglich den eigenen Horizont und vertieft den Einblick und das Verständnis über die Erscheinungen der Welt.

Je offener unser Geist für die Vielfalt der Möglichkeiten ist, umso mehr sind wir bereit, die Leerheit, über das lediglich intellektuelle Verstehen hinaus, zu erfahren.
Wer oder was sind wir?

Um diese Frage beantworten zu können, sollten wir vor allem drei Aspekte, die unser Denken und Handeln bestimmen, unterscheiden lernen: Das äußere Ich (Selbstbild), das innere Ich (Seele, Psyche, Geist) und das Selbst (Leerheit, Gott, Kosmos, Buddhanatur).

Selbst_Ich_InneresIch

1. Das äußere Ich – (Selbst- und Wunschbilder)

Das äußere Ich enthält die Vorstellungen darüber, wie wir uns der Außenwelt präsentieren möchten, aber auch Wunschbilder, die wir sinnlos verfolgen, z.B. „ich bin stark.“ Wir wollen stark sein für jemand anders – nicht für uns selbst. Typische Bedürfnisse des äußeren Ichs sind daher Anerkennung, Wertschätzung und Akzeptanz. Wenn wir im Alltag miteinander kommunizieren, tun wir dies in der Regel über unser äußeres Ich. Abhängig von der Rolle, die wir in einem gegebenen Augenblick erfüllen möchten, verändert sich das jeweilige Selbstbild. Wenn z.B. eine Frau, während sie ihr Kind in den Kindergarten bringt, die Rolle einer guten Mutter erfüllen möchte, wird sie ein „Gute-Mutter-Selbstbild“ mit der Botschaft „ich bin fürsorglich” benutzen. Geht sie danach zu ihrem Arbeitsplatz, wird das Selbstbild eher von Qualitäten wie z.B. Stärke und Ehrgeiz bestimmt sein. Dies bedeutet, dass wir nicht nur ein Selbstbild in uns tragen, sondern unzählige. In der inneren Arbeit geht es darum, die von uns bevorzugten Selbstbilder und die Situationen, in welchen wir sie vorzugsweise einsetzen, zu identifizieren. Auf diese Weise lernen wir die Funktionsweise unseres Ichs verstehen und werden dadurch offener für die zwei weiteren Aspekte.

2. Das innere Ich – (Psyche, Geist, Bewusstsein, Seele)

Die Bedürfnisse des inneren Ichs sind Geborgenheit, Frieden, Liebe und Harmonie. Oft setzen wir die „innere Stimme” unseres inneren Ichs mit dem Selbst gleich. Die innere Stimme jedoch ist lediglich die Widerspiegelung unseres äußeren Ichs, der so genannte duale Gegenpol. Das innere Ich ist die Verbindung nach Innen, über das äußere Ich verbinden wir uns mit dem Außen. Jedesmal wenn wir mit der Außenwelt in Wechselwirkung treten, erzeugt dies auch eine innere Reaktion, die sich z.B. über Gefühle und Emotionen ausdrückt. Während wir nach außen demonstrieren „ich bin stark und mich wirft nichts um”, äußert das innere Ich oft das Bedürfnis, einfach nur geliebt werden zu wollen. Das innere Ich bzw. dessen Bedürfnisse entwickeln wir für uns selbst, nicht für jemand anders. Das äußere Ich ist das Reich der Annahmen und Konzepte – das innere Ich beherbergt den Ozean der Gefühle und Emotionen, welche die vielfältigen Reaktionen auf die im äußeren Ich angelegten Annahmen sind. Das bedeutet auch, dass im inneren Ich alle Verletzungen, Ängste und schmerzhaften Erfahrungen abgelegt sind.

3. Das Selbst – (Leerheit, Buddhanatur, Kosmos, Gott)

Das Selbst ist immer da – es wird weder geboren, noch stirbt es. Es ist ein Zustand von unendlicher Weite, Intersein oder eins sein mit Allem. Hier sind Konzepte und Gefühle keine Hindernisse mehr, da es dem Selbst möglich ist, die Dinge direkt, ohne jegliche subjektive Filter oder Verzerrung, wahrzunehmen.
Es bietet Raum für uns selbst, wir müssen dafür nichts tun und nirgends hingehen. Das Selbst trägt unendliche Möglichkeiten in sich und ist allgegenwärtig. Aber im Alltag haben wir häufig den Zugang dazu verloren, weil wir zu sehr auf unser Ich fokussiert sind. Dadurch, dass wir die Spielereien unseres Ichs viel zu ernst nehmen und aus unserer subjektiven Wahrnehmung heraus zur Realität machen, finden wir die Tür zum Selbst nicht. Der Schlüssel liegt in der Gelassenheit und Ruhe, z.B. mit Hilfe der regelmäßigen Meditation. Wenn der Geist ruhig ist und wir der wenigen noch aktiven geistigen Faktoren gewahr sind, haben wir die Chance, einen Funken des Selbsts zu erhaschen.

Das Ego steht in Beziehung mit allen drei Aspekten – es liefert uns das Gefühl der Existenz. Je nach in einem gegebenen Augenblick im Vordergrund stehenden Bedürfnissen, kann dabei das äußere Ich, das innere Ich oder auch das Selbst unser Existenzgefühl bestimmen. Die Art und Weise, auf welche wir unser Existenzgefühl sichern, folgt bestimmten Gewohnheitsmustern. Diese sind es auch, die uns immer wieder zur Wiedergeburt drängen.

Äußeres Ich, inneres Ich und das Selbst auf dem Weg der geistigen Schulung
In unserem Alltag stehen das äußere und innere Ich oft im Konflikt miteinander. Die Motivation für unsere Handlungen im Außen entspringt meist dem äußeren Ich und kann die eigentlich zugrunde liegenden Bedürfnisse des inneren Ichs nicht befriedigen. Chronische Unzufriedenheit und Rastlosigkeit sind die Folge dieses andauernden, inneren Konflikts.

Nachdem wir uns trainiert haben, die drei Aspekte zu identifizieren und die Wechselwirkungen zu verstehen, können wir beginnen, unsere im äußeren Ich verankerten Annahmen in eine heilsame Richtung zu verändern. Dies erreichen wir, indem wir den jeweiligen Gegenpol entlarven und dadurch die Dualität auflösen. So erkennen wir beispielsweise, dass Hass und Liebe lediglich zwei Seiten der gleichen Medaille sind. Es handelt sich um die gleiche Energie, jedoch mit unterschiedlichem „Vorzeichen”. Die Liebe unterliegt dem Prinzip der Anziehung, der Hass verkörpert den abstoßenden Pol. Wenn wir diese (vermeintlichen) Gegensatzpaare durchschaut haben, verlieren die Wechselwirkungen ihre Kraft und werden immer „weicher”: Das Spannungsfeld zwischen den beiden Polaritäten nimmt ab. Aus einem „ich bin stark” könnte so beispielsweise ein „es ist ok, wie ich bin”, werden. Denn je perfektionistischer und extremer unsere Selbstbilder sind, umso mehr stressen wir uns selbst. Stress wiederum verhindert, aufgrund der damit entstehenden Rastlosigkeit, den Zugang zu unserem Selbst.

