Allgemeines

Spirituelle Motivation – Ehrw. Bikshuni Thubten Chodron

sonneDie Ehrw. Thubten Chodron hielt heute im Rahmen der Dienstagsmeditation einen Vortrag über die verschiedenen Arten von Motivation. Sind wir uns eigentlich im Klaren darüber, warum wir was wie und wann tun? Warum gehen wir jeden Tag zur Arbeit? Warum hetzen wir ständig von einem Termin zum nächsten? Warum behandeln wir manche Personen gut und manche nicht?

Thubten Chodron zeigte den interessierten Anwesenden, in wie vielen Situationen wir uns einmal fragen sollten, wie unsere wirkliche Motivation aussieht. Gerade bei spiritueller Motivation ist es wichtig, sich genau darüber im Klaren zu sein, warum man sich mit Buddhas Lehre auseinandersetzt. „Wollen wir heute Abend hier sein, um uns nur gut zu fühlen? Oder gibt es eine tiefere Motivation, die unter der Oberfläche sitzt?“

Es zeigte sich, dass beinahe alle unsere Handlungen darauf ausgerichtet sind, dass es uns jetzt gut geht. Wir investieren oftmals die Hälfte unserer Zeit, in der wir wach sind, Geld anzuhäufen. Thubten Chodron zeigte aber auf ihre humorvolle und erfrischende Art und Weise, wie kurzsichtig diese Gewohnheit ist: „Manch einer wird vielleicht sagen: ‚Klar, Geld macht mich auf jeden Fall glücklich: Ich kann Urlaub machen, in die Bar gehen, ein schönes Abend essen in einem Restaurant zu mir nehmen, Filme gucken, mir einen neuen Computer kaufen, auch wenn es der fünfte dieses Jahr ist…’, unsere primäre Motivation sollte jedoch nicht die sein, Geld für solche Dinge heranzuschaffen.“ Thubten Chodron gab daher allen Anwesenden eine Hausaufgabe auf, „für die man nicht einmal das Bett verlassen muss – ist das nicht toll?“ Um die eigene Motivation von kurzfristigen, materiellen und eigensüchtigen Aspekten zu reinigen – „clean up your act“ – sollen wir uns jeden Morgen vor dem Aufstehen die drei wichtigsten Motivationen unseres Handelns für den Tag aufzählen:

„Niemandem Schaden, Freundlich sein und die Erleuchtung zum Wohle aller Wesen erlangen – habt ihr diese drei Motivationen tief in eurem Geist gespeichert, werden sie auf längere Zeit euer Handeln beeinflussen. Euer ganzes Leben kann dadurch beeinflusst werden, ebenso eure Beziehungen zu anderen Menschen.“

Wenn wir morgens im Bett liegen und uns als wichtigste Motivation für den Tag nur die Arbeit, der Gang zum Supermarkt oder ähnliches einfällt, sollen wir uns daran erinnern, die drei Motivationen ins Gedächtnis zu rufen. Wenn man sich diese drei Motivationen an den Wecker, den Badezimmerspiegel und an den Kühlschrank klebt, werden wir immer daran erinnert.

19. Dezember 2007 Allgemeines Keine Kommentare

Streuen eines Sandmandala in der Pagode Phat Hue

sangha-buddhahalleDer Besuch des ehrw. Chusang Rinpoche stand im Zeichen des Friedens. Ab Freitag, dem 26. Oktober, streuten der ehrw. Chusang Rinpoche und zwei weitere tibetische Mönche des Klosters Sera Mey Tsangpa Khangtsen ein Friedensmandala und die an drei Tagen gegebenen Belehrungen befassten sich mit der Entwicklung inneren Friedens und der Kultivierung und Ausbreitung von Mitgefühl. Das Streuen des Sandmandalas entspricht tibetischer Tradition. Diese Handlung wird durch Mitgefühl und den erwachten Geist des Boddhicitta angetrieben, damit Friede, Harmonie und Verständnis unter den Menschen verstärkt und Krankheiten wie auch Krisen besser aufgelöst werden können. Das Streuen des Sandmandalas und die Belehrungen durch den ehrw. Chusang Rinpoche sind somit ein Beitrag zur Entstehung einer friedlicheren Welt. Alle Eintrittsgelder und Spenden werden für die Errichtung einer neuen Gebetshalle des Klosters Sera Mey Tsangpa Khangtsen verwendet, ebenso für 30 neue Zimmer, für Medikamente und den Unterhalt der Mönche. Das Friedenssandmandala sowie die bereits zuvor gestreuten zwei Mandalas sind nach wie vor in der Buddhahalle der Pagode Phat Hue zu betrachten.

In unserer Video-Sektion können sie sich eine Video-Dokumentation zum Streuen des Sandmandalas anschauen.

31. Oktober 2007 Allgemeines Keine Kommentare

Ullambana-Fest Pagode Phat Hue 2007

ullambanaMutterliebe – Sie ist so tief wie der Ozean und so groß wie der Himmel. Die Liebe einer Mutter ist unendlich. Eine Mutter verzichtet auf viele eigene Freuden, um ihrem Kind die Liebe zu geben, die es braucht. (Thich Thien Son) Das Ullambana-Fest gibt jedem die Möglichkeit, den Eltern und besonders der Mutter gegenüber tiefste Dankbarkeit zu erweisen. An den beiden Tagen des 22. und 23. Septembers fanden in der Pagode Zeremonien statt, die diese große Dankbarkeit sowohl auf die verstorbenen wie auch die noch lebenden Eltern übertragen sollten.

Den bereits Verstorbenen wird durch Andacht und Gebet Hilfe zuteil, die sie in ihrem neuen Leben oder in der Ebene, in der sie sich nach dem Tod befinden, erreicht. Vielfältige Opfer mit Räucherwerk, Obst und Blumen unterstützen die spirituelle Hilfe, welche die Lebenden ihren verstorbenen Verwandten zukommen lassen.

Die Verbindungen zwischen den Kindern und ihren Müttern kann durch die Zeremonien des Ullambana-Festes eine tiefe, von Dankbarkeit und Liebe durchdrungene Ebene erreichen.

In unserer Video-Sektion finden sie eine Video-Dokumentation dieses Festes. Reinschauen lohnt sich.

24. September 2007 Allgemeines Keine Kommentare

Ein Herbsttag im Zeichen der Freundschaft

Der XIV. Dalai Lama zu Gast bei Roland Koch

Dalai Lama Hamburg„Immer geradeaus bis zu den gelben Sicherheitswesten“. Die junge Polizeibeamtin weist mit ihrer Hand nach vorn und lächelt dabei freundlich. Die gelben Punkte auf der hellgrünen Wiese entpuppen sich beim Näherkommen als weitere Beamte, die ankommende Fahrzeuge auf den provisorischen Feld- und Wiesenparkplatz leiten. Auch sie scheint es nicht zu interessieren, dass wir zusammengedrängt in einem überfüllten Auto sitzen, denn heute sind die üblichen Vorschriften ausser Kraft gesetzt. Seine Heiligkeit, der XIV. Dalai Lama, kommt in den Hessenpark bei Neu-Anspach. Wo er auftaucht eilen ihm Freundlichkeit, Friedfertigkeit und ein kleines Augenzwinkern voraus.

