Archive for Januar 2008

Von Windmühlen und Mauern im Wind

Bericht zu einem Seminar mit schweizer Unternehmern in Berlin

Kopie von 11-4-21Sangha&Natur-5 - KopieProf. Dr. Anton Gunzinger, Inhaber der Firma „Super Computing Systems“ in Zürich, ist der Veranstalter einer Seminarreihe zum Thema „Forschungsreise zur Seele des Unternehmens“. In diesem Jahr fand das 4. Seminar dieser Veranstaltungsreihe statt, welche aus dem Gedanken heraus entwickelt wurde, wirtschaftliche und ethische Grundsätze miteinander zu verbinden. Diese Idee führte zu einem fruchtbaren Austausch zwischen Prof. Dr. Gunzinger und Abt Thich Thien Son.

Am 17. Januar trafen sich 23 schweizer Unternehmer sowie 6 Mönche und Nonnen der Pagode Phat Hue in Berlin. Was bringt diese auf den ersten Blick doch recht unterschiedliche Gruppen zusammen? Nun, das Thema „Wendepunkte“.
Unternehmen sind mit ihren Aktivitäten in den Konjunkturzyklus eingebettet: Phasen des Aufschwungs und des Booms wechseln mit Phasen des Abschwungs. Die Kunst des Unternehmers besteht darin, Kurskorrekturen möglichst rechtzeitig vorzunehmen oder- ist im schlimmsten Fall die Depression erreicht- das Unternehmen wieder aus der Talsohle herauszuführen.
Buddhistische Mönche und Nonnen sind nun keine Wirtschaftsfachleute, aber man könnte sie schon als Experten für das Thema „Wandel“ ansehen, lehrt doch der Buddhismus, dass alles ständig der Veränderung unterworfen ist. Entsprechend lernen Buddhisten die Wahrnehmungsfähigkeit für den Augenblick und für die Möglichkeiten des Wandels zu stärken. Zum andern lernen sie im Rahmen der buddhistischen Psychologie zu erkennen, wie und wo Blockaden auftreten, die spontanes angemessenes Handeln verhindern.

Und so bearbeiteten beide Gruppen gemeinsam drei Tage lang das Thema Wendepunkte. Welcher Ort könnte da besser den Rahmen liefern als Berlin, die Stadt, die in den letzten 60 Jahren einer Vielzahl politischer Krisen ausgesetzt war und die deutliche Einschnitte erlebt hat: von Westdeutschland abgetrennt, von kommunistischen Herrschaftsansprüchen bedroht, geteilt, in den 80iger Jahren wiedervereint und als Hauptstadt wieder anerkannt.
Wie können wir Wendepunkte wahrnehmen, warum gehen wir wider besseren Wissens oder Fühlens dem Abgrund entgegen, welche Chancen ergeben sich, wenn wir uns auf Veränderungen einlassen? Solche und ähnliche Fragen standen im Mittelpunkt des Seminars.

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen manche Mauern und manche Windmühlen“
Laotses Ausspruch zeigt zwei verschiedene Grundmuster des Menschen. Die Notwendigkeit von Veränderungen nicht wahrnehmen zu wollen und sie abzublocken, erklärt sich daraus , dass wir gerne an Vertrautem und Gewohntem festhalten wollen. Das, was wir kennen, gibt uns Sicherheit, wenn auch oft nur eine Scheinsicherheit. Das Neue und Ungewohnte dagegen löst ein ungutes Gefühl oder sogar Ängste in uns aus, Angst vor dem, was wir nicht vollständig einschätzen und damit auch nicht kontrollieren können, also igeln wir uns ein, solange, bis die Krise wirklich nicht mehr zu verleugnen ist. Damit aber haben wir wertvolle Zeit und Energie verspielt, die wir zur Umstrukturierung oder zum Neuaufbau längst hätten nutzen können.

Aus buddhistischer Sicht ist alles immer im Prozess. Die Kunst des Handelns ist die Kunst, den Augenblick wahrzunehmen und offen zu sein, denn die Zukunft strukturiert sich aus der Gegenwart.
Natürlich, sind wir erst einmal in eine Krise hineingeraten, so ist es zunächst sehr schmerzhaft, sich die Situation einzugestehen. Aber die Lösung besteht niemals darin, vor dem Schmerz zu flüchten und den aufkommenden Ängsten auszuweichen. Angst ist eine zutiefst menschliche Reaktion, wir können sie nur auflösen, wenn wir sie anschauen, sozusagen hindurchgehen. Gleiches gilt für den Schmerz. Die Möglichkeit zur Kurskorrektur ist in jedem Augenblick gegeben und dabei gibt es keine noch so tiefe Krise, für die es nicht auch einen Ausweg gibt. Wichtig ist, das Tief niemals nur unter dem Aspekt des Negativen zu betrachten.