Indem wir unsere Selbstbilder relativieren und immer mehr Facetten unseres Wesens zulassen, verändert sich auch die innere Haltung zu unserem Ich, also die Qualität unseres Geistes. Wenn wir uns selbst annehmen können, wie wir sind, werden die Konflikte zwischen nach außen gerichtetem und inneren Ich, die aus den unterschiedlichen Bedürfnissen der beiden Aspekte heraus entstehen, nachlassen. Aus Rastlosigkeit und Frustration wird dann Gelassenheit und innere Ruhe – wir kommen zunehmend mit uns selbst ins Reine.

Der buddhistische Leitfaden, um unsere geistigen Qualitäten positiv zu transformieren, ist der Achtfache Pfad. Indem wir Schritt für Schritt heilsames Denken und Handeln in unserem Alltag kultivieren, sowie über die Vergänglichkeit aller Erscheinungen kontemplieren, erlangen wir mehr und mehr Klarheit. Auch die im tibetischen Buddhismus verbreitete Praxis der meditativen Visualisierung von Buddha(s) und Bodhisattwas, wie z.B. der weißen Tara, helfen, dem Geist positive Impulse zu geben. Über die Kontemplation der typischen Erscheinungsformen, Symbole und positiven Eigenschaften der Bodhisattwas wie z.B. Mitgefühl und Liebender Güte, eröffnen wir unserem Geist den Zugang zu diesen Qualitäten. Da wir sehr oft unzufrieden mit unserem Ich sind, benötigen wir derartige, positive Aspekte, um das Ich aufzuwerten. Auf diese Weise können wir kurzfristige Zufriedenheit in uns herstellen.

Im Zen-Buddhismus arbeitet man direkt mit den geistigen Faktoren, die in einem gegebenen Moment im eigenen Bewusstsein vorhanden sind. Ziel ist die Identifizierung der einzelnen Komponenten, man beobachtet, wie sie entstehen und vergehen und kann die Erscheinungen dadurch loslassen, da man ihre fiktive Natur erkennt.

Je mehr sich die Qualität unseres Bewusstseins im Verlauf unserer inneren Arbeit verändert, und je mehr Klarheit wir über die einzelnen geistigen Komponenten haben, umso deutlicher wird, wie vergänglich und damit veränderbar unser geistiger Zustand ist. Auf diese Weise kommen wir in Kontakt mit der Substanzlosigkeit aller Erscheinungen, und damit mit der Leerheit, die dieser zugrunde liegt.

Wie wir unsere eigene Realität erzeugen …

Mit jeder Handlung, sei es auf geistiger, verbaler oder körperlicher Ebene, erzeugen wir Wechselwirkungen und damit karmische Verbindungen. Deshalb sollten wir verstärkt Achtsamkeit in jedem Moment unseres Lebens üben.
Wenn wir beispielsweise ständig mit dem Gefühl leben, verletzt worden zu sein und dies als real erachten, werden wir immer wieder Situationen im Leben begegnen, die es uns ermöglichen, genau dieses Gefühl wieder zu erzeugen. Wir tragen diese Energie von einem Leben zum nächsten und binden uns dadurch an das Rad der Wiedergeburten.

Ankommen …

Je größer die Anhaftung an das äußere Ich ist, umso schwerer wird das innere Ich, um die Dualität aufrechtzuerhalten. Wir bleiben im Spannungsfeld der beiden (dualistischen) Pole gefangen. Schaffen wir es, unser Ich mehr und mehr loszulassen, kommen wir zunehmend in die Ruhe und treten in (bewussten) Kontakt mit unserem Selbst. Das äußere und innere Ich als Brücke zum Selbst werden überflüssig. Die Dualität ist aufgehoben und – um es mit den Worten des Zen-Meisters Thich Nhat Hanh auszudrücken – wir sind angekommen.

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Donnerstag, Februar 25th, 2010 Allgemeines Keine Kommentare

Die 6 Stufen der Bodhisattwas: Hilfreiche Begleiter auf dem Weg

Vesakh Ostpark 2Auf dem Pfad der geistigen Schulung gibt es bekanntermaßen Höhen und Tiefen. Wenn alles gut läuft, wir in der Meditation die gewünschte Ruhe und Frieden finden können, sind wir guter Dinge. Aber dann, wenn die Realitätsprüfung im Alltag, z.B. in Gestalt von Konfrontationen mit unseren Mitmenschen kommt, sieht es schnell ganz anders aus: Die soeben noch spürbare Ruhe und Gelassenheit auf dem Sitzkissen, wandelt sich schnell in Angespanntheit und Ärger.

Diese Diskrepanz in unserem Erleben kann dazu führen, dass wir uns zunehmend aus dem Alltag und der Realität in die Fantasiewelt eines geschlossenen Systems zurückziehen. Wir vergessen dabei, dass alle natürlichen Systeme ihrer Natur nach offen sind, um überleben und sich entwickeln zu können. Die zwischen „uns und den Anderen” zwangsläufig entstehenden Wechselwirkungen sind ein guter Test, um uns selbst kritisch zu überprüfen, wo wir in unserer geistigen Entwicklung stehen. Daher ist es nicht förderlich, sich ausschließlich in die Welt der meditativen Versenkung zu flüchten und sich dem Hier und Jetzt unseres weltlichen Alltags völlig zu entziehen.

Wie häufig im Leben, ist der „Weg der Mitte” und Ausgewogenheit angesagt. Zu bewältigende Konfliktsituationen, aufkommende Gefühle und Emotionen, Stress und Überforderung gehören genauso zu unserem Leben, wie Zeiten der inneren Einkehr und Harmonie. Die Art und Weise jedoch, mit welcher wir den Herausforderungen des Alltags begegnen, verändert sich mit fortschreitender, geistiger Entwicklung. Konflikte und Belastungen werden nicht etwa weniger, aber wir können zunehmend gelassener damit umgehen.

Im Mahayana-Buddhismus haben sich für die Praktizierenden folgende sechs Stufen als hilfreiche Qualitäten für den Umgang mit sich selbst, aber auch mit den Mitmenschen, bewährt. Gerade auch in der heutigen Zeit können sie uns helfen, immer wieder auf den Weg zur Befreiung zurückzufinden – besonders dann, wenn es schwierig und unübersichtlich wird.

Die 6 Stufen (traditionell die 6 Vollkommenheiten genannt) sind:

1. Teilen (dana – traditionell übersetzt als Großzügigkeit)
2. Disziplin (sila – traditionell übersetzt als Tugend)
3. Geduld (kanthi)
4. Anstrengung (viriya – traditionell übersetzt als Energie oder Kraft)
5. Gelassenheit und Ruhe (samadhi – traditionell übersetzt als Sammlung)
6. Klarheit (panna – traditionell übersetzt als Weisheit).

1. Teilen – „Geteiltes Leid ist halbes Leid”

Wir alle haben diese Erfahrung bereits gemacht: Wenn wir unseren Schmerz und unser Leid mit jemanden teilen, wird die Situation, wie unerträglich sie auch zunächst erschien, erträglicher. Oft hilft uns dieses (Mit)teilen, unser Leid zu relativieren. Wir erkennen, dass sich auch die Menschen um uns herum in ähnlicher Weise mit ihrem Leid auseinandersetzen müssen. Wir sind also gar nicht so einzigartig. Wenn wir diese Erkenntnis auf andere Dinge in unserem Leben übertragen, sei es auf andere Gefühle und Emotionen oder auch auf Gegenstände, verlieren diese ihre Besonderheit und damit einen Großteil der Wichtigkeit für uns. Wir sind eher geneigt, sie loszulassen und zu teilen. Das macht uns freier und unabhängiger und stärkt das Gefühl der Verbundenheit mit anderen fühlenden Wesen.

