Wie Zen mein Leben verändert
Wie fange ich an dies zu beschreiben, denn es ist schwer einen Anfang und ein Ende zu finden wo es gar keines gibt.
Veränderung empfinde ich als langsam und fließend und oftmals voll der Rückschritte in alte Denkweisen und Verhaltensmuster.
Und plötzlich nach langer harter Arbeit, ist sie doch da. Als hätte man einen ganzen heißen unendlich langen Sommer einen vertrockneten dürren trostlosen sandigen Boden beackert und bepflanzt, sprießt da plötzlich ein kleines dünnes Hälmchen.
Ist es wirklich da, ich kann meinen Augen kaum trauen, und doch, etwas ändert sich.
Veränderung durch den Blick nach Innen
Für mich hat die Veränderung durch einen Perspektivenwechsel meiner inneren Einstellungen und Bewertungen stattgefunden.
Das Schwierige ist gewesen, überhaupt zu erkennen, dass es andere Sichtweisen und dadurch auch Handlungsmöglichkeiten gibt.
Ungewissheit und Unbekanntes ist schwer auszuhalten und macht Angst.
Einfacher ist es, da zu bleiben wo man steht, auch wenn es schrecklich ist, aber zumindest kennt man das Schreckliche ja ziemlich gut.
Das betrifft alle Lebensbereiche. Im Job genauso wie in Partnerschaft und Freundschaft.
Zen hat in mir einen Prozess in Gang gebracht, der mein Inneres durchwühlt bis nichts mehr an seinem Platz ist und ich nicht anders kann als meine Denkweise und Motivationen zu hinterfragen und den Weg ins Unbekannte anzutreten, um mich dann im Umgang mit Menschen völlig neu auszuprobieren.
Es ist wie beim Putzen der Wohnung, um alles sauber zu bekommen verschiebt man Sessel und Schränke, um versteckte Stellen zu erreichen.
Man produziert Chaos, um dann, nachdem geputzt ist, die Möbel an den passenden Platz zu schieben und Ordnung einkehren zu lassen.
In diesem Sinne entstand bei mir erst mal Chaos und Verwirrung mit meinen Gefühlen. Ich lerne nun meine Gefühle zu spüren und dann richtig zu identifizieren und zuzuordnen.
Dabei merke ich, dass unter einer starken Emotion, wie z.B. Wut noch ein stärkeres Gefühl, wie z.B. Verlustangst sitzen kann.
Es geht darum, immer wieder zu überprüfen ob meine Gefühle in Relation zu der Situation in der Realität stehen oder ob es Projektionen aus meinen Erfahrungen sind.
Gefühle kommen und gehen und ich kann sie aushalten, egal wie unerträglich sie mir scheinen. Ich bin nicht das Gefühl
Das ist hierbei eine grundlegende Erkenntnis für mich. Ergo, ich muss nicht vor ihnen wegrennen und kann sie mir anschauen. Klingt einfach, ist aber schwer.
Mich wirklich verändern zu wollen war für mich dann eine bewusste Entscheidung.
Zum ersten Mal durch eine Ahnung, dass es so nicht weitergehen kann.
Mein Leidensdruck war zu diesem Zeitpunkt enorm hoch.
Zum zweiten Mal durch die Einsicht, dass ich, um mich wirklich zu verändern, genau die Dinge tun muss, die mir schwer fallen.
Genau so wie es in einem Zitat von Goethe heißt, das mir zu diesem Zeitpunkt in die Hände fiel:
„Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun“
Das ist dann schon eine Ebene tiefer und härter.
Veränderung durch die Umsetzung nach Außen
Konkret heißt das, ich beobachte mein Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen ganz genau.
Was stelle ich an, um dem aus dem Weg zu gehen, was mir unangenehm ist?
Wann vermeide ich, anstatt in den Konflikt zu gehen?
Was tue ich aus welcher Motivation heraus?
Ein Beispiel: Spreche ich einer Kollegin ein Lob aus weil ich finde sie hat die Arbeit gut gemacht oder spreche ich es aus, um ihr Ego zu polieren damit sie mich mag?
Der nächste Schritt ist dann auf der Handlungsebene genau die Dinge zu tun die meiner Wahrnehmung entsprechen.
Ich achte darauf zu meinen Ansichten zu stehen und meine Gefühle dabei wahrzunehmen und auch zu äußern, auch wenn ich weiß, dass diese meinem Partner, der Freundin oder dem Chef nicht gefallen.
Danach gilt es die Konsequenzen zu tragen und zu merken, auch wenn die Außenwelt nicht immer erfreut ist darüber und die Reaktionen nicht immer meinen Erwartungen entsprechen, es ist heilsam sich für die eigenen Bedürfnisse einzusetzen anstatt sich zu verbiegen und sich anzupassen, nur um es den anderen Recht zu machen.
Fazit: Nicht alle müssen mich mögen. Ich bin nicht da um die Erwartungen anderer zu erfüllen. Ich bleibe bei meinen Bedingungen und die Wichtigste ist:
Ich will glücklich leben.
Und es gibt die Möglichkeit Kritik, Vorwürfe und Gefühle anderer einfach nicht anzunehmen.
Der Erkenntnisprozess
Die Veränderung geschieht, weil Zen mich immer wieder zu mir selbst zurück führt.
Zen ist für mich die Erkenntnis, dass alles was ich im Außen suche schon in mir vorhanden ist. Es ist wichtig für mich, meinen Blick nach Innen zu richten und mich aufwachen zu lassen.
Dieses Aufwachen ist ein langer Prozess und er tut weh und ich muss mich immer wieder daran erinnern, stehen zu bleiben und nicht weg zu rennen vor mir selbst und meinen mir unangenehmen Gefühlen.
Doch diese Gefühle nicht haben zu wollen, diese Gefühle zu vermeiden oder zu verdrängen, bedeutet einer Illusion nachzurennen. Und es macht mich krank. Richtig körperlich krank. Und das will ich nicht mehr.
Ich will endlich klar sein und die Realität sehen können.
Ich habe keine Lust mehr auf Täuschungen und je weiter ich den Weg des Erkennens gehe, desto weniger funktionieren meine Muster, die mich in der Täuschung halten wollen.
Es ist sehr anstrengend aber das, was ich gewinnen kann ist Authentizität, Ruhe im Gedankenkarussell und Friede und Freude im Herzen.
Und vielleicht finde ich auch das, was ich mir eigentlich wünsche.
Sicherheit durch Selbstvertrauen und die Fähigkeit Geborgenheit in einer Partnerschaft zu geben und anzunehmen.
Zen macht für mich erfahrbar, dass es immer mehr Wege gibt, als die ausgetrampelten Pfade, die mich schon zum x ten Mal in dieselbe Sackgasse geführt haben. Alles kann auch anders sein. Nur Mut, Geduld und der Wille wirklich hinzuschauen gehört dazu.