Allgemeines
Zenkulturforum – Infotage in Holzminden
Am 18. und 19. Mai fand in Holzminden eine Messe zum Thema ganzheitliches Leben statt, welche von Thich Thien Son, Abt der Pagode Phat Hue und Vorsitzender des Zenkulturforums Weserbergland, initiiert worden war. Bei der Messe waren verschiedene Aussteller mit ihren Produkten zu besserem Wohnen, besserer Ernährung und stressfreierem Leben vertreten. Gleichzeitig informierten Heilpraktiker, Fastenspezialisten, Kineseologen sowie Experten der Entspannung, der Meditation oder des Feng Shui über die Möglichkeiten der Lebensverbesserung.
In der zentralen Diskussionsveranstaltung am Samstag wurde deutlich, dass wir vielleicht unterschiedliche Wege einschlagen, aber es immer darum geht, Gesundheit zu erreichen. Gesundheit bedeutet nicht nur, dass wir schmerzfrei sind, sondern weit darüber hinaus, dass wir unser Potential leben. Wir müssen hierzu lernen, unsere Verantwortung für uns selbst zu übernehmen, dazu gehört auch, dass wir uns Zeit nehmen und ausprobieren, was für uns stimmig ist. Manches werden wir annehmen, anderes sein lassen, es gibt niemals nur eine Lösung für alle.
Der Prozess der Suche schließt auch ein, dass wir Vertrauen entwickeln und unsere Ängste und Blockaden abbauen. Auch hier liegt es letztendlich wieder in unserer Verantwortung, ob wir unsere Muster, die uns krank gemacht haben, weiter beibehalten wollen, oder ob wir bereit sind, sie zu löschen und uns damit die Möglichkeit verschaffen, gelassener und freier zu werden, denn „die Nadeln des Arztes“ – so der Akupunkturmeister Thich Thien Son – „können stimulieren, aber Veränderungen müssen wir letzendlich selbst umsetzen.“ Auf alle Fälle ist es keine Lösung in unbefriedigenden Situationen auszuhalten, bis schweres Leid aufkommt, denn dann ist es manchmal für eine Heilung schon sehr spät. Wir sollten nach innen schauen, aufmerksam erspüren, was wir wollen und nicht nur das zum Ausdruck bringen, was wir nicht wollen.
Im Abschlussvortrag sprach Abt Thich Thien Son über die vier Nahrungen des Lebens aus buddhistischer Sicht. Die vier Grundelemente sind die Lebensmittel für den Körper, die Gefühlsnahrung, Wissen und Spiritualität.
Wie der Mensch sich zur Erhaltung oder Wiederherstellung seiner Gesundheit ernähren soll, wird in der chinesischen Fünf-Elemente – Ernährung aufgezeigt. Nun kann es aber nicht darum gehen, diese in Asien entwickelte Lehre unreflektiert für den Westen zu übernehmen. So hat der Abt beispielsweise festgestellt, dass Asiaten, die in unseren Breitengraden auch im Winter weiterhin vor allem Reis frisches Gemüse und frische Gewürze zu sich nehmen, ein geschwächtes Immunsystem und damit Erkältungskrankheiten oder Heuschnupfen hatten. Dies ist eine Folge der nicht angepassten Ernährung, die zur Unterkühlung des Nierenbereiches führte. Dagegen sind Wurzelgemüse, aber auch Kartoffeln für unsere Klimazone wertvolle Nahrungsstoffe, obwohl die traditionelle Fünf-Elemente-Ernährung eher davon abrät. Diese Lebensmittel haben Langzeitenergien gespeichert, deren Aufnahme bei langen kalten Jahreszeiten wichtig ist.
Eine angenehme stimmige Umgebung nach den Vorstellungen des Feng Shui fördert positive Gefühle, diese ist damit ein wesentlicher Aspekt der Gefühlsnahrung. Hier gilt aber das gleiche wie bei der Fünf-Elemente – Ernährung, eine Übernahme der dort entwickelten Prinzipien ohne Kenntnis der klimatisch-geografischen Verhältnisse Asiens ist nicht möglich. So sind beispielsweise Aussagen, wonach nicht die Eingangstür nach Norden und die Hintertür nach Süden führen sollten, für den Norden Chinas mit starken Windkanälen sinnvoll, nicht aber für andere klimatische Zonen.
Die positive Gefühlslage wird des Weiteren durch bestimmte familiäre Konstellationen gefördert oder verhindert, wie ja auch die Methode des Familienaufstellens deutlich macht. So können einzelne Rollen Sicherheit und Ruhe schaffen, andere dagegen führen bei uns zu innerer Unruhe, die wir oft nicht einmal recht erfassen können.
Gefühle, die wir anderen entgegenbringen, sind ebenfalls Aspekte unserer Gefühlsnahrung. Beispielsweise führen Neid, Missgunst oder Hass unseren Nächsten gegenüber zur eigenen Vergiftung. Das heißt in der Folge, dass wir lernen sollten, solche Gefühle anderen Menschen gegenüber loszulassen, so wie wir auch bei der Familienaufstellung lernen sollten, unheilsame Rollen aufzugeben, um frei zu werden.