Mehr als 10.000 Menschen werden dem Freundschaftstreffen zwischen dem Ministerpräsidenten des Landes Hessen, Roland Koch, und dem Oberhaupt der Tibeter, Tenzin Gyatso, dem XIV. Dalai Lama beiwohnen. Die ersten haben sich schon gegen neun Uhr vormittags auf den Weg in das hessische Freilichtmuseum gemacht. Mit Kind und Kegel ziehen sie, Picknickkörbe, Decken und Sitzkissen in der Hand, auf den Haupteingang zu. Es herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre, die ein gemeinsamer Wunsch eint: Dem charismatischen und zugleich bescheidenen Würdenträger einmal ganz nahe zu sein. Etwas von seiner Ruhe, Offenheit und Liebe zu spüren und ein bisschen von seiner Weisheit mit nach Hause zu nehmen.

Auf dem historischen Marktplatz wehen tibetische Gebetsfahnen und bilden einen kräftigen Kontrast zu den pastellfarbenen Fachwerkhäusern. Ebenso farbenfroh stechen einige Tibeter und Tibeterinnen in traditionellen Gewändern aus der Menschenmenge hervor. Die Möglichkeit, dem geistigen und weltlichen Oberhaupt ihres Volkes an diesem Tag zu begegnen, bedeutet für sie ein großes Glück. Die meisten von ihnen zeigen unverstellt ihre Gerührtheit und Freude. Für dieses Volk im Exil findet der Dalai Lama später in seiner Rede besonders warme, ermutigende und auch entschiedene Worte. Er betont seine Überzeugung in das Fortbestehen des tibetischen Geistes. Dieser Geist entsteht aus dem buddhistischen Glauben und aus der über Jahrtausende gewachsenen, kulturellen Identität. Der Buddhismus, mit seiner über 2000 Jahre alten Tradition, bildet eine stabile Grundlage im Gegensatz zu kurzlebigen Ideologien. Das wachsende Interesse am Buddhismus, das man überall auf der Welt verfolgen kann, bezeugt seine Relevanz für die Gegenwart und sichert damit den Erhalt der buddhistischen Lehre, betont Seine Heiligkeit. Selbst in der chinesischen Bevölkerung sei eine Rückbesinnung auf den buddhistischen Glauben zu beobachten.

Das Treffen der beiden Staatsmänner, die unterschiedlicher nicht sein könnten, steht unter dem Motto der hessisch-tibetischen Freundschaft. Und es wir schnell deutlich, dass mit dieser Zusammenkunft bewusst ein Zeichen für das freie Ausleben der kulturellen Identität und die Achtung der Menschenrechte gesetzt wird. Jedes Volk, so Ministerpräsident Koch, hat das Recht in Glück und Frieden zu leben. Er betont in seiner Rede, dass seine Freundschaft und sein Engagement für den Dalai Lama auch darin begründet sind, dass dieser sein Volk über so viele Jahre, selbst gegen Widerstände aus den eigenen Reihen, dazu gebracht hat, seine Interessen mit friedlichen Mitteln zu verteidigen. Es sind klare aber auch vermittelnde Worte, mit denen Koch, als Freund Chinas und als Freund des Dalai Lama, den Versuch unternimmt, alle Beteiligten in der Tibetfrage miteinander ins Gespräch zu bringen. Besonderen Respekt zollt er dem Dalai Lama für sein Bemühen um eine friedliche Lösung des Konfliktes und betont, dass er das Oberhaupt Tibets auch weiterhin mit aller Kraft unterstützen will. Die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik ruft er dabei zur Mithilfe auf. Es ist ein Zeichen von Freundschaft, so Koch, seine Stimme für jene zu erheben, die hierzu keine Möglichkeit haben. „Dass es schwierig ist in Tibet in Freiheit zu leben und seinen Beruf zu behalten, wenn man nur ein Bild vom Dalai Lama besitzt, werden freie Menschen in der Welt nicht ertragen, ohne dagegen zu protestieren. Es dürfen nicht die zu Verlierern werden, die die Mittel der Gewalt nicht anwenden“.

Wie aber ist es dem Oberhaupt der Tibeter angesichts von Bedrohung, Gewalt und Zerstörung in seinem Heimatland möglich, beständig den Dialog zu suchen und hierbei eine friedfertige und gewaltfreie Haltung zu wahren?

Dazu muss man den buddhistischen Geist verstehen, auf dessen Grundlage diese Haltung gewachsen ist und den der Dalai Lama nicht nur verbal in unzähligen öffentlichen Vorträgen weitergibt, sondern den er sichtbar lebt. So geht es auch in diesem Vortrag auf der Waldwiese im Hessenpark zwar um das Thema „Freundschaft“, darunter schwingt jedoch ein tiefgründigeres, grundlegendes buddhistisches und menschliches Thema – Mitgefühl. „Mein Lieblingsthema“ gibt der Dalai Lama dann auch unumwunden zu und lacht, wie so oft, über sich selbst und seinen gelungenen Scherz. Mitgefühl bedeutet nicht Mitleid, sondern basiert auf Respekt und Anerkennung der Rechte und Bedürfnisse eines jeden Lebewesens. Daher ist echte Freundschaft ohne Mitgefühl nicht möglich.

Der Same des Mitgefühls, so Seine Heiligkeit, wird nicht durch den Glauben gelegt, sondern entsteht auf einer zwischenmenschlichen Ebene. Indem wir als Kinder Liebe und körperliche Fürsorge durch die Mutter erfahren, wird in uns der Grundstein für eine liebevolle Haltung anderen Wesen gegenüber gelegt. Ausgehend von diesem Gefühl der Verbundenheit mit Freunden und Familienmitgliedern kann dann durch geistiges Training Mitgefühl auf alle Lebewesen ausgedehnt werden, auch auf solche, die uns nicht unbedingt wohlgesonnen sind. „Uneingeschränktes Mitgefühl“ nennt der Dalai Lama diese Haltung und betont, dass nur uns Menschen diese Form des Mitgefühls möglich ist.

Vielleicht ist es die Sehnsucht, etwas von diesem „uneingeschränkten Mitgefühl“ zu erfahren, die so viele Menschen an diesem sonnigen Herbsttag auf die idyllische Waldwiese treibt. Geduldig stehen sie, selbst ein wenig bunten Gebetsfahnen gleich, an den Absperrungen und winken dem Friedensbotschafter zu. Schwingen Fahnen, Gebetsschals und Kameras über den Köpfen, um noch ein letztes Bild zu erhaschen von dieser berühmten Person, die zum Sinnbild des Friedens und der Sanftmut geworden ist.