Das Teilen können wir besonders gut in einer Gruppe Gleichgesinnter üben. Denn dann haben wir die Sicherheit, dass das, was wir teilen möchten, mit Liebe und Verständnis aufgenommen wird, ohne direkt bewertet zu werden. Deshalb sagt der Buddha in seinen Lehren immer wieder, dass es für einen Praktizierenden wichtig ist, die richtigen Freunde zu wählen – also solche, mit denen wir den Weg der Befreiung teilen können. Dies erleichtert die eigene Praxis und bereitet zudem auch viel mehr Freude.

2. Disziplin – „höre nicht auf, gib’ nicht auf!”

Gerade zu Beginn unseres spirituellen Weges kämpfen wir oft mit Zweifeln und anderen inneren (und äußeren) Hindernissen. Wir benötigen dann viel Durchhaltevermögen und Disziplin, um diese Schwierigkeiten immer wieder zu überwinden und trotzdem frohen Mutes weiter zu praktizieren. Dies macht die Entwicklung der dritten Stufe erforderlich.

3. Geduld – „es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen”

Viele, vor allem leistungsorientierte Menschen der heutigen Zeit, haben nur wenig Geduld – sowohl mit sich selbst, als auch mit Anderen. Umso wichtiger ist es, sich den Nutzen dieser Qualität immer wieder zu vergegenwärtigen. Wenn wir z.B. sehen, wie sehr jemand leidet und wir haben nicht die Möglichkeit, ihm in diesem Moment zu helfen, müssen wir Geduld aufbringen. Wir warten dann auf den richtigen Moment, in welchem er die Hilfe annehmen kann. Geduld hat daher auch viel mit Verständnis und Verzeihen zu tun. Denn wir wissen aus Erfahrung, unser Kind, unser Partner oder unser Schüler wird wieder den gleichen Fehler machen und lernt immer noch nicht daraus. Dies erfordert, dass wir tiefes Verstehen und Verzeihen üben, um die Geduld füreinander kultivieren zu können.

Wenn wir die drei Qualitäten Teilen, Disziplin und Geduld in unseren Beziehungen praktizieren, haben wir die „Liebe” aus buddhistischer Sicht verwirklicht: Egal, was passiert, wir teilen alles miteinander, und egal wie die Beziehung ist, wir geben nicht auf, und egal, wie oft unser Partner oder wir selbst die Fehler wiederholen, wir haben die Geduld füreinander. Denn alles ist vergänglich und geht vorüber – die glücklichen und die leidvollen Momente.

Mit uns selbst müssen wir auch auf diese Weise umgehen. Wenn Sie ein großes Problem haben, dann versuchen Sie es in kleine Teile aufzuteilen. Besprechen Sie es mit Ihrer Familie, Ihren Freundinnen oder Ihrem Meister. Auch ein großes Problem wird so – Schritt für Schritt – überwindbar. Wir dürfen nur nicht aufgeben und müssen lernen, Geduld zu üben.

4. Anstrengung – „vor der Erleuchtung Holz hacken und nach der Erleuchtung Holz hacken”

Wenn wir die vorangegangenen Stufen betrachten, wird deutlich, ohne Anstrengung und Bemühen kommen wir nicht weit! Selbst die Disziplin können wir ohne Energieaufwand nicht lange aufrechterhalten. Über den Kopf wissen wir, kontinuierliches, geistiges Training ist anstrengend. Wir sagen uns, Erleuchtung ist gut, aber wir schaffen es nicht, jeden Tag um 5 Uhr aufzustehen.

5. Gelassenheit und Ruhe – „nur in der absoluten Ruhe und Stille sieht man die Bewegung”

So lange wir unser Ich (Ego) mit all seinen Sehnsüchten und Begierden noch zu ernst und wichtig nehmen, werden wir in der Rastlosigkeit bleiben. Deshalb ist es hilfreich, sich die Gleich-Gültigkeit aller Dinge zu vergegenwärtigen. Man kann dies tun, indem man darüber reflektiert, dass jedes Wesen, jede Ansicht, seine/ihre Existenzberechtigung hat und niemand und nichts wichtiger oder unwichtiger ist als man selbst. Jeder ist zu jedem Zeitpunkt ersetzbar. Diese Einsicht befreit und entzieht den Nährboden für übermäßigen Ehrgeiz, Neid, Konkurrenzdenken und die Illusion der eigenen Einzigartigkeit. Der Alltag – sei es beruflich oder privat – kann um einiges entspannter werden.

Daraus folgt, man muss weder tausende Verbeugungen machen, noch eine Million Mantren rezitieren, um Ruhe und Gelassenheit zu kultivieren. Es geht mehr um das Loslassen unserer Ansichten und Konzepte. Die Gelassenheit können wir nur erlangen, wenn wir in einem Augenblick begreifen, dass wir unser Leid loslassen müssen. Und manchmal kommt dieser Augenblick nicht durch die Belehrung von einem Meister, sondern von einem Kind oder von irgendjemandem: Es ist wie ein Schlag vor den Kopf – der berühmte „Aha-Effekt”.

Samadhi beinhaltet nicht, dass man sich unbedingt auf einen Fokus konzentriert, sondern Versenkung oder tiefe Ruhe. Der Weg dahin, kann alles Mögliche sein, aber das Ziel ist, dass wir die Ruhe in uns finden. Diese erlangen wir nur, wenn wir in einem Augenblick diesen click, ein tiefes Erkennen, erfahren haben.

6. Stufe: Klarheit – „mit der Klarheit kommt die Verantwortung”

Wir benötigen diesen Moment des Erwachens, um unsere Ansichten wirklich zu verändern oder loszulassen. Daraus entwickelt sich dann die letzte Stufe, die Klarheit. Es ist nicht so, dass wir, wenn unser Geist erstmal Ruhe und Klarheit erlangt hat, nur noch in der meditativen Versenkung verweilen und uns nicht mehr in den Trubel des Alltags begeben. Ganz im Gegenteil – man kann sagen, Klarheit verpflichtet. Denn je klarer wir das Prinzip von Ursache und Wirkung sehen und die gegenseitige Abhängigkeit der Dinge verstehen, desto mehr Verantwortung tragen wir. Wir erkennen sofort, dass wir die Wasserpfütze auf dem Boden entfernen müssen, weil sonst jemand ausrutschen könnte. Wir sehen auch, wann wir uns zurückhalten müssen, um einem anderen die Möglichkeit des Wachstums zu geben. Ohne einen klaren Geist werden wir immer wieder auf der Basis unseres Ich (Egos) agieren – erst die Klarheit ermöglicht es uns, andere fühlende Wesen wirklich in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Eine Stufe nach der anderen …

Man muss die Stufen nacheinander kultivieren und kann nicht direkt in die Gelassenheit und Ruhe „springen“. Die meisten Menschen aber wollen umgekehrt vorgehen: Erst Klarheit, dann Gelassenheit und dann erst wollen sie Anstrengung und Geduld üben. Auf diese Weise funktioniert es aber leider nicht.
In der Regel ist es so, dass wir diese Stufen mehrmals durchlaufen müssen. Wir schaffen es nicht, direkt auf die absolute Ebene zu gehen. Denn dann würde „Teilen” nämlich „gib’ alles, behalte nichts” bedeuten. Dieser Anspruch beschert uns eher das Gefühl der Überforderung und weniger die Ermutigung und Unterstützung, die wir auf unserem Weg benötigen. Je häufiger wir die Stufen durchlaufen, umso mehr Chancen haben wir, unsere geistigen Qualitäten zu trainieren. So erlangen wir nach und nach mehr Klarheit, was dann wiederum die Kultivierung der anderen Qualitäten positiv unterstützt.