Was das Wissen als Nahrung des Lebens anbelangt, so ist es gut, wenn wir nur Informationen aufnehmen, die Klarheit schaffen, solche aber, die zu Angst und Depression führen, meiden. In Deutschland kann man im Vergleich zu anderen Ländern auf Grund der herrschenden Bedingungen sicher leben. Dennoch entsteht in uns oft Angst als Täuschung oder falsche Wahrnehmung. Nicht selten werden solche Ängst auch noch von außen geschürt, wie z. B. von Unternehmen, die gerade durch solche Gefühle Produkte vertreiben können. Um angstfreier und ungezwungener zu leben, sollten wir uns auf alle Fälle jeden Tag ein Zeitfenster von 15-20 Minuten ermöglichen, um zu unserer Mitte zurückzufinden und zur Ruhe kommen zu können. Dass Meditation bei der Ruhefindung sehr hilfreich sein kann, erläuterte der Zenmeister Thich Thien Son Interessierten ebenfalls im Rahmen der Messe in einem „Schnupperkurs“.
Am Ende der Veranstaltung ermunterte der Initiator alle Anwesenden das an den zwei Tagen erworbene Wissen zu erproben und dankte für die eingegangenen Spenden, denn die vom Zen-Kulturforum organisierte Messe zum Thema ganzheitliches Leben diente nicht allein der Verbreitung von Informationen, sondern hatte als Benefizveranstaltung auch den Zweck, Gelder für ein Waisenhaus in Vietnam zu sammeln. Für das kommende Jahr ist erneut an die Organisation einer ähnlichen Veranstaltung gedacht.
Besuch aus Plum Village
In der Buddhahalle war große Stille, die Anwesenden lauschten gebannt den Worten des Dharmaredners. Mehrere Mönche von Plum Village haben am Wochenende vom 13.-15. April die Pagode Phat Hue in Frankfurt besucht und Achtsamkeit so gelehrt, wie Meister Thich Nhat Hanh dies in Südfrankreich tut.
Wir stellen im folgenden einen Auszug aus der Dharmarede vom Sonntag vormittag vor:
Ärger und Konflikte führen zu innerem Widerstand und schmälern unsere Energie. Aber eigentlich wollen wir weder ärgerlich sein, noch Kämpfe ausführen müssen, folglich müssen wir wissen, wie wir mit einer unliebsamen Situation umgehen sollen, um Frieden, Gelassenheit und Freude wieder herzustellen.
Wenn wir aufgewühlt sind, haben wir zuviel Energie im Kopf oder im Herzen. In der Sitzmeditation bringen wir diese Energie in den Bauch hinein und leiten sie somit ab. In der Gehmeditation können wir diese Energie bis in unsere Zehen bringen und somit ebenfalls herauslassen. Wenn wir uns gestresst fühlen, können wir entweder über den Gang auf den Atem oder über den Atem auf den Gang einwirken. Wir atmen langsam, das Gehen verlangsamt sich ebenfalls, mehr Ruhe stellt sich ein. Oder wir gehen langsam, wodurch der Atem sich gleichfalls verlangsamt, was ebenfalls ein Zeichen eintretender Ruhe ist.
Wichtig ist, dass wir im Alltag sehr achtsam sind, dann können wir Situationen erkennen, die uns schaden könnten. Wir sind nicht gezwungen immer alle Gefühle wie Wut oder Ärger aufzunehmen. Negative Gefühle sind wie der Samen einer Pflanze. Gießen wir den Samen, geht er auf; wenden wir uns den Gefühlen zu und nehmen wir sie an, werden sie erst recht bedeutend. Wenn sich aber solch negative Gefühle bei uns nun doch einstellen, dann sollten wir sie freundlich anlächeln, denn wir wissen ja: Gefühle kommen und gehen. Akzeptieren wir unsere Gefühle, können sie schnell vorbeiziehen, bringen wir Widerstand entgegen, werden sie sich um so länger einnisten.
Unsere Praxis sollte regelmäßig sein, eine übermäßige Ausführung sollte dagegen vermieden werden, denn das führt oft nur dazu, dass wir in anderen Phasen sehr wenig oder gar nichts machen. Damit würden wir uns wie jemand verhalten, der Reis kochen will, aber ständig den Herd an und aus macht. Wie soll denn der Reis da gar werden?
Wichtig ist auch, dass wir unsere Praxis mit Gleichmut ausführen, wir haben Probleme, wir praktizieren, wir haben keine Probleme, wir praktizieren ebenfalls. Wir sollten eine gewisse leichte, fast spielerische Haltung entwickeln.
In unserem Handeln sollten wir uns auf eine Sache konzentrieren. Wenn wir essen, dann essen wir, wenn wir gehen, dann gehen wir. Wenn wir so handeln, können wir Freude empfinden. Zwischen unseren Tätigkeiten im Alltag wie Essen, Trinken, Gehen und unserer Praxis wie Rezitation und Meditation sollte keine strikte Trennung bestehen. Wenn wir unser Glas aufmerksam halten, wenn wir mit Achtsamkeit trinken, so ist auch dies Teil unserer Praxis, die uns zu Freiheit, Freude und Frieden führt.
Samadhi Meditation
Wörtlich übersetzt aus dem Pali: „Fest-zusammen-gefügtsein“ (sam + a + dha). Samadhi, “Sammlung, Konzentration“, ist das Gerichtetsein des Geistes auf ein einziges Objekt: „Die Einspitzigkeit des Geistes“, die durch mehrstündige Sitzeinheiten trainiert und geschult wird. Die diesjährige freie Zeit über Ostern, vom 5. bis 9. April 2007, haben wir – eine Gruppe von über 50 Personen, Ordinierte und Laien, in unserer Pagode Phat Hue in Frankfurt, in Schweigen und stiller Meditation verbracht.
Die angewandte Methode basiert auf der direkten Lehre des Buddha, wie sie im Nikaya niedergeschrieben und nachlesbar ist. Schritt für Schritt wird versucht, alles, was das Bewusstsein verzerrt, ruhig zu stellen.
