Pagode Phật Huệ

Vietnamesisch-buddhistisches Zenkloster in Frankfurt am Main

Zen und Konfliktlösung

Es ist nicht leicht zu sagen, wie mir Zen oder die Zen-Kurse geholfen haben, mich zu verändern. Denn in den drei Jahren, in denen ich jetzt die Kurse besuche, ist auf verschiedenen Ebenen vieles „passiert.“

Als zentral für Veränderungen sehe ich zwei Dinge an: Ohne regelmäßige Meditationspraxis hätten bei mir die Erfahrungen, die ich machen durfte, nicht diese Tiefe und vor allem nicht diese Nachhaltigkeit erreicht und ohne ständige bewusste und absichtsvolle Übertragung in den Alltag hätte sich der Fortschritt auf die Kurstage begrenzt.

Die Übersetzung in den Alltag war und ist mir dadurch gut möglich, dass mein Partner mit mir zusammen diese Kurse besucht und wir unsere Erfahrungen gemeinsam versuchen umzusetzen. Allgemein verstehe ich Dinge leichter, wenn sie einen praktischen Nutzen haben.

Konkret habe ich in den Kursen meine Schwierigkeit erfahren, Konflikte auszuhalten. Das zu sehen, war nicht leicht, denn im Alltag werde ich leicht sauer und wütend und entsprechend barsch. Manche Menschen halten lieber Abstand, sie spüren meine aggressive Energie. Ich hatte also das Selbstbild, eher zu viel als zu wenig Konflikte auszutragen.

Aber wenn es um Emotionen geht, um persönliche Belange, da werde ich eher still, und wenn ich genau schaue, vor allem ängstlich. Ich habe dann sehr genau mein Umfeld, mein Gegenüber im Blick. Ich kann gut abschätzen, was ich wie tun muss, damit es nicht eskaliert und ich nicht fürchten muss, verlassen oder verachtet zu werden.

Diese Muster sind mir im Verlauf der Kurse deutlich geworden. Es gelingt mir immer besser, auf gute Art zu streiten, klar zu sehen, was ich will, und trotzdem mein Gegenüber nicht aus dem Auge – oder dem Herzen – zu verlieren. Und jetzt, da ich diese Gefühle besser wahrnehme und mutiger werde, stelle ich oft fest, dass ein großes Hindernis bei der Lösung von Konflikten mein Stolz ist. Je mehr es mir zum Beispiel gelingt, mich als erste zu entschuldigen oder als erste „die weiße Fahne zu hissen“, desto kleiner bleiben die Auswirkungen des Konflikts, unabhängig davon wer „angefangen“ hat – wer weiß das schon.

Was ich schön finde ist, dass es mir auch gelungen ist, über mich selbst und andere aus meiner Gruppe liebevoller zu denken und liebevolle Gefühle zu hegen, anstatt der inneren kritischen Stimme so viel Raum zu überlassen. Das hat sicher damit zu tun, dass wir uns in der Gruppe ermutigen, offen und angemessen kritisch miteinander zu arbeiten.

Ich – bzw. wir – haben Freunde in der Gruppe gefunden und verabreden uns immer mal wieder. Bei einem solchen Anlass kamen zwei „Feuer-Typen“ in einen Konflikt miteinander, der mehr subtil und atmosphärisch als offen war. Zwei „erdige Typen“ haben das Steuer in die Hand genommen und sind dem Ursprung mit Fragen auf den Grund gegangen. Ich vermag kaum zu beschreiben, wie erleichtert ich mich gefühlt habe zu sehen, wie sich ein Konflikt mit den Methoden, die wir in klar eingegrenzten Übungen lernen lösen lässt.

Vielleicht liest sich das alles ein bisschen wie eine „Zen-Idylle“ oder wie die Anleitung zu einem Wundermittel. Das ist es aber deshalb nicht, weil wir – um in den Genuss der Wirkung des Mittels zu kommen – ständig an uns arbeiten und uns anstrengen müssen, unsere Gewohnheitsstruktur zu überwinden und unserem Ego etwas weniger Raum zu geben.

24-04-2008