22. September 2007 Allgemeines Keine Kommentare

Bericht über die Audienz bei Seiner Heiligkeit XIV Dalai Lama in Hamburg

Im Rahmen seiner Unterweisung in Hamburg gab uns S.H. Dalai Lama am 25. Juli 2007 die Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch. Anlass der Audienz war die Vorbereitung seines Besuches in Frankfurt im Juli/ August 2009.

Dalai Lama HamburgWir warteten geraume Zeit und während wir dann von einem Raum in den nächsten geführt wurden, machte sich gespannte Nervosität breit. Wie wird das Gespräch verlaufen, wird Seine Heiligkeit unsere Vorschläge für das Event 2009 akzeptieren, welche Empfindungen wird die Präsenz seiner Heiligkeit in uns auslösen, welche Impulse können wir aus dieser Audienz mitnehmen?
Im 3. Raum schließlich sollten wir S. H. Dalai Lama treffen. Als er dann mit seinem Mitarbeiterstab den Raum betrat, entwickelte sich sofort eine Atmosphäre, die man mit den Begriffen tiefe Ruhe und konzentrierte Aufmerksamkeit umschreiben könnte. Wie schon bei früheren Treffen, so beeindruckte uns auch diesmal die ausnehmende Freundlichkeit, Heiterkeit und Einfachheit des großen Gelehrten.

Monate vorher hatten sich die drei buddhistischen Organisationen Pagode Phat Hue, das Tibethaus Frankfurt und die Deutsche Buddhistische Union (DBU), Dachverband in Deutschland, darauf verständigt, S.H. Dalai Lama zu einer einwöchigen Veranstaltung nach Frankfurt einladen zu wollen. Im Mai war die Bestätigung erfolgt, dass Seine Heiligkeit die Einladung annehmen wird. Nun sollten Einzelheiten besprochen werden, entsprechend waren nun bei der Audienz die Vorsitzenden der drei genannten Organisationen, Abt Thich Thien Son, S.E. Dagyab Rinpoche und Vajramala mit ihrem jeweiligen Mitarbeiterstab anwesend. Zudem nahmen auch der Hochehrwürdige Thich Nhieu Dien und der Ehrwürdige Thay Hanh Tan , Vertreter der Pagode Vien Giac in Hannover, teil.
Nach der zeremoniellen und gleichzeitig sehr herzlichen Begrüßung, ermunterte uns S. H. Dalai Lama mit den Worten, „so, now, what should we do today ?“, den geplanten Programmablauf vorzustellen. Er hörte geduldig zu, nickte „oh yes, yes, yes“ besprach sich mit seinem Beraterstab oder änderte mit kurzen Einwürfen das Programm ab. Seine Klarheit, mit der er uns sofort, aber doch liebevoll auf jede unpräzise Aussage, auf jeden nicht ganz entwickelten Programmpunkt aufmerksam machte, erstaunte und beflügelte uns zugleich. Der zunächst geplante Titel der Veranstaltung: mutig leben, friedvoll sterben, fand nicht so recht seine Zustimmung: „Oh, nobody wants to die“ und schon stand ein neues Motto für 2009 fest: Die Kunst des Lebens.

Das Programm vom 28. Juli bis 2. August 2009 wird nun wahrscheinlich folgendermaßen aussehen:

  • am Montagabend: Benefizkonzert als Auftakt-Veranstaltung
  • Dienstag bis Donnerstag: Unterweisung (also Auslegung eines buddhistischen Textes) durch seine Heiligkeit vor interessierten Zuhörern
  • Freitag: Einweihung in den Buddha Amithaba
    und
    öffentlicher Vortrag
  • Samstag: Dialog/ Podiumsdiskussion mit Wissenschaftlern
    (vermutlich: Medizin und Ethik/ Wissenschaft und Bewusstsein )
  • Sonntag: Dialog/ Podiumsdiskussion mit Vertretern verschiedener buddhistischer Traditionen
    und
    Abschlussveranstaltung

Diese Programmpunkte werden von einem Rahmenprogramm begleitet, hier sollen durch Wissenschaftler, Fachleute und religiöse Vertreter soziale, wirtschaftliche, ökologische Aspekte unserer Gesellschaft unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und neue Lösungsansätze diskutiert oder vorgestellt werden. Näheres lässt sich erst zu einem späteren Zeitpunkt aufführen. Außerdem soll an ein Unternehmen, das sich im gesellschaftlichen Bereich besonders verdient gemacht hat, ein Preis vergeben werden.

Nach etwa 20 Minuten war unsere Audienz beendet. Als sich Seine Heiligkeit mit einem freundlichen Lachen verabschiedete, empfanden wir alle ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit.
Wir sind unserem Ziel, die Inhalte buddhistischer Ethik im Westen bekannt zu machen und – entsprechend dieser Ethik – Impulse für gesellschaftliche Entwicklungen geben zu können, deutlich näher gekommen. Kein Gelehrter vermag so wie Seine Heiligkeit Dalai Lama mit Klarheit und Weisheit Buddhismus im Westen zu erläutern und dabei traditionsübergreifend zu wirken.
Viel Arbeit liegt nun vor uns zur Umsetzung des Events, aber wir schätzen uns glücklich dies tun zu dürfen.

27. Juli 2007 Allgemeines Kommentare deaktiviert

Vorträge und Unterweisung durch S.H. Dalai Lama in Hamburg vom 21.07. – 27.07.2007

Persönlicher Eindruck einer Zen-Schülerin

Die Tage in Hamburg bei den Belehrungen S.H. Dalai Lama sind vorüber und doch kommt es mir vor, als wenn sie noch nicht zu Ende seien, sie schwingen nach und der Alltag hat noch nicht recht Fuß fassen können. Es war eine sehr intensive Zeit, in der das normale Zeitgefühl verloren gegangen ist und erst langsam wiederkehrt.

Die folgenden Eindrücke geben meine persönliche Sichtweise wieder, andere Teilnehmer mögen die Veranstaltung ganz anders empfunden haben. Die wiedergegebenen Inhalte der Belehrungen stellen nur Bruchstücke da und ich schreibe spontan so, wie es meinem augenblicklichen Verständnis entspricht.

„Frieden lernen – die Praxis der Gewaltlosigkeit“

Es begann am Samstagmorgen, die Menschen strömten zum Tennisstadion Rotherbaum, trotz der großen Menschenmenge war die Atmosphäre angenehm und das Verhalten rücksichtsvoll. Laut Wettervorhersage sollte es am Samstag regnen, aber der Himmel wollte S.H. Dalai Lama wohl mit Sonnenschein begrüßen.
Auf dem Dach des Stadions war das goldene Rad der buddhistischen Lehre zu sehen und die Flagge Tibets wehte am Eingang. S.H. Dalai Lama erklärte uns später, dass Mao Tse-tung ihm 1954/55 die Erlaubnis gegeben hat, in Tibet neben der chinesischen Flagge auch die tibetische Flagge zu hissen. Dieser Hinweis dient uns als Information für den Fall, dass die chinesische Regierung einmal Einwände gegen das Hissen der tibetischen Flagge verlauten lässt.