Durch die volle Aufmerksamkeit auf den Atem – Anapanasati – haben wir 4 Tage lang von morgens bis abends versucht, unseren Geist zu beruhigen, um die innere Sammlung und einsgerichtete Konzentration zu erlangen.
Die erste Sitzeinheit wurde um 5.30 Uhr mit einem meditativen Morgengedicht gesanglich eingeleitet und dauerte meist eine Stunde. Daran anschließend konnte man sich für langsame Geh-Meditation oder schnelles „Chi-Laufen“ entscheiden, um auch die physische Seite des Körpers in Schwung zu bringen.
Der weitere Tagesablauf beinhaltete neben der morgendlichen „Arbeits-Meditation“ 6 weitere Sitzeinheiten von 55 bis 120 min., Geh-Meditationen sowie Dharma-Belehrungen und Zeit für Fragen und Antworten bezüglich der Meditationspraxis.
Spezielle Tee-Mischungen und extra leichte, aber dennoch nährstoffreiche Kost machten es möglich, sich nicht nur auf geistiger, sondern auch auf körperlicher Ebene zu reinigen.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten, wie diversen schmerzenden Körperteilen, die es nicht gewohnt waren, solange in Meditationshaltung zu verharren, wandernden Gedanken, die sich überlegten, was man noch schönes bei diesem österlichen Frühlingswetter hätte machen können und Ungeduld mit sich und der Frage, ob man wohl einen Fortschritt macht, haben wir den Kurs am Montag abend „erfolgreich“ zusammen abgeschlossen. Glücklich, es durchgehalten und uns auf diese Art und Weise wieder ein Stück näher kennengelernt zu haben, sind wir mit den Worten „Jetzt könnten wir noch ein paar Tage weiter sitzen“ auseinander gegangen.
Eine Teilnehmerin berichtet von Ihren persönliche Erlebnissen.
SAMADHI-KURS IN FRANKFURT
Ein Erlebnisbericht
Dies ist der Versuch, einen Eindruck des viertägigen Samadhi-Kurses zu vermitteln, der zu Ostern in der Pagode statt fand, mit dem Wunsch, dass viele davon angeregt werden, sich für diese Praxis zu öffnen und sie kennen zu lernen.
Für den Samadhikurs, ist unsere Ausrüstung unser Sitzkissen und unser Schweigen.
Für alles andere ist gesorgt. Ein direkter Kontakt und Austausch zu anderen wird vermieden, jeder sorgt für sich selbst, zieht sich zurück. Keine Gespräche, weitgehend kein Blickkontakt, ruhige Bewegungen. Wir versuchen Stille herzustellen und zu erfahren.
DIE PRAXIS:
Wir sitzen so gut wir können, die Hände ruhen in unserem Schoß, die Daumen berühren sich leicht, der Rücken ist aufrecht, ohne steif zu sein, das Kinn etwas eingezogen.
Wir beruhigen den Geist, in dem wir die Konzentration auf den Atem lenken und den formlosen Luftstrom fühlen, der an der Nasenspitze kommt und geht und lassen Gedanken und Geräusche einfach vorbeiziehen, ohne an ihnen zu haften oder sich an sie zu hängen.
Wir versuchen still zu sitzen und uns nicht zu bewegen. Die gerade Haltung ist unsere Disziplin. Auch wenn Schmerzen im Körper auftauchen, Druckstellen an den Beinen, die Arme schwer werden, versuchen wir die Konzentration auf dem Atem zu halten und den Schmerzen nicht nachzugeben. Erst wenn die Glocke das Ende der Meditationssitzung ankündigt, lockern wir den Körper, strecken und dehnen uns.
Eine Sitzung dauert zwischen 1,25 – 1,5 Stunden.
Es gibt ungefähr sechs Sitzungen am Tag, wir meditieren also täglich rund acht Stunden.
ES IST WIE EINE REISE
ALLEIN, ZU FUSS, DURCH UNWEGSAMES GERÖLL
Der erste Tag war für mich der Kampf mit meiner Faulheit und Störrigkeit. Warum mache ich das überhaupt? In meinem Geist tobt die Ungeduld, die Meditationseinheiten dauern so lange und meine Gedanken sind immer schon Stunden voraus – beim Mittagessen oder schon beim Schlafsack, wo ich mich jetzt gern einkuscheln würde oder sie sind Tage zurück, bei der Arbeit, bei Kolleginnen, meiner Steuererklärung, die noch erledigt werden muss, ich ärgere mich über meine Nachbarin die unter mir wohnt und den ganzen Tag schreit, denke an meine Familie, an die Sommerferien, ans Verreisen. Mein Körper schmerzt, ich bewege mich viel, schaffe es kaum 15 Minuten ruhig zu sitzen. Strecke die Beine aus, schalte ab, oft aus Trotz: ich habe keine Lust den Schmerz auszuhalten und mich nicht zu bewegen. Ich habe auch keine Lust auf die kommenden drei Tage und frage mich, warum ich meine wenigen freien Ostertage jetzt hier verbringe.
Abends nach der Sitzung wird es jedoch richtig interessant: ich teile das Zimmer mit einer Frau, die ich nicht kenne. Weil wir schweigen, stellen wir uns nicht mit unserem Namen vor. Ich weiß nichts von ihrer Herkunft, jedenfalls glaube ich, ist sie nicht in Deutschland geboren. Ich weiß nicht, wo sie lebt und von was. Ich kenne nicht den Klang ihrer Stimme. Ich kann mir vollkommen ein eigenes Bild von ihr machen, dieses Bild speist sich allein aus meiner Wahrnehmung. Es findet kein Gespräch statt, kein Austausch, so kann ich meine Wahrnehmung nicht abgleichen, mit der Wirklichkeit. Was also ist wirklich?
