Seine Heiligkeit Sakya Trizin in der Pagode Phat Hue
Der tibetische Buddhismus kennt vier Hauptschulen, die Sakya-Schule ist eine der vier großen Traditionen. Seine Heiligkeit Sakya Trizin ist das Oberhaupt dieser Schule, er gilt nach Seiner Heiligkeit Dalai Lama als einer der wichtigsten Vertreter des Tibetischen Buddhismus. S.H. Sakya Trizin hat zahlreiche Zentren und Klöster gegründet, darunter auch das Sakya-College und das Sakya-Institut in Indien.
Im Rahmen seines Deutschlandaufenthalts hielt Seine Heiligkeit der 41. Sakya Trizin am 15.11.06 eine Dharmarede in der Pagode Phat Hue. In dem Vortrag erläuterte seine Heiligkeit den etwa 250 Zuhörern grundlegende buddhistische Einsichten.
Was sind die Fehleinschätzungen in der Lebensführung der Menschen? Worauf sollen Menschen ihr Leben ausrichten? Weshalb ist es wichtig, dass wir Mitgefühl mit den Mitmenschen entwickeln? Auf diese Fragen gab Seine Heiligkeit Antworten:
Der grundlegende Irrtum des Menschen ist das starre Festhalten an einem Ich, das es aus buddhistischer Sicht aber gar nicht gibt. Wo soll es denn sein, erklärt seine Heiligkeit, im Körper können wir es nicht finden, im Geist, der niemals stabil, aber ständig unruhig ist, kann es auch nicht sein. Die Vorstellung eines Ichs ist pure Illusion, eine Illusion, die den Menschen zwangsläufig zu negativen Denkweisen führt, zu Missgunst, Habsucht oder gar Hass. Negative Denkweisen aber erzeugen negative Handlungen.
Illusion ist auch das Verhaftetsein an der Unveränderlichkeit. Allgemeines Schmunzeln erregte S.H. Sakya Trizin bei den Zuhörern, als er davon sprach, dass ein für gewisse Zeit empfundenes Glücksgefühl sozusagen umkippen kann: Ist man bei großer Hitze froh, in einen kalten Raum zu kommen, so wird man bei zu langem Ausharren Kälte als negativ empfinden und sich nach Wärme sehnen. Hier erweist sich, nichts im Leben ist beständig, ein Festhalten an der Vorstellung, alles müsse aber immer ewig und gleich sein, führt zu mangelnder Flexibiltät und dann ebenfalls zum Leiden.
Mit der vertiefenden Erläuterung der Lehrrede Buddhas von den vier edlen Wahrheiten vermitttelte Seine Heiligkeit Sakya Trizin nicht nur, wie Irrtum und Leiden entstehen, sondern auch welche Möglichkeiten Buddha zur Aufhebung dieses Leidens sieht. Der Ausweg liegt zunächst in der Erkenntnis und dann in der Bereitschaft zur Veränderung. Dies aber erfordert kontinuierliche Arbeit an sich selbst. Der Mensch muß erkennen, dass er selbst verantwortlich für sein Leben ist. Dementsprechend sagte Seine Heiligkeit beispielsweise auch zu Beginn seines Vortrags zu den Zuhörern, dass Anwesenheit aus purer Neugierde nicht die rechte Motivation sei, um die positive Wirkung eines Dharmavortrages verspüren zu können. Es bedürfe mehr, eben wirklicher Bereitschaft zum Hören.
Gegen Ende der Rede hob Seine Heiligkeit die besondere Bedeutung der Kultivierung des Mitgefühls hervor. Gelingt es den Menschen in rechter Weise Mitgefühl zu erzeugen, so werden andere negative Emotionen und Verhaltensweisen in der Folge aufgehoben. Avalokiteshvara ist der Boddhisattva des Mitgefühls, das ihm zugeordnete Mantra: Om Mani Padme Hum ist Ausdruck dieses Mitgefühls. Das Rezitieren des Mantras ist Segnung und bewirkt Segen. Folglich ließ seine Heiligkeit zum Abschluss Zuhörer und Mönche gemeinsam Om Mani Padme Hum rezitieren. Mögen alle fühlenden Wesen davon höchsten Gewinn haben!
Zusätzliche Information
Der Abt der Pagode Phat Hue, Thich Thien Son, hat mit Seiner Heiligkeit Sakya Trizin ein Interview geführt, welches in der Zeitschrift “Buddhismus Aktuell” in der Ausgabe 3/07 erschienen ist.
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