Das Tennisstadion war nicht mehr als solches wiederzuerkennen: es war eine friedliche Stimmung im Raum, tibetische Gebetsfahnen hingen bogenförmig vom Dach, der Innenboden war mit blauem Teppich ausgelegt, vorne war eine Bühne aufgebaut und rechts und links daneben gab es große Leinwände, die das Geschehen auf der Bühne wiedergaben. Die Rückwand der mit gelben Stoff dekorierten Bühne wurde von drei großen Thankabildern des Buddha Shakyamuni, Buddha Manjushri und des 1000-armigen Avalokiteshvara geschmückt.

Als S.H. Dalai Lama die Bühne betrat, wurde es sehr still im Stadion, alle erhoben sich von ihren Sitzen und begrüßten ihn mit großem Applaus. Sein Lächeln und sein Segen erfüllten den Raum und die Herzen der Menschen. Trotz der 10.000 anderen Teilnehmer fühlte ich mich persönlich berührt und wahrgenommen.

S.H. Dalai Lama setzte sich mit gekreuzten Beinen auf einen Sessel in der Mitte der Bühne, hinter ihm stand ein traditionell tibetischer Thron, der jedoch erst am Freitag zur Segenseinweihung in Buddha Manjushri benutzt werden sollte. Ab Montag saßen dann noch rechts und links seiner Heiligkeit Mönche auf dem Boden und als große Neuheit auch Nonnen. Wer es nicht anders kennt und nicht weiß, dass es es nicht üblich ist, dass auch Nonnen auf der Bühne neben S.H. Dalai Lama sitzen, könnte meinen, dass es das Normalste der Welt sei – und ist es das nicht auch?

Das Wochenende stand unter dem Thema: „Frieden lernen – die Praxis der Gewaltlosigkeit“. Das Stadion war gefüllt und ich saß in der letzten Reihe ganz oben mit dem benachbarten Schwimmbad im Rücken. Der Ton war zu leise, das Schwimmbad zu laut, die Bühne zu weit weg und die Videowand war durch die tibetischen Gebetsflaggen und einen Teil der Dachkonstruktion zur oberen Hälfte verdeckt – ideale Bedingungen Geduld zu üben. Der Ton wurde besser, mit etwas Verrenkungen konnte ich mehr von der Leinwand sehen, später gab es noch ein paar freie Plätze weiter unten, so dass ich dann alles sehen und besser hören konnte.

Der Samstagvormittag stand unter dem Thema „Einführung in die Psychologie des Geistes“. S.H. Dalai Lama sprach in Englisch und auf der Bühne gab es dann eine deutsche Übersetzung. Per Kopfhörer konnte man die Vorträge auch in Französisch, Spanisch, Italienisch, Vietnamesisch und Mandarin (Chinesisch) hören. Gedanken, die mir im Gedächtnis blieben waren: „Diskussion öffnet den Geist“, „Willenskraft zum Dialog ist wichtig“, „Ein Objekt kann man nicht gleichzeitig in zwei gegensätzlichen Haltungen sehen wie z. B. Liebe und Hass, daher ist es gut eine Substanz zu finden, die die negative Substanz ausschließt“. Nach dem jeweiligen einstündigem Vortrag S.H. Dalai Lama wurden drei bis vier Vertreter/innen verschiedenster Gruppen und Organisationen auf die Bühne gebeten, um ihr Projekt vorzustellen und zum Gespräch beizutragen.

Der Nachmittag stand unter dem Thema: „Ethik im Alltag“. S.H. Dalai Lama hat u.a. den Körper und den Geist verglichen. Wird ein geschwächter Körper mit Viren konfrontiert, können diese großen Schaden anrichten, ist der Körper jedoch gesund, verschwinden die Viren oft wieder. So ist es auch mit unserem Geist, daher ist es wichtig an unserer Geisteshaltung zu arbeiten, um einen stabilen Geist zu erlangen.

Wir Teilnehmenden konnten selbst auch Fragen aufschreiben, die eingesammelt und dann nach Auswahl S.H. dem Dalai Lama vorgelegt wurden. Selbst ist mir leider keine Frage eingefallen, die ich ihm hätte stellen können. Eine Jugendliche vor mir z.B. schrieb auf ihren Zettel die Frage: „Wie geht es Ihnen?“
Eine der ausgewählten Fragen war: „Wenn ich mich verteidigen muss, wie kann ich Mitgefühl üben?“ Antwort: „Bestimmte Handlungen kann man verwerfen, aber nicht die Person, trotz Fehler kann der Person gegenüber Respekt gezeigt werden.“
Eine andere Frage auf dem Podium hat mich besonders aufhorchen lassen: „Kann man auch zu viel Mitgefühl haben, das zu Burnout und Krankheit führt, oder gibt es auch einen gesunden Egoismus?“ Antwort: „Zuerst müssen wir uns selbst lieben, dann die anderen, sonst kann man es ja auch nicht weitergeben. Mitgefühl muß auch mit Weisheit einhergehen!”

Am Sonntagvormittag ging es um „Ethik“. Noch etwas müde vom gestrigen Tag hörte ich von S.H. Dalai Lama: „Guter Schlaf ist Quelle des friedlichen Geistes“, da fühlte ich mich fast „ertappt“. Gedanken, die mir haften geblieben sind: „Um ein guter Mensch zu sein, muß man nicht einer Religion folgen“ und „es gibt viele Probleme auf der Welt, aber wir sind alle Teil einer Welt.“
S.H. Dalai Lama hat uns aufgerufen Deutschlands zentrale Rolle in der EU zu sehen, um Mitgefühl einzubringen und er wünscht sich ein Jahrhundert der Freundschaft. Auf die Frage, welche gemeinsame Basis es für den Weltzukunftsrat geben kann, nannte S.H Dalai Lama die universelle Ethik (unabhängig von der Religion).

Am Sonntagnachmittag folgte der öffentlichen Vortrag: „Mitgefühl in der globalisierten Welt“. Es waren andere Zuhörer als bei den vorherigen Vorträgen da, viele, die die Gelegenheit nutzen wollten, S.H. den Dalai Lama live zu erleben. Sein Vortrag war mehr für das breite Publikum und ich finde es interessant zu erleben, wie S.H. Dalai Lama den Inhalt seiner Vorträge den Zuhörenden anpassen kann. Im Anschluss daran gab es noch eine interreligiöse Feier mit jugendlichen Vertreter/innen aus Hamburg, die aus dem Christentum, Judentum, Hinduismus, Buddhismus und dem Islam kommen. Der gemeinsam geschriebene und vorgetragene Text dieser Jugendlichen zum Thema Licht hat mich berührt. Schön, dass hier auch im Rahmen des öffentlichen Vortrages der Raum für diese interreligiöse Offenheit war.