In den folgenden Tagen werde ich die Frau erleben: wie sie sich bewegt, wie wir uns in unserem Zimmer verständigen, ohne Sprache. Ich nehme sie wahr, wie sie beim Meditieren schräg vor mir sitzt, ihr gerader Rücken. Einmal geht eine Sitzung 2 Stunden lang. Ich halte es nicht durch zwei Stunden ruhig zu sitzen. Doch sie bewegt sich nicht. Die ganzen zwei Stunden sitzt sie regungslos und ihr laufen Tränen übers Gesicht, vor Schmerzen. Am Abend kurz vorm Schlafen gehen, darf ich ihren Körper abklopfen, sie ist ganz aufgedreht. Wir schlagen mit der Rute auf uns ein, um die Spannungen im Köper zu lösen und die Spannung im Geist löst sich auch, wir lachen viel, ohne je miteinander gesprochen zu haben!
Diese Erfahrung motiviert mich am meisten, am nächsten Tag weiterzumachen (statt abzureisen).
Wie sehr das Schweigen ein Schutz ist, heilsam wirkt wie Medizin! Wie verbindend es ist, mehr als Sprache. Das Sprechen öffnet so oft Schubladen von Vorurteilen und ist oft ein Hindernis, denn dadurch ist man abgelenkt. Das Schweigen kann Liebe oder Offenheit fördern, ich hatte das Gefühl, mein Blick wird im Schweigen weiter.
War der erste Tag bestimmt von meinem Unwillen und Unruhe, so war der zweite Tag dominiert von meinen „Mitreisenden“ – den anderen Kursteilnehmer/innen. Mir gingen einige auf die Nerven und andere beneidete ich. Die einen waren so ausdauernd, man sah ihnen ihre Schmerzen oder ihre Unruhe nicht an und die anderen waren so frei: standen einfach auf, spazierten raus, kamen dann irgendwann zurück mit Tee, und gingen gemütlich die Sache von Neuem an. Ich wollte abwechselnd wie die einen und wie die anderen sein und hatte selbst das Gefühl alles falsch zu machen und jedenfalls keine Mediationserfahrung zu haben und je mehr ich mich von meiner Umgebung und dem Verhalten „der Anderen“ ablenken ließ, desto mehr begannen sie mich zu stören! Es war sehr schwer dagegen anzugehen. Es war eine Übung die anderen so zu akzeptieren wie sie sind und auch mich so zu akzeptieren wie ich bin. An diesem Tag bekam ich ein Gefühl dafür, dass durch die regelmässige Praxis irgendwann das Vergleichen abnimmt und das Ankämpfen gegen äußere Bedingungen und sich selbst. Vielleicht stellt sich irgendwann so etwas wie Gleichmut ein: die Gewissheit, dass die unangenehmen Dinge genauso unbeständig sind wie die angenehmen Dinge. Sie kommen und gehen.
Am 3. und am 4. Tag, hatte ich das Gefühl einigermaßen gerüstet zu sein. Ich hatte eine Ahnung was mich erwartete und die „acht Stunden Sitzen“ lagen nicht mehr wie ein Horror vor mir. Vielleicht ist das ein wenig so, wie wenn man im Himalaja ankommt und ein paar Tage braucht, um mit den Bedingungen dort und der dünnen Luft klarzukommen: nach ein paar Tagen fühlt man sich kräftiger und stabiler, der Atem ist ruhiger, man ist etwas entspannter. Aber jetzt wird einem allmählich der Weg klar, der vor einem liegt und dass man ganz am Anfang des Weges steht. Und es wird einem bewusst, welche Ausdauer man braucht, um auch unerwartete Hindernisse bewältigen zu können.
„DIE VIER TAGE SIND UNSER LEBEN“ sagte Thay immer wieder während des Kurses. Was wir in den vier Tagen erfahren, erfahren wir jeden Tag. Bloss haben wir im Alltag nicht den Raum, uns genau anzusehen. Die Samadhipraxis bietet die Möglichkeit, den Geist an sich zu erfahren, beobachten zu können, wie er funktioniert. Wenn er in Ruhe gebracht wird, fährt er eine Palette von „Tänzen“ auf, er reagiert mit Panik, mit Unruhe, Misstrauen, Zweifeln und Ängsten, mit Sabotageakten und Müdigkeit.
Ich habe in diesen vier Tagen so viel von mir selbst ansehen müssen: wie oft Unwille, Abneigung, Wut auf Kleinigkeiten in mir hoch kochten und das in einer Umgebung, die völlig reduziert war von Einflüssen: man sitzt ja nur auf dem Sitzkissen atmet und schweigt!
Im Alltag sind wir ja viel mehr Einflüssen ausgesetzt und die Reaktionen gehen viel schneller und unbewusster ab. Man ist von tausenderlei Dingen und Emotionen beeinflusst, die einen „davontragen“ und Gefühle, Reaktionen und Bewertungen hervorrufen. Im Alltag kann schon eine kleine Erkältung, der verpasste Bus, die Stimmung oder den Verlauf eines ganzen Tages beeinflussen! Genauso wie starke Gefühle, Stress, Ungeduld, Widerwillen, Genervtsein, Überforderung im Beruf, zwischenmenschliche Schwierigkeiten. Dazu kommen Lebenskrisen, wie Krankheit, Ängste, der Tod von nahen Angehörigen, Arbeitslosigkeit, Streit, sowie Verluste von Freunden und Beziehungsbüche….