Da alles immer veränderlich ist, sind unsere Situationen niemals nur in eine Richtung festgelegt, folglich kann man auch einem Tief eine positive Wende geben. So betrachtet- und niemand kann uns daran hindern es so zu sehen- bieten Krisen geradezu die Chance zum Neubeginn. Was wir brauchen, ist Mut und die Entschlossenheit, weder in Selbstmitleid zu versinken, noch den andern die Schuld zu geben. Und Offenheit, um neue Perspektiven zu erkennen und vielleicht die Wertigkeiten anders zu setzen. Wenn uns dies gelingt, dann sind wir wie Laotses „Windmühlen im Wind des Wandels.“

21. Januar 2008 Allgemeines Kommentare deaktiviert

Das Kloster Buddhas Weg 2012 : Besondere Veranstaltungen

thay-neu-150x1501Kloster Buddhas Weg
Ehrw. Thich Thien Son Öffentliche Dharma-Reden u. buddhistischer Unterricht.

126. – 31. März 2012
Heldenreise

Einzigartig – Intensiv
Infos gibt es hier.

Thay_Rechte_frei_Winter - Kopie06.-09. April 2012
Samadhi Retreat

Mit Thich Thien Son
Infos gibt es hier.

dipankara12.-21. April 2012 Meditations Retreat
Mit Ehrw. Nonne Dipankara
Infos gibt es hier.

kunstworkshop21. April 2012
Wer kann ich sein?

Kunsttherapie mit U. Thomann
Infos gibt es hier.

120.-28. April 2012
Buchinger Heilfasten

Mit Elisabeth Freyberg
Infos gibt es hier.

Feuer221.-25. Mai2012
Burnout-Seminar

Mit Ulrika Thomann
Infos gibt es hier.

peace124.-28. Mai 2012
Peace Walk 2012

Gehen mit innerem Frieden
Infos gibt es hier.

brahm09.-18. Juli 2012
Ajahn Brahm Europa Retreat

10 Tages und 3 Tages-Retreat
Infos gibt es hier.

1Gesundheitsangebote Buddhas Weg 2012
Entspannung und Erholung
Infos gibt es hier.

1Ausbildungen Buddhas Weg
Heilpraktiker, Buddhistische Psychologie, MBSR
Infos gibt es hier.

Ehrw. Thubten Chodron – Spirituelle Motivation

Ehrw. Thubten Chodron – Innerer Frieden Teil2

Ehrw. Thubten Chodron – Innerer Frieden Teil1

Ordination in der Pagode Phat Hue

sangha-buddhahalleIm Rahmen einer stimmungsvollen Feier wurden am 28.12.2008 drei Anwärter in den Lin -Chi Orden der Pagode Phat Hue aufgenommen. „Ich heiße Lelio de Dominicis, bin 31 Jahre alt und bitte um Aufnahme in die Sangha“. Lelio ist einer von drei jungen Leuten, die am 28.12.07 in den Orden aufgenommen wurden. Warum wünschen in der heutigen Zeit Männer und Frauen als Novize oder Novizin den Ordensweg zu gehen und ihr Leben in der Gemeinschaft zu verbringen ?

Video-Dokumentation

Die Antworten sind ganz individuell: So sagte Maya Oelke, sie habe schon als Kunststudentin den Wunsch gehabt, eine gute Künstlerin und ein guter Mensch zu werden. Sie wünsche sich, wahres Mitgefühl zu entwickeln, ihr sei aber bewusst, dass sie dazu große Klarheit und Selbstvertrauen aufbauen müsse. Die Sangha sei nun genau der richtige Ort, um sich selbst zu reflektieren, Selbstvertrauen zu gewinnen und klare Strukturen in sich selbst zu entwickeln.
Wolf Schacht sagte bei seiner Vorstellung, er habe in den letzten Monaten, die er gemeinsam mit den Mönchen und Nonnen als Praktikant verbracht hatte, gemerkt, wie gut ihm das Gemeinschaftsleben getan habe und wie sehr er sich selbst den Mitmenschen gegenüber öffnen konnte. Warum er sich nun wünschte, Mönch zu werden, konnte er jedoch kaum auf einen Aspekt reduzieren: ” Ich will Mönch werden, um heraus zu finden, warum ich Mönch werden will!” Er folgte bis zur Ordination einem tiefen inneren Gefühl, das Richtige zu tun.

Alle drei Anwärter brachten zum Ausdruck, dass sie Thich Thien Son, dem Abt der Pagode, großes Vertrauen entgegenbringen und wünschen, von ihm als ihren Meister auf dem Weg begleitet zu werden, „ ein Weg, der sicher auch mal mit Hindernissen gepflastert sein kann “- wie der junge Italiener Lelio sagte – „und wo die Hilfe des Meisters unabdingbar wird.“

Die Zeremonie der Ordination vollzog sich in mehreren Schritten: nach der förmlichen Anfrage um Aufnahme folgte der Dank an die anwesenden Eltern und die Bitte um deren Verständnis und Unterstützung.
Die Eltern haben die Kinder in Liebe und Sorge großgezogen und somit für die jungen Anwärter die Bedingungen geschaffen, damit diese den Weg als Mönch oder Nonne gehen können. Mit dem Eintritt in den Orden findet nun ein Wechsel im Rollenverständnis statt. Die Ordinierten kultivieren ihren Geist, lernen, ihr Herz zu öffnen und wollen mit ihrer Kraft und Weisheit allen Lebewesen zu Verfügung zu stehen. Folglich konzentrieren sich ihre Pflichten nicht mehr allein nur auf die Eltern und die Familienmitglieder. Deswegen haben die Mönchs- und Nonnenanwärter die anwesenden Eltern gebeten, sie von ihrer Kindrolle zu entbinden.

Das Einverständnis der Eltern ist- so von Buddha vorgegeben –Voraussetzung für die Aufnahme in den Orden. Darüber hinaus ist für die jungen Leute entscheidend, dass die Eltern bereit sind, sie auf dem neuen Weg zu begleiten und zu unterstützen. Denn erst auf dieser Grundlage kann eine friedliche, harmonische Beziehung mit der Familie hergestellt werden. Es sei angemerkt, dass die Mönche und Nonnen keineswegs abgeschlossen hinter Klostermauern leben, das bedeutet, dass die Eltern auch als Gäste in der Pagode jederzeit herzlich willkommen sind. So berichtete Hue Nghi, einer der älteren Novizen, dass sich seit seinem Ordenseintritt das Verhältnis zu seinen Eltern durch die Besuche und die vielen Gespräche deutlich verändert habe und die Beziehung zu seinen Eltern nun sehr viel enger und verständnisvoller sei als früher.

„Wer aus der Sangha gegen die Aufnahme der Anwärter in den Orden sei, erhebe seine Stimme jetzt oder schweige für immer“, sagte der Abt laut und vernehmlich. Stille im Raum, damit sind die jungen Menschen aufgenommen.
Mit der Aufnahme in den Orden beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der in der Zeremonie zum einen durch eine förmliche Handlung der Reinigung und zum andern durch das Schneiden der Haare sowie der feierlichen Einkleidung zum Ausdruck gebracht wurde. Buddhistische Mönche und Nonnen verzichten vollständig auf ihre Haarpracht und zeigen damit, dass sie den Äußerlichkeiten des Lebens, den Symbolen der äußeren Schönheit, nicht mehr verhaftet sein wollen. Auch das Tragen der bescheidenen braunen Ordenstracht ist symbolhaft zu verstehen. ’Kleider machen Leute’ sagt unser Sprichwort; mit dem Anziehen der einfachen Robe demonstrieren die Novizen wiederum, dass äußere Phänomene nicht mehr wichtig genommen werden.

Am Ende des feierlichen Festaktes, der insgesamt zwei Stunden dauerte , betonte der Abt der Pagode nochmals die Aufgabe der Mönche und Nonnen: Kultivierung des Geistes, die Entwicklung tiefer Einsicht und mitfühlende Hinwendung an alle Lebewesen. Er hob hervor, dass das Kloster und die Klostergemeinschaft die bestmöglichsten Rahmenbedingungen für diese Aufgaben stellten, dass die Verantwortung aber zur Umsetzung und Wandlung beim Einzelnen liege.

1. Januar 2008 Allgemeines Kommentare deaktiviert