Das leibliche Wohl

Neben der Nahrung für den Geist gab es zur körperlichen Stärkung verschiedenste Stände und Zelte mit gesüßtem Chai, tibetischem Buttertee, Mangolassi (hm!), Crepes, Brezel, gefülltem Fladenbrot, indischer Küche ….. Das gemeinsame mittägliche Picknick der Pagoden-Sangha im Park an der Alster war sehr lecker. Zu einem täglichen Ritual wurde es mir, mindestens einmal am Tag einen gesüßten Chai zu trinken. Leider waren die Menschenschlangen oft sehr lang, auch zu den Toiletten. Wie beglückend doch eine kurze Schlange sein kann! Als einmal in einer Toilettenschlange eine Nonne hinter mir stand und ich sie vorlassen wollte, meinte sie von Herzen: Nein danke, S.H. Dalai Lama sagte, wir sind alle gleich und ich habe es jetzt auch nicht eilig.

Buddhistische Philosophie und Praxis – Erklärungen zu den 400 Versen des indischen Meisters Aryadeva

Eine weitere Besonderheit dieser Tage war, dass die Morgengebete jeweils von verschiedenen buddhistischen Schulen und auch Richtungen rezitiert und gesungen wurden.(Theravada, Vietnamesisch, Koreanisch u.a.).

Am Montagvormittag begannen nun die traditionellen Belehrungen S.H. Dalai Lama zu den vierhundert Versen des Aryadeva. Es ist schön, S.H Dalai Lama auf Tibetisch sprechen zu hören, allerdings passierte es mir auch immer wieder, dass sich meine Aufmerksamkeit den anderen Teilnehmenden in der Halle zuwandte, meine Gedanken abschweiften und ich sie erst wieder einfangen musste.
Die Gestik der Hände S.H. Dalai Lama war sehr lebhaft und präzise, seine Rede unterbrach er immer wieder durch sein Lachen , ein Lachen, über das er sich oft selbst zu freuen schien – manchmal lachten die tibetischen Mönche und Nonnen auch mit.
Christof Spitz, der Übersetzer S.H. Dalai Lama, hatte es sicherlich nicht leicht, wenn er die bis zu 20 minütigen Ausführungen ins Deutsche wiederzugeben hatte, wobei er leider das Lachen nicht mitübersetzte.

Zuerst begann S.H. Dalai Lama mit grundlegenden Gedanken zur Philosophie des Abhängigen Entstehens und der Frage: Gibt es endgültiges Glück? Antwort: Ja, das gibt es. Wir alle haben das Erkenntnispotential eines Buddhas in uns, allerdings ist es noch nicht entfaltet, Hindernisse in unserem Geist stehen dem im Weg. – Ein aufmunternder Gedanke, dass das Potential schon da ist („alles ist in unserem Geist und unserem Herz“), auch wenn es noch viel auf dem Weg dahin zu tun gibt .

Meiner Denkstruktur tut es gut, die buddhistischen Einteilungen, Gruppen, Nebengruppen, Durchnummerierungen u.ä. zu hören, wie z.B. auch vom Weg zur Erleuchtung in 3 Stufen:
1. Negative Handlungen aufzugeben (darunter kann ich mir etwas vorstellen).
2. Die falsche Sicht vom Selbst aufzugeben (da wird es nun schon schwieriger).
3. Alle irrtümlichen Sichtweisen aufzugeben (na ja …..).

Ein mir neuer Gedanke war, dass der Zusammenhang von Ursache und Wirkung kein One-way-Denken ist, sondern dass eine Ursache auch von der Wirkung abhängig ist, die so erst zur Ursache wird. Ferner gibt es keine Ursache, die nicht Wirkung einer vorherigen Ursache war. – So hatte ich es noch nie gesehen.

Am Montagnachmittag begann S.H. nun mit dem Lesen der 400 Verse und den erläuternden Erklärungen dazu: teils ausführlich, teils kurz, teils folgte dem Lesen keine Erklärung. Manche Gedanken waren mir bekannt, manche ergänzend, manche neu, manche waren mir verständlich, manche unverständlich und manche verpasste ich einfach, weil meine Konzentration gerade nicht anwesend war. Obwohl es eigentlich nur zweimal zwei Stunden Belehrungen am Tag gab (vormittags und nachmittags), war ich zum Teil recht müde und erschöpft. Gegen Ende der Woche hatte ich mich dann besser daran gewöhnt und ich konnte mich leichter konzentrieren. Die Belehrungen der Tage gehen in meiner Erinnerung ineinander über.

Die 400 Verse sind in zwei große Bereiche eingeteilt:die Kapitel 1-8 sind Übungen zur Methode und die Kapitel 9-16 Übungen zur Weisheit. Die ersten acht Kapitel sind relativ praxisnah und die zweiten acht Kapitel sind zum Teil sehr theoretisch (Philosophiestudenten hätten sicher ihre Freude daran gehabt).

Die ersten vier Kapitel geben Grundsätzliches zur buddhistischen Einstellung auf dem Weg zur Befreiung wieder. Im 1. Kapitel: „Den Glauben an die Beständigkeit überwinden“ stellte S.H. Dalai Lama die Frage, was uns daran hindert die Dharmapraxis auszuüben? – Jetzt ist der Zeitpunkt, solange wir noch handeln können!
Sehr interessant fand ich die ausführliche Beschreibung des Sterbeprozesses bis zu den subtilen Energien und dem subtilen Bewusstsein.

An mehreren Stellen hat S.H. Dalai Lama das Thema Bewusstsein aus verschiedener Sichtweise aufgegriffen, so z. B. dass es ein Objekt geben muss; Sinnesorgane, die ein Bild aufnehmen können sowie einen Bewusstseinsfaktor, ein vorhergehendes Bewusstsein, das die Aufmerksamkeit lenkt. Weitere Ausführungen dazu wären für mich interessant gewesen, aber es ging in einem schnellen Tempo weiter durch zum Teil recht komplexe Themen, z.B. die Konzentrationsstufen oder die Leerheit. (Wer hat sich nur bei der Übersetzung das Wort „Leerheit“ ausgedacht? Sollen wir westlichen Menschen damit geprüft werden, wie stark unsere Motivation ist, den buddhistischen Weg zu gehen? Oder warum sonst wird es so schwer verständlich ausgedrückt?)