Mit der Samadhipraxis können wir üben, uns nicht auf all diese Hindernisse zu konzentrieren, sich nicht mit ihnen zu verhaken und von ihnen mitgerissen zu werden. Wir können lernen, die Zügel unseres Lebens in der Hand zu halten: Dass uns nicht die Emotionen reiten und wir jeder Situation hilflos ausgeliefert sind, sondern wir lernen, unsere Gedanken und Gefühle so zu zügeln, daß wir die Richtung bestimmen, wohin wir gehen.
In diesen Tagen nach dem Sahamdikurs habe ich einen alten Mann getroffen, der vier Jahre im schlimmsten KGB-Gefängnis der Sowjetunion war (ursprüngich war er zu 25 Jahren Gulag verurteilt gewesen. Nur durch Stalins Tod wurde er vorzeitig entlassen). Er sagte: „Man muss die Situation und alles was in unmittelbarer Nähe ist ausschalten und komplett ignorieren, obwohl man mittendrin ist. Man muss die Augen schliessen (selbst wenn sie offen sind) und sich auf einen kleinen Punkt im Inneren konzentrieren. Und diesen Punkt darf man niemals verlassen, er ist der Bezugspunkt. Nur so ist es möglich zu überleben, sonst wird man wahnsinnig. Nur so ist Freiheit möglich.“
Ich glaube, ohne den Samadhikurs, hätte ich nicht verstanden, was er damit meint. Was er erlebt hat, ist eine Extremsituation, doch auch wir sind im Alltag ständig Ablenkungen wie Schmerzen, Verletzungen und starken Gefühlen ausgesetzt, die einen sehr stark behindern und sogar lahm legen können.
Ich muss an eine Szene denken aus dem Film Kundun, über das Leben seiner Heiligkeit dem 14. Dalai Lama, der eine Ausstrahlung des Buddhas für Liebe und Mitgefühl ist:
Man sieht den ungefähr 14 jährigen Dalai Lama am Totenbett seines Vaters. Und man hört eine Stimme die zu ihm spricht: „Lasst Euch nicht ablenken, von dem Weg zur nächsten Stufe der Erkenntnis, lasst Euch nicht ablenken! Geht zu Eurem Vater, er ist tot. Eure Mutter möchte, dass Ihr Abschied nehmt, Heiligkeit. Doch lasst Euch nicht ablenken.“
WUNSCH:
Mögen wir die Ausdauer und die Kraft, die Geduld und das Vertrauen haben, den Weg der Erkenntnis zu gehen.
Mögen wir unsere Grenzen erfahren, und diese Grenzen durchbrechen.
Mögen wir Erfahrungen üben, die uns zeigen, wie unser Geist funktioniert und danach Möglichkeiten erlernen, um mit diesem Geist zu arbeiten.
Mögen wir alle Mühen auf uns nehmen, um mit diesem Geist zu arbeiten, zum Wohle aller fühlenden Wesen.
Antonia Keinz
Vortrag im Museum der Weltkulturen
Im Rahmen der Ausstellung “Buddhismus entdecken – Der Schatz der drei Juwelen”, hielt Zen-Meister Thich Thien Son am 21.02.07 einen Vortrag im Museum der Weltkulturen zum Thema „Achtsamkeit in der Zen-Tradition“. Hier kurze einige Aspekten der Rede…
Wir glauben vielfach, dass das, was wir durch unsere Sinne wahrnehmen, die Widerspiegelung der Wirklichkeit sei und handeln dann auf der Grundlage dieser vermeintlichen Wahrheit. Wir glauben zu wissen, was ein Mensch denkt und fühlt, aber wir nehmen nicht wahr, dass dies nur die Projektion unser eigenen Vorstellung ist. In der Tradition des Zen-Buddhismus geht es darum, die Sinne so zu trainieren, dass wir nur noch das aufnehmen, was ist. Dazu gehört als erster wesentlicher Schritt das Trainieren der Achtsamkeit.
Im Alltag bedeutet dies zum Beispiel die Achtsamkeit auf den eigenen Körper zu üben, der Körper lügt nicht, er teilt uns mit, welche Probleme wir haben und woran wir arbeiten müssen, um uns zu verändern. Wenn wir auf die Reaktionen des Körpers achten, können wir auch unsere Gefühle wahrnehmen, so staut sich beispielsweise Wut in der Leber, Leberprobleme können uns also wertvolle Hinweise über unverarbeitete Emotionen geben, welche uns auch daran hindern, Wirklichkeit unvoreingenommen aufzunehmen.
Das Üben der Achtsamkeit bedeutet auch, sich zunächst einmal so anzunehmen wie man ist, also sich selbst in seiner Unvollkommenheit wahrzunehmen und zu akzeptieren. Nur wenn man zu sich selber ehrlich ist, kann man seine Gewohnheitsstruktur wirklich erkennen.
Eine andere Methode des Übens von Achtsamkeit ist der „Cut“. Man unterbricht seine Tätigkeit, man hält einfach kurz inne und atmet bewusst ein und aus. Man verschafft sich also eine Möglichkeit, sich seiner selbst bewusst zu werden und zumindest kurzfristig das ewige Getriebensein im Alltag anzuhalten. Mönche und Nonnen führen oft lange „Retreats“durch, um zu einer vertiefenden Wahrnehmung zu gelangen; eine einfache Variante für den Alltag ist das „Drei-Tage-Retreat“. Man enthält sich jeder Aktivität, bleibt drei Tage strikt im Bett liegen und beobachtet aufmerksam, welche Emotionen in einem selbst aufsteigen, um zu ergründen, wer man wirklich ist.