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Donnerstag, Februar 25th, 2010 Allgemeines Keine Kommentare

Aktionswoche zum Medizinbuddha-Fest: Ein Rückblick

Es war dank unserer tibetischen Gäste eine bunte und abwechslungsreiche Woche, die auf dem Medizinbuddha-Fest ihren krönenden Abschluss fand. Im Rahmen ihrer Fundraising-Tour durch Europa war die Gajang Medical Society aus Indien zu Gast in der Pagode Phat Hue. Die Gruppe bestand aus tibetischen Mönchen und Übersetzern und bereicherte nicht nur das Programm des diesjährigen Medizinbuddha-Fests, sondern auch die gesamte Woche davor.

In seinem Dharmavortrag über Meditationspraxis am Montagabend betonte Geshe Lobsang Soeba die Wichtigkeit einer, jenseits von Egotrip und Egozentrik, auf aufrichtigem Mitgefühl basierenden, offenen Geisteshaltung. Ähnlich wie auch in anderen buddhistischen Traditionen sollte jede Meditationspraxis zunächst mit der Beruhigung des Geistes, mit Hilfe der Samatha-Methode, beginnen. Für die weitere, geistige Entwicklung ist es jedoch wichtig, Samatha mit der analytischen Meditation zu verbinden. Wenn wir tief in uns verstanden haben, dass jedes fühlende Wesen im Verlauf seiner Reisen durch den Kreis der Wiedergeburten einmal unsere liebende Mutter war, können wir in uns das Gefühl von Dankbarkeit und liebender Güte wachrufen. So erkennen wir, dass wir unabhängig von Glauben und Nationalität und jenseits von Vorlieben und Abneigung, alle miteinander verbunden sind. Auf diese Weise erzeugen wir in uns Bodhicitta, den Erleuchtungsgeist – das Eingangstor zum Pfad der Bodhisattvas im Mahayana-Buddhismus. Der tiefe Herzenswunsch, alle fühlenden Lebewesen auf dem Leidenskreislauf von Samsara zu befreien, entwickelt sich daraufhin auf natürliche Weise zu unserer bestimmenden Lebensaufgabe.

Sandmandala_2Am Dienstagvormittag begann die Errichtung des Medizinbuddha-Sandmandalas. In der Eröffnungszeremonie wurden die Dharmabeschützer herbeigerufen und der Medizinbuddha um Erlaubnis für die Errichtung des Sandmandalas gebeten. Nachdem der Medizinbuddha seinen Segen für das Sandmandala erteilt hatte, begannen die Mönche mit ihrer hingebungsvollen, filigranen Arbeit. Viele Besucher der Pagode nutzten während der folgenden Tage die einmalige Gelegenheit und verfolgten die Entstehung des Kunstwerks in der Buddhahalle. Millimeter für Millimeter wurde das bunt gefärbte Steinmehl nach traditionellen Vorlagen in das entstehende Universum des Buddhas der Heilung eingefügt. Jedes einzelne Sandkorn gilt dabei als Träger der heilenden Energie des Medizinbuddhas und muss entsprechend respektvoll und mit Sorgfalt behandelt werden.

Der Mittwochabend stand ganz im Zeichen der tibetischen Medizin. Das tibetische Heilsystem zählt zu den ältesten im asiatischen Raum. So lange die drei Elemente Wind (Lung), Galle (Tripa) und Schleim (Péken) miteinander in Harmonie sind, fühlen wir uns energiegeladen und gesund, führte der Referent des Abends, Namgyal Phuntsok, aus. Auch äußere Einflüsse, wie z.B. extreme Witterungsbedingungen, können uns nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Befindet sich aber eines der Elemente im Mangelzustand oder ist im Überfluss vorhanden, kommt es zur Disharmonie, die über kurz oder lang Symptome und Befindlichkeitsstörungen sowohl auf körperlicher als auch auf geistiger Ebene nach sich ziehen kann. Damit ist das Ziel jeder therapeutischen Intervention klar gesteckt: es geht in erster Linie darum, die Harmonie der Elemente zu bewahren oder wiederherzustellen. Geistige Hygiene mit Hilfe von Reflektion und Meditation gehören genau so zum therapeutischen Repertoire wie Ernährungsempfehlungen und Veränderungen in der Lebensführung. Erst wenn diese drei Ansätze nicht den gewünschten Erfolg ermöglichen, wird der Arzt Medikamente verschreiben, die dann die Aufgabe haben, die Disharmonie „von innen” zu beheben.

Am Donnerstagabend sprach Geshe Lobsang Soeba im Rahmen des offenen Abends, zu welchem die Sangha der Pagode Phat Hue eingeladen hatte, über die Entwicklung von Mitgefühl in unserem Alltag. Es gibt drei Arten von Mitgefühl: Das natürliche, bereits angeborene Mitgefühl, welches wir vorzugsweise jenen Menschen entgegenbringen, die uns nahe stehen, wie z.B. unsere engen Familienangehörigen. Die zweite Form des Mitgefühls ist das grenzenlose Mitgefühl, welches erst entstehen kann, wenn wir realisiert haben, dass wir mit allen fühlenden Lebewesen über Verwandtschaftsbeziehungen aus vergangenen Leben verbunden sind. Dies bedeutet, dass wir unterschiedslos allen Wesen unser wahrhaftiges Mitgefühl entgegenbringen können. Die dritte Art des Mitgefühls, ist das große Mitgefühl der Bodhisattwas, jener also, die sich der Befreiung aller fühlenden Wesen aus dem Wiedergeburtskreislauf des Samsaras verschrieben haben.

Freitagmorgen war das Medizinbuddha-Sandmandala vollendet – leuchtendes Rot, Blau, Gelb und Grün sowie weiße Farbe fanden sich in reicher Ornamentik von Blumen, Krügen, Schriftrollen und traditionellen Symbolen. Viele Besucher fragten sich jedoch: Wo ist hier der Medizinbuddha? Es gibt unterschiedliche Ebenen der Mandaladarstellung. In der buddhistischen Praxis wird zwischen der körperlichen, verbalen und mentalen Ebene unterschieden – so auch bei der Errichtung von Sandmandalas. In unserem Fall handelte es sich um eine Darstellung der geistigen Ebene des Medizinbuddhas, daher suchte man den lapislazuliblauen, physischen Körper des Buddhas umsonst. Entsprechend repräsentierten die einzelnen Symbole Elemente der geistigen Übertragung des Medizinbuddhas, z.B. die Schriftrollen als Symbol für das Medizinbuddha-Sutra, welches das Heilwissen Buddhas übermittelt.