Zwischen den Erklärungen zu den Versen hat S.H. Dalai Lama auch andere interessante buddhistische Themen angesprochen und diese teilweise auch in einer humorvollen Weise: So erklärte er z.B. zur Zuflucht in Buddha, Dharma und Sangha, dass dies für Menschen ist, die eine dauerhafte Befreiung suchen, jedoch nicht als Zuflucht vor Regen oder Hunger zu verstehen ist, bzw. davor schützt.

Zwischen den Erklärungen zu den Versen hat S.H. Dalai Lama auch andere interessante buddhistische Themen angesprochen, teilweise auch in einer humorvollen Weise: So erklärte er z.B. zur Zuflucht in Buddha, Dharma und Sangha, dass diese für Menschen sei, die eine dauerhafte Befreiung suchen, jedoch nicht als Zuflucht vor Regen oder Hunger zu verstehen ist.

Vom 2. Kapitel: „Den Glauben überwinden, das Leidhafte sei Glück“ ist mir ein Beispiel noch gut in Erinnerung: „Wir sind, wie jemand, der an einem Ausschlag leidet, sich kratzt und es als Glück empfinder, dass nun das Jucken nachläßt.“
Haften geblieben ist auch, dass Glück von unseren Vorstellungen abhängt.

Das 3. Kapitel: „Den Glauben an Reinheit aufgeben“ handelt vielfach von körperlichem Verlangen und Sexualität. Da Aryadeva den Inhalt des Textes an Mönche gerichtet hatte, erfolgt die Darstellung aus männlicher Sicht. In den Belehrungen hat S.H. Dalai Lama jedoch auch angesprochen, dass Nonnen den Text aus weiblicher Sicht interpretieren sollten. Als Laien-Praktizierende habe ich mich gedanklich jedoch bei manchen Versen ausgeklinkt, da ich mich nicht angesprochen gefühlt habe.

Dafür fand ich das 4. Kapitel:“ Den Stolz überwinden“ wieder recht spannend, vor allem den Gedanke, dass es einen positiven und einen negativen Stolz gibt. Der negative Stolz ist überheblich, achtet andere nicht und ist destruktiv. Der positive Stolz dagegen gibt positives Selbstvertrauen und Kraft, er ist mit dem Gedanken verbunden: „Ich kann es schaffen“.

Das 5. Kapitel: „Die Übungen eines Bodhisattva“ haben für S.H. Dalai Lama den größten praktischen Nutzen für die Geistesschulung. Die Auslegung werde ich mir noch einmal genauer ansehen müssen.

Das 6. Kapitel: „Die Methoden zur Überwindung der Leidenschaften“ handelt vielfach von Begierde und Wut, hier werden zwei unterschiedliche Sichtweisen angesprochen, bei Begierde fühlen wir uns hingezogen, bei Wut abgestoßen. Angesprochen hat mich der Gedanke, dass Zorn einem selbst schadet, die innere Ruhe und Freude stört und erschöpft. Auf den ersten Blick nicht sehr einleuchtend ist der Satz: „Ein Feind ist die beste Gelegenheit Geduld zu üben.“

Eine Frage aus dem Publikum, bei der ich zuerst die Luft angehalten und mich gefragt habe,wie wohl die Antwort lauten wird: „Wie kann ich mit einem Schwangerschaftsabbruch fertig werden, den ich im nachhinein als falsch ansehe?“
Antwort: „Es gibt keinen Menschen, der nicht schon einmal einen Fehler gemacht hat. (Ein Aufatmen der Erleichterung ging durch die Menge, fast als ob diese Wortevielen eine Last von den Schultern genommen haben). Es ist gut zu bereuen, zu bereinigen und es dann auchzu belassen und als bereinigt anzusehen“.

Auch die folgende Frage war recht interessant: „Woran liegt es, wenn ich Belehrungen nicht verstehe? Soll ich es dann besser bleiben lassen?“
Antwort: „Es liegt an der Vertrautheit, das ist der Hauptgrund des Verstehens. Man sollte studieren!“

Eine Frage zur Meditationspraxis lautete: „Führt die Vipassana-Meditation allein auch zur Erleuchtung oder ist sie gefährlich?“
Antwort: „Es gibt viele Arten der Vipassana-Meditation, auf die konventionelle Realität, aber auch auf die Einsicht in die Selbstlosigkeit der Person und der Phänomene. Allerdings ist die Einsichtsmeditation allein schwierig, da Methode und Weisheit nötig sind.“

Im 8. Kapitel: „Die Schüler sorgfältig vorbereiten“ hat S.H. Dalai Lama verschiedene Stufen auf dem Weg beschrieben. Eine mögliche Abfolge ist: Liebe zu sich selbst entwicklen, Konzentration üben, ein Objekt vergegenwärtigen und so den Geist stabilisieren.
Es gibt ein (geglaubtes) Erkennen, diese erweist sich als falsch, Zweifel entsteht, eine korrekte Vermutung folgt mit tieferer Gewissheit, dann folgt das Einüben und dann das Umwandeln in direkte Erfahrung.

Der zweite Teil (Kapitel 9-16) ist sehr philosophisch. Zum Teil hat S.H. Dalai Lama die Verse ohne Erklärungen nur vorgelesen. Es wird viel von der Verneinung beständiger Dinge gesprochen, der Negation des Selbst, der Zeit, der Relativität von Ansichten u.a. Die Diskussion verschiedener Schulen, die es damals gab, ist sehr vielschichtig. Fazit: „Kein einziges Phänomen ist existent, selbst die Leerheit nicht“.
Teils konnte ich die Darlegung logisch nachvollziehen, teils nicht. Den Inhalt jedoch auch wirklich zu verinnerlichen, das wäre dann noch ein weiterer Schritt. Der Gedanke, dass sich alles verändert ist mir jedenfalls näher gekommen.Aber auch wenn es mir teils schwer gefallen ist dem Inhalt zu folgen, möchte ich die Zeit der Belehrungen in der Anwesenheit und Ausstrahlung von S.H. Dalai Lama nicht missen.

Zufluchtnahme, Bodhisattvagelübde und Segenseinweihung in Buddha Manjushri

Am Freitagmorgen gab es die Möglichkeit an der Segenseinweihung in Buddha Manjushri, dem Buddha der Weisheit, teilzunehmen und das Bodhisattva-Gelübde abzulegen oder zu erneuern. S.H. Dalai Lama betonte, dass wir mit der Annahme der Initiation eine enge Vebindung,eine Lehrer-Schüler-Beziehung mit ihm eingehen können. Es bestand jedoch auch die Möglichkeit, Einweihung und Gelübde nur im Sinne eines Vortrags zu verstehen und somit nicht eine engere Beziehung aufzunehmen. S.H. Dalai Lama erklärte den Ablauf sehr klar und einfach, was für mich die Intensität, die folgte, nicht hatte ahnen lassen: „Heute bist du in die Familie der Buddhas und Bodhisattva´s aufgenommen“.Die Segenseinweihung in Buddha Manjushri gab die Übertragung des Mantras „OM A RA PA TSA NA DHIH“ an uns, das wir täglich einige Male sprechen sollen.