Meister Thich Thien Son hebt deutlich hervor, dass das Üben der Achtsamkeit nur der erste Schritt hin zur spirituellen Entwicklung ist, ein ernsthaft an Veränderung und Entwicklung interessierter Mensch wird weitere Methoden anwenden, so zum Beispiel die Übung des „Sich-Versenkens“ (Meditation).
Vietnamesisches Neujahrsfest
Vom 17. zum 18. Februar wurde in der Pagode das Vietnamesische Neujahrsfest gefeiert, welches nach der asiatischen Astrologie dem Tierkreiszeichen des Schweines zugeordnet ist. Viele Menschen kamen um das Ende des alten Jahres und den Beginn des neuen Jahres mit religiösen Zeremonien wie den Reinigungsritualen, der Mitternachtsmesse und den persönlichen Fürbitten zu begehen.
In diesem religiösen Programm war auch ein Kulturprogramm eingebettet, zu welchem Punkte gehörten wie Begrüßung der Ahnen, Theateraufführungen, Tänze und Kampfsportvorführungen oder der Löwentanz, der sich ständiger Beliebtheit erfreut. Die Anwesenheit dieser Löwen verspricht Frieden, ihre Abwesenheit dagegen würde Krieg verheißen. Sie dürfen folglich bei einem solchen Fest nicht fehlen.
Am Sonntag konnten die Menschen dann auch durch eine Reliquienzeremonie, d.h. die Vergabe einer Segnung in einer besonderen Weise den Neujahrestag beginnen.
Streuen eines Medizinbuddha Sandmandala
Wir haben mit Gendün Rinchen aus dem Senchen Monastery in Kathmandu, der augenblicklich das Sandmandala in unserer Pagode erstellt, ein Interview geführt. Fragen wie “Was ist ein Mandala” und wozu diese Praxis dient werden beantwortet.
Was ist ein Mandala?
Ein Mandala stellt eigentlich den himmlischen Palast einer Gottheit dar. Da wir mit unseren blossen Augen nicht in der Lage sind, jene Bereiche wirklich Wahrzunehmen, in denen die Gottheiten verweilen, sind Mandalas sozusagen eine Fotoabbildung. Diese Abbildung veranschaulicht uns das zunächst Unvorstellbare, damit wir darüber meditieren können. Es ist ein einfaches Mittel, das wir nutzen können, um in die Himmelsebenen zu gelangen. Weil es viele verschiedene Gottheiten gibt, gibt es so viele verschiedene Mandalas. Und das Mandala, das jetzt gestreut wird, ist das Mandala des Medizinbuddhas.
Sie sagen, das Mandal ist das Haus einer Gottheit, was aber ist eine Gottheit?
Wenn wir das Wort Gottheit benutzen, dann verstehen wir darunter erleuchtete Wesen, also Buddhas. Sie können sich in verschiedenen Formen zeigen, in der Form verschiedenster Lebewesen, aber auch in abstrakten Formen. Mandalas sind einer jener Bereiche, in denen sich diese Gottheiten aufhalten.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Göttern und Gottheiten?
Der Unterschied ist, dass Götter immer noch in Samsara gefangen sind. In Samsara gefangen bedeutet, dass sich die Götter noch immer in den drei Daseinsbereichen befinden (dem Bereich der Begierde, dem Bereich des Formhaften und dem Bereich des Formlosen) und deswegen sterben und wiedergeboren werden. Gottheiten dagegen sind erleuchtet und dem Kreislauf von Tod und Wiedergeburt nicht unterworfen.
Woher stammt die Grundlage für die Erstellung des Medizinbuddha-Mandalas?
Also, wir orientieren uns an einem Text, der das Medizinbuddha-Mandala beschreibt. Dieser Text wiederum geht auf den Medizinbuddha selbst zurück, der ihn weitergegeben hat. Im Weiteren wurde der Text dann immer vom Lehrer an den Schüler übertragen, so dass der Text bis zum heutigen Tag erhalten werden konnte.
Welche Bedeutung kann das Medizinbuddha-Mantra für den Betrachter haben ?
Über das Mandala kann man meditieren. Wenn wir nun über das Mandala meditieren und gleichzeitig die uns verordnete Medizin einnehmen, können wir den Heilungsprozesses beschleunigen. Die Erklärung dazu ist folgende:
Auslöser von Krankheiten sind oft negative Emotionen. Meditation hilft, dass die negativen Emotionen uns nicht mehr so stark beeinflussen, so können wir dann eher auf geistiger und körperlicher Ebene heil werden. Wenn wir nun wiederum gesund sind und gesund bleiben, können wir länger und besser meditieren und uns somit auch besser und schneller zur Erleuchtung hin entwickeln. Meditation ist wirklich ein gutes Hilfsmittel, das Probleme bei der Wurzel packt.
Wie kann man das Medizinbuddha–Mandala in seiner Praxis visualisieren um den Segen zu erhalten?
Die Visualisierungstechnik ist sehr kompliziert und würde wahrscheinlich uns normale Praktizierende überfordern. Deshalb rate ich einfach dazu, sich den Medizinbuddha in seiner himmlischen Umgebung vorzustellen und dazu alle Menschen um uns herum als dort lebende erleuchtete Wesen. Und dabei sollte man dann das Medizinbuddha-Mantra rezitieren. Wichtig ist, dass man diese Vorstellung mit Hingabe vornimmt.
Wie lange haben Sie geübt, um Mandalas herzustellen?