Die Errichtung des Medizinbuddha-Sandmandalas sowie die Veranstaltungen dieser Woche waren die ideale Vorbereitung für das am Wochenende anschließende Medizinbuddha-Fest.

Dienstag, November 10th, 2009 Allgemeines Keine Kommentare

Ankommen und Schauen – die Wichtigkeit der eigenen Erfahrung

- aus dem Dharmavortrag des Ehrw. Thich Thong Phuong –
Pagode Phat Hue, 10. Oktober 2009

(Übersetzung aus dem Vietnamesischen vom Ehrw. Thich Thien Son)

retreat-ven-thich-thong-phuong-241Heute wollen wir über das Thema Ankommen und Schauen sprechen.

Das bedeutet, dass wir die Gelegenheit wahrnehmen, der Wahrheit in unserem Leben zu begegnen und sie zu erfahren. Was bedeutet es, der Wahrheit in uns zu begegnen? Es bedeutet, die Erleuchtung zu finden. Die Erleuchtung ist nicht irgendwo in den Schriften zu finden, sondern in unserem Geist, das müssen wir verstehen.

Meister Lin-Chi, der Begründer unserer Zenlinie, hat gesagt, dass man die Praxis nicht im Außen und in den Schriften suchen soll. Die Praxis findet in unserem eigenen Geist statt.

Viele Menschen lesen Bücher und eignen sich intellektuelle Informationen an, das ist nicht die lebendige Praxis und dadurch wird man nicht zum Buddha.

Wenn wir ein Kleid betrachten: Ein Kleid kann sich nicht von selbst bewegen. Nur derjenige, der drinnen steckt, kann es bewegen. Wenn wir die Tradition praktizieren, ist es wie mit einem Kleidungsstück: Es muss von unserem Geist bewegt werden.
Wenn wir Spiritualität praktizieren, muss sie durch unseren Geist bewegt werden.

Viele Menschen streben nach Nirvana – nach Befreiung oder Erleuchtung. Aber die Möglichkeiten zu Befreiung und Erleuchtung an sich liegen in unserem Geist. Deshalb müssen wir Hier und Jetzt die Befreiung für uns anstreben.

Logik und Verstand müssen wir hinter uns lassen …

Intellektuelle Informationen sind nur eine Tür, eine Möglichkeit des Zugangs zu uns selbst, die eigene Praxis für uns zu gewinnen. Erst durch die eigene Praxis erlangen wir Weisheit.

Als der Buddha seine Erleuchtung erlangt hat, ist er zunächst nicht bereit, sein Wissen weiterzugeben. Wir sollen verstehen und wissen, aus welchen Gründen er sich geweigert hat, sein Wissen weiter zu geben.
Erst nach mehren Bitten von Devas (himmlischen Wesen) hat der Buddha dann zugesagt, den Dharma weiterzugeben. Aber das, was der Buddha verstanden hat oder die Einsicht, die er bekommen hat, übersteigt unsere Logik oder unser Verständnis – es geht weit darüber hinaus.

Der Buddha selbst hat auch gesagt, dass was ich „verstanden”, wodurch ich die Erleuchtung erlangt habe, geht weit über die eigene Logik und den Verstand heraus. Es geht um die Erfahrung, in der Einheit im Einklang mit allem zu sein, dass kann man nicht mit Logik erklären.

Und der Buddha hat sich dann überlegt, je mehr er eine Erklärung abgibt, umso mehr benutzt man seine Logik und seinen Verstand um das zu verstehen, was er sagt. Und je mehr man das tut, umso mehr kommt man in die Verwirrung hinein. Denn man muss Logik und Verstand hinter sich lassen, um die Erleuchtung zu erlangen.

Denn das Leben beschränkt sich nicht auf die Sprache und die intellektuelle Ebene. Der Buddha erinnert uns sehr oft daran: Das Leben ist so vielfältig und offen, dass wir uns nicht durch unsere Sprache und unser Wissen beschränken lassen sollten.

Mittel und Zweck auseinander halten …

So müssen wir auch verstehen, wo ein Mittel zum Zweck eingesetzt wurde. Ein Auto benutzen wir, um in der Stadt anzukommen, aber wenn wir im Auto bleiben, werden wir nie wirklich in der Stadt sein, auch wenn wir angekommen sind. Wir müssen erkennen, an welchem Punkt ein Mittel seinen Zweck erfüllt hat.

Der Buddha gab ein Beispiel als er mit den Fingern auf den Mond gezeigt hat. Er benutzt den Finger als Mittel, um auf den Mond zu zeigen. Wenn wir uns zu sehr auf den Finger konzentrieren, dann werden wir den Mond nicht sehen. Wenn wir uns zu sehr auf die Lehren konzentrieren, dann werden wir die Wahrheit nie erkennen und nie wirklich im Dharma ankommen.

Über 40 Jahre seines Lebens hat der Buddha seine Belehrungen gegeben. Bevor er starb, hat er gesagt, ich habe nie ein Wort gesprochen. Damit will er ausdrücken, dass man nicht zu sehr an der intellektuellen Ebene anhaften soll.

Wissen bedeutet nicht gleich Weisheit …

Es gibt einen Begriff in Pali panna, wir können ihn mit Weisheit oder tieferen Wissen beschreiben. Es gibt drei Kategorien von Wissen: 1. Intellektuelles Wissen (z.B. aus Büchern), 2. Wissen aus eigener Erfahrung und 3. das aus der Weisheit entstandene Wissen.

Panna dürfen wir also nicht als Wissen missverstehen. Denn Weisheit entsteht erst, wenn wir durch die eigenen Erfahrungen, die wir in unserem Leben gemacht haben, zu (neuen) Einsichten gelangen. Das ist dann ein tieferes und nicht nur ein intellektuelles Wissen. Intellektuelles Wissen können wir uns von großen Gelehrten, Patriarchen und Buddhas aneignen, aber es ist nicht unsere eigenes Wissen oder unsere eigene Weisheit.

Ein Begriff, der uns aus dem Buddhismus sehr geläufig ist, ist die Vergänglichkeit. Aber das subtile Verständnis für die Vergänglichkeit haben wir in der Regel noch nicht. Um ihr Wesen wirklich in der Tiefe zu verstehen, benötigen wir viel Mut. Man muss loslassen können, um die Vergänglichkeit wirklich zu verstehen.

Wir eignen uns sehr viel Wissen an, aber es wird nicht zu unserem eigenen Sein, so lange wir nicht darüber reflektieren. Die eigene Erfahrung damit zu machen, bedeutet tiefes Wissen. Erst dann wird es zu unserem Sein.

Die Leerheit erfahren …

Heute Morgen habe ich (Thay Thien Son) über die 5 Skandhas Körper, Gefühl, Gedanken, Gewohnheiten und Bewusstsein gesprochen. Und diese 5 Skandhas in sich sind eigentlich leer. Wenn man dies nur intellektuell versteht und keine eigenen Erfahrungen damit gemacht hat, kann man das nicht als Praxis bezeichnen.

Wir Buddhisten sagen sehr oft, die 5 Skandhas sind eigentlich leer und ich verstehe das und wenn man uns dann kritisiert oder beleidigt, dann ist das plötzlich nicht mehr leer, sondern unser Ich ist sofort da. Und deshalb ist die Reflektion, dass man sich damit auseinandersetzt und wirklich versteht, so notwendig. Es ist ein Kommen und ein Gehen, das Ich, was ich da festhalte, daran kann ich nicht lange festhalten. Es ist ein Kommen und ein Gehen.

Wenn wir durch die Reflektion sehen, dass wir es auch durch krampfhaftes, bewusst an etwas Festhalten, nicht schaffen werden, dauerhaft etwas aufrechtzuerhalten, dann erlangen wir wahrhaftige Weisheit. Unser Geist ist wie alle Phänomene vergänglich. Es ist ein Kommen und Gehen. Auch wenn wir daran festhalten wollen, ist es nicht auf Dauer möglich. Alles ist vergänglich.

Wenn wir uns aber damit auseinandersetzen, dann gibt es weder einen Beobachter, noch ein beobachtetes Objekt: Es gibt lediglich einen Prozess an sich. Wenn wir in der Lage sind, im Alltag die fünf Skandhas einzusetzen und die Leerheit in der Tiefe zu verstehen, dann können wir sagen, dass wir den Dharma verstehen und im Alltag praktizieren.
Und wenn wir uns jeden Tag damit auseinandersetzen und alle Erscheinungen in der Tiefe verstehen, dann können wir an einem Punkt ankommen, an welchem wir unser Leid auflösen können.

Wir sollten uns also in unserem Alltag ständig mit den 5 Skandhas auseinandersetzen. Entwickeln wir die Flexibilität, die Leerheit in jedem Moment zu erfahren. Damit können wir dann unser Leid auflösen.
Es geht nicht darum, auf der intellektuellen Ebene zu debattieren und zu diskutieren, es geht darum zu praktizieren.

Mit Praxis meine ich, dass wir eine Nachhaltigkeit in uns haben und nicht nach Lust und Laune praktizieren.

Den Fluß überqueren …

Früher, wenn man einen Fluss überqueren wollte, gab es bestimmte Schritte, die man durchlaufen musste: erstmal musste man das Boot betreten und dann muss man rudern zu seinem Ziel und wenn man ankommt muss man das Boot auch verlassen können.

Diese drei Schritte können wir auch auf das Erlangen von Wissen und Weisheit übertragen. Die Intellektuellen wissen, wie man zum Boot kommt. Wenn wir dann reflektieren und rudern, können wir den Fluss überqueren. Das ergibt dann Wissen durch Erfahrung. Wenn wir am Ziel angekommen sind, müssen wir die dritte Stufe auch verstehen und erkennen, dass wir das Boot als Mittel zum Zweck genutzt haben und nun hinter uns lassen können.
Wir müssen diese Schritte auch wirklich klar verstehen und dürfen sie nicht durcheinander bringen. Wir müssen das Boot nicht mehr unnötig mit uns herumschleppen, wenn wir angekommen sind, aber wir brauchen es auch nicht zu zerstören: Andere können es vielleicht für ihre Reise nutzen.

Wenn wir eine Methode benutzen, egal aus welcher Tradition wir kommen, müssen wir die Methode als Mittel zum Zweck wie das Boot sehen: Das bedeutet, sie ist weder gut noch schlecht. Das Boot schafft keine Probleme – die Probleme erzeugen wir nur dann, wenn wir das Boot nicht loslassen können, wenn die Zeit gekommen ist, dies zu tun.

Im Buddhismus geht es viel mehr darum, die eigene Erkenntnis zu erlangen, indem wir alle Erscheinungen durchschauen und dadurch neue Einsichten bekommen. Das ist viel wichtiger, als nur zu lernen.

Sich selbst begegnen …

Wenn wir unser Leid mit einem Tiger vergleichen, müssen wir, wenn wir es auflösen wollen, den Mut haben, es anzupacken. Genau wie mit dem Tiger: wenn wir ihn packen wollen, müssen wir auch in seine Höhle reingehen. Wenn wir nur vor der Höhle stehen und darüber diskutieren, wie wir ihn fangen können, kriegen wir ihn nicht. Wir müssen also zupacken, um unser Leid wirklich auflösen zu können.

Nur wenn man mit sich selber auseinandersetzt, also in die eigene Erfahrung geht, kann man sein eigenes leid auflösen.
Und deshalb sind Debatte und Diskussion lediglich ein Mittel zum Zweck – sie führen uns nicht zur Auflösung unseres Leids. Wir werden nie das tiefe Wissen erreichen.

Und das ist ein Punkt, den ich (Thay Thien Son) heute Morgen gesagt habe: Konzepte und Gedanken versucht der Meister zu durchbrechen. Man soll nicht auf sein Wissen pochen, sondern auf die eigene Erfahrung bauen.

Auch wenn wir tagelang, wochenlang, monatelang darüber debattieren, was Leerheit ist, wird sie sich für uns nicht manifestieren. Wie sollen wir dann zum Beispiel Folgendes verstehen: Wenn alles leer ist, dann gibt es ja keine karmische Wirkung. Denn wenn Karma auch leer ist, wer soll diese karmische Wirkung dann bekommen? Viele Leute sagen, alle Phänomene, auch Karma ist leer, aber wenn ich leide, dann spüre ich das. Wenn mich jemand beleidigt hat, dann spüre ich diesen Schmerz. Wie verstehen wir diese Leerheit überhaupt?

Durch die eigene Auseinandersetzung mit sich selbst. Um wirklich das eigene Leid als eine Bedingung der Leerheit zu verstehen und vollkommen zu vertiefen, müssen wir im Alltag praktizieren.

Eine Handvoll Blätter …

Der Buddha vergleicht unser Wissen mit einer Handvoll Blätter. Wir meinen, wir haben den ganzen Wald in der Hand, aber es sind – im Verhältnis – nur ein paar Blätter. Mit unserem Wissen ist es genauso: Wir meinen, wir wissen so viel, aber verglichen mit dem Universum ist es nur wenig.

Das tiefe Wissen es ist so vielfältig und so unendlich wie ein Wald mit all seinen Blättern. Wenn wir aber unsere Logik einsetzen, dann beschränken wir unser eigenes Wissen. Wir bleiben bei der Handvoll Blätter, obwohl es einen ganzen Wald voll davon gibt.

Wenn Sie nach hinten zu den Schränken schauen, das nennen wir unsere Bibel: es sind über 360 Bände, in welchen die Belehrung von Buddha festgehalten ist. Ein Mönch muss diese Sutras studieren Der Buddha sagt aber selbst, das was ich Euch gelehrt habe, ist wie die Handvoll Blätter. Nur in der Offenheit schaffen wir es, uns dieses (wirkliche) Wissen anzueignen.

Der Meister fragt, wenn wir ein paar Bände von Kommentaren über Buddhas Belehrungen gelesen haben, reicht das überhaupt, um die Phänomene zu verstehen?
Auch wenn wir die ganzen Sutras der 360 Bände gelesen haben es ist nur wie eine Handvoll Blätter. Aber wie können wir alle Blätter im Wald verstehen?

Es bedeutet: Durchbreche Deine Logik, durchbreche Deinen Verstand – dann schaffst du die Möglichkeit, zu Deinem Wissen zu kommen.

Denn alle Erklärungen sind beschränkt. Alle Wörter und Bücher sind beschränkt. Es beschreibt nicht das, was eigentlich in diesem Leben ist. Alle großen Meister, Patriarchen und sogar der Buddha selbst sagen, nur wenn du eine direkte Erfahrung, also direktes Wissen hast, kannst Du in der Lage sein, alles zu verstehen.

Ein Schüler von Meister Lin-Chi geht eines Tages nach einer Dharma-Belehrung zurück in den Tempel. Als er über die Brücke ging, kommt ihm ein großer Gelehrter entgegen und wollte ihn herausfordern. Er fragt, was ist das tiefste Wissen in der Zentradition? Der Schüler von Lin-Chi packt ihn am Kragen und wollte ihn in den Fluss werfen. Wenn Du die tiefste Stelle finden willst, dann sollst Du die tiefste Stelle im Fluss erfahren.
Damit will der Schüler von Lin-Chi zeigen, nur wenn du die eigene Erfahrung machst, wie tief der Fluss ist, weißt Du, wie tief er wirklich ist.

Wenn du nur darüber spekulierst, funktioniert es nicht. Und mit deinem Geist ist es genauso: Wenn Du wissen willst, wie tief Dein Geist wirklich ist, musst du dort hinein tauchen, damit Du es weißt. Wenn wir jahre- oder monatelang über Nirvana oder Erleuchtung diskutieren, werden wir es dann verstehen?

Viele Leute, die meinen sie verstehen, was Nirvana ist, debattieren darüber. Aber, was sie letztendlich gemacht haben, sie haben nur miteinander gestritten. Nirvana aber haben sie nicht gesehen.

Nirvana bedeutet eintauchen in sein Bewusstsein, darüber reflektieren: Dann weiß man, was Nirvana ist.

Die geistigen Prozesse identifizieren …

Wenn wir unsere Augen betrachten und ein Objekt damit beobachten, dann kommen Gier, Gefühle aber auch so genannte Verblendung hoch. Wenn wir uns damit auseinandersetzen, können wir genau identifizieren, was in unserem Geist passiert. Womit wir unseren Geist besetzten. Wenn wir unsere Augen auf ein Objekt richten und Klarheit darüber haben, womit ist mein Geist besetzt, dann können wir uns damit auseinandersetzen. Kommen Gier oder ein Gefühl hoch, die dann dazu führen, dass ich an dem Objekt anhafte? Wenn wir unseren Geist so klar benennen können, dann können wir damit umgehen und wirklich praktizieren.

Und der Buddha fragt: Wer ist in der Lage, sowas zu beobachten? Und seine Schüler haben geantwortet, nur einer, der sich mit sich selbst auseinandersetzt, seine Weisheit und tiefes Wissen in den Prozess hineinbringt. Dann ist er in der Lage, den Zustand seines Geistes zu verstehen.

Wenn wir unseren Geist beobachten und imstande sind, ohne jegliches Gefühl, ohne jegliche Anhaftung, ohne jegliche negative oder auch positive Emotionen zu sein, dann können wir alle subjektiven Phänomene, die in unserem Geist stattfinden durchschauen und weitere Wiedergeburten verhindern. Denn weil wir immer wieder bestimmte Gefühle und Gedanken erfahren wollen, können wir den Kreis der Wiedergeburten nicht verlassen. Wenn wir imstande sind, einen klaren Geist zu bewahren, wird uns dies gelingen und wir können uns befreien.

Wenn wir reflektieren und können zu uns sagen, „ich weiß, dass in mir Gier aufkommt”, „ich weiß, dass in mir dieses oder jenes Gefühl aufkommt”, „ich weiß in mir, dass ich nach Sicherheit suche”, dann können wir unseren geistigen Zustand klar identifizieren. Das funktioniert auch, wenn wir wissen, dass in unserem Geist in einem gegebenen Moment kein Drang nach Befriedigung da ist oder kein Gefühl unseren Geist beherrscht. Es besteht Klarheit darüber, in mir ist keine Anhaftung an das Objekt, das ich betrachte usw. Wenn wir in der Lage sind, die Zustände in unserem Geist so klar zu durchleuchten und zu verstehen, dann sind wir auch in der Lage, uns von allen möglichen Ursachen von Leid zu befreien.

Wirkliche Befreiung findet in unserem Geist statt …

Man findet sie nicht in Büchern oder in der Belehrung. Es gibt ein Sprichwort: „Komm und schau es Dir selbst an.”

Wirklich der Wahrheit zu begegnen, bedeutet, dass wir auch den Mut haben, uns selber zu begegnen. Nur in der Begegnung können wir uns mit der Realität auseinandersetzen. Nicht in unserem Wissen und nicht in der Debatte.

Die ganze Praxis, die wir hier üben: Es geht darum, das Leiden, das wir selbst erzeugen, zu durchschauen, hinter uns zu lassen und auch aufzulösen. Darum geht es. Wir lehren schon lange Buddhismus, deshalb wissen wir, dass alles vergänglich ist – sei es unser Körper, unser Geist, es ist alles vergänglich. Ist es nicht so? Verstehen wir auch wirklich, dass alles vergänglich ist? Ist es wirklich so?

Wenn wir zum Arzt gehen und eine Untersuchung gehabt haben und der Arzt stellt die Diagnose „Tumor”. Ist es immer noch vergänglich oder ist es irgendwas Beständiges, das sich in unserem Geist manifestiert?

Sehen wir, dass alles vergänglich ist, unsere Leben oder der Tumor, oder ist es nur ein Wissen, dass alles, was wir gelernt haben, vergänglich ist.

Um alle Phänomene zu durchbrechen und die Wahrheit oder die Wahrhaftigkeit zu erfassen, liegt es in unserem Geist. Wir müssen uns mit unserem Geist auseinandersetzen, denn nur so erfahren wir auch die Wahrheit.

Der Buddha wurde geboren, er hat die eigene Erfahrung gemacht, hat darüber reflektiert und er hat das Wissen erlangt. Der ganze Prozess passierte in seinem Geist. Er hat die Verflechtungen und Blockaden in seinem Geist aufgelöst und dadurch die Befreiung erlangt. Setzen wir uns mit unserem Geist auseinander, dann können wir verstehen, wo unser Leiden und die Probleme sind.

Nur wir selbst können unser Leid auflösen …

Als der Buddha das Dharmarad zum ersten Mal gedreht hat, hat er über die Vier Edlen Wahrheiten gesprochen. Dass nur wir selbst in der Lage sind, unser eigenes Leid aufzulösen.

Er hat uns damit ermutigt und uns das Werkzeug an die Hand gegeben, uns selbst zu befreien.

Der Buddha sagt uns, solange Du Dein Leid nicht identifizieren kannst, ihm nicht begegnest und Dich nicht damit auseinandersetzt, kannst Du auch nicht davon befreit werden. Wenn Du aber weißt, wie Dein Leid aussieht, wenn Du es benennen kannst, musst du nach den Ursachen forschen. Wenn Du diese kennst, musst Du sie stufenweise auflösen. Dazu gibt uns der Buddha 37 Stufen, die zu dieser Befreiung führen.