Und plötzlich war es Freitagnachmittag, es wurde allen gedankt, vor allem auch den vielen ehrenamtlichen Helfer/innen, die Finanzen wurden öffentlich dargelegt (alle Kosten sind gedeckt!) und S.H. Dalai Lama sprach noch einmal in Englisch zu uns: Wenn wir Wünsche oder Abneigungen haben, sollen wir nicht nur auf uns selbst schauen sollen, sondern auch auf die anderen und deren Wünsche und Abneigungen.

Ich freue mich schon auf den Besuch S.H. Dalai Lama 2009 in Frankfurt!

Rahmenprogramm

Es war sehr vielseitig und umfaßte verschiedene Ausstellungen, z.B. im Völkerkundemuseum die „Schätze des tibetischen Buddhismus“, eine Fotoausstellungen zum Dalai Lama, Musikveranstaltungen von Rap for Tibet bis John Mc Laughlin, viele interessante Vorträge, vor allem von Nonnen, und eine Diskussion zu Naturwissenschaft und Buddhismus mit Matthieu Ricard und Prof. Metzinger.
Ven. Thubten Chodron aus Seattle vermittelte mit viel Humor und Theatralik das Thema “Die Arbeit mit der Wut“. Unser Ansatz ist oft: „Ich bin nicht wütend, sondern ich habe Recht und der/die andere muss sich ändern!“ Der Satz: „Ich habe die Verantwortung für meine negativen Emotionen, ich mache mich selbst ärgerlich“ klingt nicht sehr einladend, aber wie Thubten Chodron sagte: „Wenn ich die Verantwortung übernehme, kann ich auch etwas daran ändern“. Die lebensnahe Art von Thubten Chodron lässt mich auch im Alltag noch öfter an ihren Vortrag denken und mich immer mal wieder über mich selbst schmunzeln, wenn ich mich in dem Denken erkenne „ich habe aber Recht“ und eigentlich über andere wütend werden könnte.

Ven. Tenzin Palmo, eine erfahrene Nonne im Einzelretreat (12 Jahre in einer Höhle im Himalaya), wirkte durch ihre präsente, direkte und mitfühlende Art. Sie vermittelte in ihrem Vortrag „Leben als Praxis“ in eindringlicher Art, wie wichtig es ist, keine Zeit zu vergeuden und jetzt zu beginnen, denn „Jetzt“ kommt nicht mehr zurück. Man muss Tenzin Palmo einfach selbst erleben.

Es war für mich sehr belebend, motivierend und anregend,so viele lehrende Frauen erleben zu können und hoffe, sie und andere bald wieder zu erleben.

Internationaler traditionsübergreifender Kongress Buddhistischer Nonnen

Universität Hamburg, 18.-20. Juli 2007 mit Abschlusswort S.H. Dalai Lama

Im Vorfeld des Besuches S.H. Dalai Lama in Hamburg fand der erste internationale Kongress zum Thema: „Die Rolle der Frau in der buddhistischen Sangha und Wiedereinführung der Nonnenvollordination“ statt.
Namhafte Referenten wechselten sich in zahlreichen Vorträgen und Diskussionen ab und beleuchteten das Thema aus historischer, philosophischer, sozialer und kultureller Sicht. Dabei wurden zwei grundlegende Aspekte herausgearbeitet:
Die Stellung der Frau in buddhistischen Ordensgemeinschaften einerseits und die Möglichkeit der Wiedereinführung der Vollordination für Nonnen in der tibetischen Tradition und in der Theravada-Tradition andererseits.

Durch den Beitritt vieler westlicher Frauen in die asiatischen Orden, vornehmlich tibetischer Tradition, wird das Ungleichgewicht der Stellung von Mönchen und Nonnen in den Ordensgemeinschaften deutlich. Die soziale Entwicklung im Westen steht der asiatischen Kultur und Struktur gegenüber. Vielfach sind in der asiatischen Gesellschaft Nonnen den Mönchen untergeordnet und meist sind Nonnen mit pflegerischen Aufgaben betreut. Der Weg zu Ausbildung und Lehrtätigkeiten an buddhistischen Instituten und Universitäten ist immer noch begrenzt, z.B. konnte der Geschetitel in Tibet bis vor kurzem nicht von Frauen erworben werden. (Allerdings ist die Situation der Frauen nicht in allen asiatischen Ländern gleich, so findet sich z.B. in Taiwan eine matriarchalische Struktur und die Frau hat hier einen anderen Stellenwert als in Burma oder Thailand. Nonnen sind in der dortigen Gesellschaft hoch angesehen)
Diese unterschiedlichen Hintergründe sind sehr wichtig um zu verstehen, wohin sich einige Diskussionen während des Kongresses entwickelten.

Einige Punkte zum Verständnis der Ordinationsproblematik:
Die Übertragung der Gelübde (Silas) bei der Ordination ist eigentlich traditionsunabhängig, denn zu Zeiten des Buddhas gab es keine unterschiedlichen Traditionslinien. Wichtig für die Übertragung der Gelübde ist ihre Reinhaltung durch eine kontinuierliche Praxis, was nur im Leben in einer Sanghagemeinschaft möglich ist. (Vortrag ven. Thich Quang Ba)
Die Vollordination von Nonnen wird als „duale Ordination“ vollzogen, d.h. die Gelübde (Silas) werden vom einem Nonnenrat/Bikkhunirat übertragen und dann durch einen Mönchsrat/Bikkhurat bestätigt.
Diese Art der Ordination wird in den chinesischen, taiwanesischen, vietnamesischen und koreanischen Mahayanatraditionen vollzogen, da es hier Bikkhunisanghas gibt.
(Mehrere Referenten/innen gingen detailiert auf diese Vorgehensweisen ein)

In einigen Theravada Traditionen und der tibetischen Tradition sind die Übertragungslinien der Nonnenorden jedoch seit Jahrhunderten unterbrochen. In diesen Traditionen können Nonnen heutzutage nur als Novizinnen praktizieren, aber nie den Status der vollordinierten Nonne erreichen. Grundsätzlich müsste also in diesen Ordenslinien eine vollordinierte Nonnengemeinschaft (Bikkhunisangha) gegründet werden, die nach den Vinayaregeln lebt und praktiziert und die Gelübde (Silas) reinhält. Dann könnte die Traditionslinie wieder übertragen werden (ca. nach 10 Jahren).
Aufgrund dieser Problematik haben in der Vergangenheit Nonnen der tibetischen Tradition oder Theravada-Tradition die Möglichkeit ergriffen sich in einer ihnen fremden Tradition vollordinieren lassen. Zum Beispiel sind tibetische Nonnen in Australien oder Taiwan durch dort lebende Mönchs- und Nonnensanghas ordiniert worden. Auch die heutige singalesische Nonnensangha ist vor ca.15 Jahren durch chinesische Nonnen wiedereingeführt worden und praktiziert seitdem in einer funktionierenden Sangha. (Vortrag Bikkhuni Dr Khumasa)