Mit 15 war ich bereits in der Maltechnik unterwiesen worden. Dann hatte ich viele Aufträge von Klöstern erhalten und nicht nur Mandalas, sondern auch Thangkas angefertigt.
Ich habe mich darüber hinaus auch viele Jahre in buddhistischer Philosophie weitegebildet und an einer buddhistischen Schule gelehrt. In Namobuddha bin ich für 3 Jahre in ein Retreat gegangen.
Anmerkung des Verfassers zu den Aussagen über die Ausbildungspraxis:
Das Malen von Mandalas setzt nicht nur die Kenntnis der Maltechnik voraus, sondern es bedarf auch einer hohen spirituellen Entwicklung. Nur dann kann der Maler das von ihm zu legende Sandmandala hinreichend visualisieren und die entsprechende Energie auf das zu fertigende Sandmandal übertragen.
Audienz bei Seiner Heiligkeit, dem XIV. Dalai Lama
Am 7. 12. ist Meister Thich Thien Son mit seinen Zenschülern in Dharamsala (Nordindien) eingetroffen, wo sie nachmittags gegen 14 Uhr eine Audienz bei Seiner Heiligkeit dem 14. Dalai Lama gehabt haben. Hierzu der folgende Bericht…
Man kann von jeder Person die Aufregung spüren, als wir durch den Security Check gehen. Wir müssen alle persönlichen Sachen ablegen, nur Meister Thich Thien Son darf einen Fotoapparat und eine Videokamera mit hineinnehmen.
Im Audienzraum Seiner Heiligkeit haben wir zunächst eine halbe Stunde auf ihn gewartet.
Während dieser Zeit können wir Seine Stimme von nebenan immer hören und die Aufregung steigt und steigt, bis Seine Heiligkeit in den Raum kommt. Wir fühlen eine solch gewaltige Energie, dass alle in Tränen ausbrechen, allein weil wir ihn sehen.
Wir dürfen sitzen bleiben und sollen uns noch nicht einmal vor Seiner Heiligkeit verbeugen. Das Gefühl von Vertrauen und von Nähe ist sofort da, Seine Heiligkeit ist für uns so nahe, dass er wie ein gutmütiger Opa wirkt, der seine Enkelkinder wiedersieht.
Wir dürfen dann die erste Frage stellen:
„Wie sollen wir mit unserer Arroganz und mit unserem Stolz umgehen?“
Antwort Seiner Heiligkeit:
„Arroganz und Stolz sind zweierlei Sachen, das muss man auseinander halten. Arroganz führt zu Verblendung. Stolz kann zu heilsamen Taten motivieren, denn Stolz bedeutet auch, dass man seine positiven Möglichkeiten und Fähigkeiten zulässt und sich erlaubt, diese weiter zu kultivieren.“
Zweite Frage:
„Wie lassen sich Spiritualität und Wissenschaft miteinander vereinbaren?“
Antwort Seiner Heiligkeit:
Wissenschaft ist eine Möglichkeit um den Menschen Dharma näher zu bringen und verständlich zu machen, aber, wenn die Wissenschaft Phänomene nicht beweisen kann, heißt das noch lange nicht, dass diese nicht existieren. Relativität existierte bereits, bevor Einstein seine Relativitätstheorie formulierte. Und für Buddhisten kommt es darauf an, wie wir Wissenschaft benutzen um Dharma zu verstehen. Wissenschaft selbst können wir nicht als absolut ansehen.“
Dritte Frage:
„Ist es möglich, dass jeder Buddhas Ebene erreichen kann?“
Antwort Seiner Heiligkeit:
Nach der Zeitberechnung – und diese Zeitberechnung bezieht sich auf die stoffliche Ebene, also die Ebene der Materie – dauert es Äonen von Jahren, bis man sein Karma soweit transformieren kann, dass man die Befreiung erlangt. Aber wenn wir nur von der reinen Bewusstseinsebene sprechen, dann gibt es kein Zeitlimit. Es kommt auf unsere Bemühungen an, es kommt darauf an, wie stetig wir uns unsere Buddha-Natur vergegenwärtigen. Wir sollen stolz darauf sein Buddhas Schüler zu sein, denn seine Lehre gibt die Wege zur Erleuchtung an.“
Medizin-Buddha-Fest
Mönche, Nonnen und Laien-Praktizierende kamen am Samstag, den 25.11.06 in der
Pagode zusammen, um das Medizinbuddha-Fest zu feiern. Tayatha Om Bekanze Bekanze Maha Bekanze Bekanze Radza Samugate Soha
Mit diesem Mantra bitten wir um die Heilung von Krankheit und um die Auflösung
von Ilusionen. Wir wenden uns an den Medizinbuddha, denn er gilt als Symbol der
Überwindung von physischen Leiden wie auch geistigen Blockaden, welche durch
Haß, übermäßigem Verlangen oder Verblendung erzeugt worden sind.
Zum Abschluss des Tages wurde eine Kerzenzeremenie durchgeführt, während
dieser Zeremonie konnten die Anwesenden auch für ihre Angehörigen bitten und
heilende Energie aussenden.
Perspectiva Kongress (Schweiz)
Vortrag von Zen-Meister Thich Thien Son Im Rahmen des Kongresses Noch mal leben…. Sterben, Trauer, Tod hielt Abt Thich Thien Son am 26.11.06 einen Vortrag in Basel. Zunächst sprach er von seinen Erfahrungen als Kind während des Vietnamkkrieges, den schon alltäglichen Kontakt mit Leichen, die fast unerträgliche Wahrnehmung des Schmerzes der Hinterbliebenen und seine ständige Frage nach der Ursache all des erlebten Leids. Dann ließ er die Zuhörer an seiner Suche als Kind teilnehmen.