Als der Buddha den Weg beschrieben hat, ermutigt er uns. Schau Dir das Leid an, denn nur, wenn Du das Leid als Leid erkennst, hast Du die Motivation, Dich wirklich davon zu befreien. Die Ursache des Leidens ist da. Wenn Du weißt, wo die Ursachen sind, dann wissen wir auch, wie wir es beenden können. Und das ist dann die Methode, wie wir uns befreien können und wie wir Nirvana erreichen können. Und da ist der Weg, wie wir uns dorthin praktizieren können.

Also wir durchlaufen verschiedene Stufen: das Wissen praktizieren, Logik und Verstand durchbrechen und durch die eigene Erfahrung die Erleuchtung erlangen. Buddha bestätigt das nochmal, dass er alles in seiner eigenen Erfahrung durchlebt hat, diesen Weg gegangen ist und auch durchbrochen hat.

Wichtig ist, dass der Buddha sagt, ich habe das selber erfahren. Dass sein Wissen nicht nur auf der intellektuellen Ebene basiert, sondern aus eigener Reflektion und Erfahrung heraus gewachsen ist.
Denn es gibt Schüler, die Buddha gefragt haben: Hast Du Dich wirklich damit auseinandergesetzt oder experimentierst Du nur mit uns?

Der Buddha hat dann gesagt; dem Leid bin ich begegnet, die Ursache des Leids habe ich aufgelöst. Die Methode habe ich durchschritten und die Befreiung habe ich erlangt.

Wenn wir dann sagen, dass wir Buddhas Gedanken gut finden, dass wir alle diese Schritte auch befolgen sollen – sie nicht nur als Dharma oder als intellektuelle Information bewahren und speichern und dann meinen, wir haben unser Leid schon aufgelöst.

Das bedeutet wirklich ankommen, sich wirklich begegnen und nicht nur die Dinge aus den Büchern verstehen. Das ist eigentlich ein Handbuch, das wir in unserer eigenen Praxis haben sollten. Die Befreiung können wir in jedem Augenblick, an jeden Tag in diesem Leben erlangen, wenn wir uns damit auseinandersetzen.

Neue Perspektiven finden …

Und es erzeugt in uns neue Einsichten, neue Perspektiven und einen neuen Horizont für unsere eigenen Betrachtungen.

Eine alte Frau hat zwei Töchter. Die eine verkauft Fächer, die andere verkauft Regenmäntel. Jedesmal wenn es regnet, ist sie so traurig, weil die Tochter, die die Fächer verkauft dann keine Fächer verkauft und wenn die Sonne scheint dann ist auch traurig, weil die andere Tochter kann ihre Regenmäntel nicht verkaufen. Sie geht zu einem Meister und fragt, wie kann ich mein Leid auflösen? Du musst nur Deine Perspektive verändern: Wenn es regnet, dann sollst Du dich freuen, dass deine eine Tochter mehr Regenmäntel verkaufen kann und wenn die Sonne scheint, sollst Du Dich freuen, denn dann kann die andere Tochter mehr Fächer verkaufen. Sie hat das praktiziert und sie heißt heute die lachende Frau.

Praxis bzw. eigene Entwicklung bedeutet, dass wir die eigenen Perspektiven in dem richtigen Moment angepasst und angemessen einsetzen können.

Familie Meier geht zu Familie Müller und sagt: „Wir beneiden eure Familie so sehr. Wir streiten ständig und ich fühle mich überhaupt nicht wohl. Bei Euch ist immer eine gute und harmonische Stimmung. Wie macht Ihr das?“ Familie Müller antwortet:“Ja, wir verraten Euch unser Geheimnis. Unsere Familienmitglieder sind eigentlich keine guten oder besonders klugen Menschen. Wisst Ihr, Eure Familie besteht aus Leuten, die alle viel Wissen haben. Wir sind nicht so schlau. Wenn ich ein Glas dahin stelle und irgendjemand stößt an den Tisch an und das Glas fällt runter, derjenige, der es hingestellt hat sagt: „Oh, tut mir leid, ich habe aus Unwissenheit das Glas dahin gestellt und der andere sagt: „Oh, es tut mir leid, ich habe aus Unachtsamkeit das Glas umgeworfen!“ In Eurer Familie hat jeder so viel Wissen, daher versucht dann jeder zu erklären, z.B. warum er das Glas dahingestellt hat, weil Du keine Achtsamkeit hast und deshalb hast Du das Glas dahin gestellt. Der andere wird auch eine Erklärung dafür haben, warum er an den Tisch gestoßen ist usw. Wir sehen, dass Deine Familie zu viel Wissen hat und deshalb habt ihr so viele Probleme.

Eigentlich müssen wir die Betrachtungsweise, wie wir das Leben sehen nur verändern. Dann würden wir unser Leid zumindest erleichtern.

Ich habe heute eine kurze Vorstellung darüber gegeben, worum es im Buddhismus und in der Zentradition geht. Eigentlich geht es immer darum, dass man seine Perspektive ändern muss.

Fragen und Antworten:

„Wenn im Buddhismus von Wiedergeburt gesprochen wird, was oder wer wird dann wiedergeboren, wenn es gar kein Ich gibt?”

„Es ist wie ein Naturgesetz: Bedingungen entstehen, Bedingungen kommen zusammen. Es entsteht was, Bedingung lösen sich auf, es löst sich auch auf. Deshalb darf man die momentane Erscheinung, die jetzt stattfindet, nicht als ein Ich oder als eine beständige Existenz bezeichnen. Sie entsteht aus Bedingungen. Die Wiedergeburt ist in sich leer, denn sie entsteht ja auch aus Bedingungen, wie ein Tornado. Der existiert auch nicht wirklich. Er entsteht aus den Bedingungen warm und kalt. Wenn diese Bedingungen vorhanden sind, entsteht ein Tornado. Wenn sie nicht mehr gegeben sind, dann lösen sie sich auf, aber in dem Moment, in dem ein Wirbelsturm aufkommt, ist es für uns so real, dass wir glauben er existiert wirklich.”

„Wie kann man sein Gegenüber besser verstehen?”

Wir erschaffen eine Dualität von Ich und Du, sobald wir sagen, das ist meine Ansicht und unser Ich mit hineinbringen. Wenn wir es aber schaffen, aus dieser Perspektive herauszutreten und wir unser Ich heraushalten, dann macht es auch keinen Sinn mehr über Ansichten zu streiten, denn wer streitet dann noch mit wem?

„Wie können wir die Erleuchtung erlangen?”

„Es gibt einige wichtige Faktoren, die auf dem Weg zur Erleuchtung hilfreich sind:

1. Keine Anhaftung – alles Loslassen
2. Geben ohne Erwartungshaltung (auf Gegenleistung)
3. Gutes Karma schaffen durch gute Taten
4. Bodhisattwa-Gelübde
5. Diamant-Sutra genau studieren und verstehen
6. Parami verdienstvolle Handlungen (Großzügigkeit, Meditation…)”

„Warum ist Geben/Großzügigkeit zu wichtig?”

Wir sollten den Menschen danken, denen wir etwas geben durften. Sie haben uns die Gelegenheit gegeben, eine gute Tat zu tun.

Dienstag, Oktober 13th, 2009 Dharma, Texte Keine Kommentare