Mit Spannung wurde der Abschlussdialog mit Seiner Heiligkeit am letzten Tag der Konferenz erwartet.
S.H. Dalai Lama bestätigte, dass der Status der Nonnen einer Änderung bzw. Anpassung bedarf.Er erwähnte, dass schon der Buddha uns lehrte, dass eine harmonische Sanghagemeinschaft aus 4 Gruppen bestehen muss – aus Mönchen (Bikkhus), vollordinierten Nonnen (Bikkhunis), männlichen und weiblichen Laienpraktizierenden (Upasikas, Upasakas).
Diese Grundlage der buddhistischen Grundwerte (3 Juwelen) muss in allen Traditionen wieder hergestellt werden.
Er sprach die Anerkennung der Vollordination der tibetischen Nonnen aus, die in einer Fremdtradition vollzogen wurden*.Gleichzeitig forderte er, das nach auf diese Zeremonie die Praxis folgen muss und machte den Vorschlag, dass die auf diese Weise ordinierten Nonnen zukünftig eine praktizierende Bikkhunisangha in Indien gründen, um gemeinsam die Vinaya/Sila zu leben und somit den Grundstein für eine zukünftige „reine“ tibetische Bikkhunisangha legen könnten.

Die „Fremdordination“ tibetscher Nonnen (s.o.) müsste durch einen tibetischen Bikkhurat bestätigt werden.Die Entscheidung darüber und über die Wiedereinführung der „Dualen Ordination“ in Tibet durch tibetische Mönche und einer Bikkhuni Sangha einer anderen Tradition soll auf einer Mönchskonferenz im Dezember 2007 in Dharamsala, Indien getroffen werden.

Die Vertagung der Entscheidung hinterließ im ersten Moment eine spürbare Enttäuschung bei den Beteiligten: Aber in der abschliessenden Diskussion sind sehr viele Samen gesetzt worden, gerade auch durch die Beiträge der Vertreter der eher konservativen Theravada-Orden (u.a. Vorträge Bikkhu Bodhi, Bikkhu Sujato).
Hoffen wir, dass diese Samen bis zum Ende des Jahres aufgehen.Vertrauen und Geduld auf dem Weg zur Befreiung findet hier wieder eine Anwendung!
Dass aber ein Umdenkprozess stattfindet, zeigte sich bei den Belehrungen Seiner Heiligkeit in der Folgewoche in Hamburg, wo erstmalig neben Mönchen auch Nonnen verschiedenster Traditionen gemeinsam vor ihm auf der Bühne Platz nahmen.

* Übertragung der Dharmagupka Gelübde von anderen Mahayanaorden, während die tibetischen Mönche die Mularsavastivada Version verwenden, welche inhaltlich identisch aber formmässig etwas unterschiedlich ist

** Eine tiefere Ausführung der Zusammenhänge über Vinayaregeln und Ordinationsdetails würden hier zu weit führen, können aber unter www.congress-on-buddhist-women.org/ nachgelesen werden

Vesakfest zu Buddhas Geburtstag in Frankfurt am Main

Vesakh Ostpark 2Unter dem Motto „Buddhismus im Alltag“ feierten buddhistische Gruppen unterschiedlicher Traditionen und Kulturen aus Frankfurt und Umgebung zum zweiten Mal ein gemeinsames Vesak Fest im Ostpark. Der Himmel hatte wohl zunächst die Zeremonie der symbolischen Buddhawaschung zu wörtlich genommen und heftige Schauer geschickt, aber nachdem sich dann auch die Sonne blicken ließ, haben ungefähr zweitausend Menschen das vielseitige Programm mit heiteren kulturellen Darbietungen, Zeremonien, Vorträgen und Podiumsgesprächen sowie auch die asiatischen Köstlichkeiten und Erfrischungen genossen.
Abt Thich Thien Son konnte den Besuchern des Vesakh Festes auch die freudige Nachricht übermitteln, dass S.H. derXIV. Dalai Lama 2009 nach Frankfurt kommen wird. Den Abschluss bildete eine beeindruckende Kerzenzeremonie mit Reliquiensegnung. [Homepage zum Vesakfest im Ostpark]

Vesakfest in der Pagode Phat Hue

Vesak 2012Nur der Geburtstagskuchen fehlte auf der Feier der deutsch-vietnamesischen Gemeinde zu Buddhas Geburtstag. Talentierte Tänzerinnen und Tänzer sowie Sängerinnen und Sänger unterhielten die große Menge an Besuchern mit einer bunten Auswahl vietnamesischer Lieder und Tänze. Angefangen von traditionellen Gitarrenklängen bis hin zu Technorhythmen gipfelte der Abend mit dem Auftritt des vietnamesischen Superstars Phi Nhung und einer wunderbaren Show.

Buddhistischer Kulturtag mit Vesakfeier in der Stadt Taucha (Leipzig)

Buddhastatue RavensburgAm Sonntag, den 20. Mai 07, fand in Taucha bei strahlendem Sonnenschein rund um den Schöppenteich erstmalig eine buddhistische Kulturveranstaltung mit Vesakhfeier statt. Der Einladung der ehrwürdigen Nonne Tam Vien, der Vietnamesischen Buddhistischen Gemeinde Berlin waren zahlreiche Gäste gefolgt. Auf der Bühne am Rande des Sees wurden die offiziellen Zeremonien zu Buddhas Geburtstag mit Mönchen und Nonnen unterschiedlicher buddhistischer Traditionen auf deutsch und vietnamesich zelebriert.

Der ehrw. Thay Hanh Tan, Abt der Pagode Vien Giac in Hannover, erinnerte in seinen Grußworten an den Gedanken des Neubeginns bei der symbolischen Buddhawaschung, die von Buddhisten und Nichtbuddhisten durchgeführt werden konnte.

Bürgermeister, Dr Schirmbeck und Prof Dr Mümel, sprachen einige Worte zu der doch schon beträchtlichen buddhistischen Tradition der Stadt Leipzig und bekundeten ihr Wohlwollen an diesem Neubeginn, der aus der großen vietnamesichen Gemeinde heraus erwachsen kann.
Anschließend fand ein buntes Programm mit Gesang, Tanz und sportlichen Darbietungen auf der Bühne statt und auf dem Gelände konnte das Publikum an Pavillons Informationen oder asiatische Spezilitäten erwerben. Für Kinder war in einem kleinen Spielpark für Unterhaltung gesorgt.

Wir hoffen, dass dieser wunderschöne Tag alle bekräftigt hat, das Projekt des Baus einer neuen Pagode in Leipzig an genau diesem Platz zu unterstützen !