Wie er versuchte, mit Hilfe der Erklärung buddhistischer Mönche zu verstehen, was Leben, Leid und Tod eigentlich sind und wie er allmählich, insbesondere durch geschickte Lehren seinen Meisters, verstehen konnte, dass Leben einem Schauspiel gleicht.
Ein zentraler Gedanke des Vortrages zeigte sich in der Aussage: Wie man lebt, so stirbt man.
Aus buddhistischer Sicht nimmt der Mensch seine Gefühle mit in den Sterbeprozess und dann in die Zwischenebene nach seinem Tod. Schließlich – bei der Wiedergeburt – werden diese Gefühle in das nächste Leben mit hineingenommen. Ein immer mit negativen Emotionen geladener Mensch wird in eine Ebene kommen, in der er diese Gefühle “entladen” kann, also eine Ebene mit Krieg und hohen Gewaltanteilen; ein Mensch, der vorwiegend positive Gefühle hat, wird sich eher in der Götterebene wiederfinden und jener, der schon zu Lebzeiten von Gier und Verlangen “zerfressen” ist, wird sich auf der Ebene der Hungergeister wiederfinden.
Für Buddhisten hat die Sterbebegleitung durch Angehörige eine wichtige Funktion, wobei Sterbebegleitung sich nicht allein auf die Zeit des Absterbens des Körpers bezieht, denn – so Abt Thich Thien Son – “wenn man tot ist, ist man nicht sofort tot”. Dies meint, man kann den Verstorbenen in einer gewissen Zeitspanne noch Belehrungen mitgeben, damit die Toten lernen von ihrer bisherigen Gewohnheitsstruktur, ihrem typischen Handeln, Denken und Fühlen loszulassen, um somit bessere Voraussetzungen für das nächste Leben zu schaffen.
Was die Angehörigen angeht, so sollen sie ihre Trauer zulassen, hiermit ist nach buddhistischer Vorstellung allerdings nicht nur gemeint, dass man um den Toten trauert, weil er Abschied von uns genommen hat, denn dies würde nur bedeuten, dass man ihn nicht los lassen kann und er selbst sich auch nicht lösen kann. Es geht vielmehr auch darum, dass die Trauernden mit Mitgefühl an den Verstorbenen denken und ihm positive Energie schicken, damit ein Neubeginn im Kreislauf von Leben und Tod möglich wird. Zum Trauerprozess können auch Vorstellungen gehören, nicht genug für den Toten getan zu haben oder auch der Vorwurf an andere Familienmitglieder, ebenfalls nicht genug für den Toten getan zu haben. Konflikte dieser Art sind als Ablösungsprozess zu verstehen.
Ein weiterer zentrales Thema des Vortrags war der Tod aus buddhistischer Sicht.
Abt Thich Thien Son erzählte, sein Meister habe auf die Frage: “Meister, was geschieht mit uns nach dem Tod?” als Antwort ein Blatt Papier angezündet.
Das Papier löste sich in die einzelnen Elemente Rauch, Hitze, Asche, Feuer und Wind auf. Dieser Transformationsprozess ist Voraussetzung für einen Neubeginn. Der Gedanke der Wiedergeburt beinhaltet die Neuformierung. Allerdings, so Abt Thich Thien Son, “fragen auch Buddhisten, wie oft sollen wir denn diesen Durchlauf noch machen?” Und so stellt sich der Wunsch nach endgültiger Befreiung aus dem Samsara ein. Um aber zur Befreiung zu gelangen, müssen wir loslassen lernen.
Abt Thich Thien Son beendete seinen Vortrag mit einer Geschichte:
Ein Prinz hat vier Frauen, die erste verhilft ihm zu Reichtum, die andere zur Macht, die dritte bringt ihm die Liebe, die Funktion de vierten erfährt er erst, nachdem ihn die anderen drei ihn schon wieder verlassen haben. Sie erklärt ihm, sie sei seine ständige Begleiterin und garantiere ihm die einzige, wirkliche Sicherheit. Auf die Frage, was für eine Sicherheit dies sei, sagt sie ihm: dies ist die Sicherheit, dass dein Leben endlich ist, dies ist die Sicherheit des Todes.
Der Tod ist Bestandteil unseres Lebens und je mehr wir uns darüber im klaren sind, desto eher können wir loslassen.
Seine Heiligkeit Sakya Trizin in der Pagode Phat Hue
Der tibetische Buddhismus kennt vier Hauptschulen, die Sakya-Schule ist eine der vier großen Traditionen. Seine Heiligkeit Sakya Trizin ist das Oberhaupt dieser Schule, er gilt nach Seiner Heiligkeit Dalai Lama als einer der wichtigsten Vertreter des Tibetischen Buddhismus. S.H. Sakya Trizin hat zahlreiche Zentren und Klöster gegründet, darunter auch das Sakya-College und das Sakya-Institut in Indien.
Im Rahmen seines Deutschlandaufenthalts hielt Seine Heiligkeit der 41. Sakya Trizin am 15.11.06 eine Dharmarede in der Pagode Phat Hue. In dem Vortrag erläuterte seine Heiligkeit den etwa 250 Zuhörern grundlegende buddhistische Einsichten.
Was sind die Fehleinschätzungen in der Lebensführung der Menschen? Worauf sollen Menschen ihr Leben ausrichten? Weshalb ist es wichtig, dass wir Mitgefühl mit den Mitmenschen entwickeln? Auf diese Fragen gab Seine Heiligkeit Antworten: