Allgemeines

Ajahn Brahm – Question & Answer – to sort…

„Die Ethik des Mitgefühls“ S.H. Dalai Lama

Auszug aus „Das Buch der Menschlichkeit – Eine neue Ethik für unsere Zeit“ 2. Auflage 2002.

„[…]Alle bedeutenden Religionen heben die Wichtigkeit der Entwicklung von Liebe und Mitgefühl hervor. In der philosophischen Tradition des Buddhismus werden diesbezüglich verschiedene Verwirklichungsstufen beschrieben. Auf der ersten Stufe wird unter Mitgefühl weitgehend das Einfühlungsvermögen verstanden, also die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und ihr Leid bis zu einem gewissen Grad zu teilen. Doch Buddhisten – und vielleicht auch andere Menschen – glauben, daß sich diese Fähigkeit so weit fortentwickeln lässt, daß unser Mitgefühl nicht nur ohne jeden Aufwand, wie von selbst in Erscheinung treten kann, sondern dass es zugleich bedingungslos ist, keine Unterschiede macht und allumfassend ist. Ein Gefühl der Nähe zu allen anderen Lebewesen entsteht – selbstverständlich einschließlich jener, die uns wehtun –, ein Wesenszug, der in der entsprechenden Literatur mit der Liebe einer Mutter zu ihrem einzigen Kind verglichen wird. › Continue reading

Ven. Ajahn Brahm – Opening Talk | Retreat Pt.1

Vorträge des Ehrw. Ajahn Brahm und Dhammadipa als Audio online!

Die Vorträge des Ehrw. Dhammadipa zur Einführung in den Abhidharma, sowie die Sitzungen der Dienstagsmeditationsgruppe, in denen der Ehrwürdige die einleitenden Belehrungen gab, finden sie nun in unserer Audio-Sektion. Es sind auch viele andere Audiodateien freigeschaltet worden und werden von uns nun regelmäßig aktualisiert.
Die Vorträge des Ehrw. Ajahn Brahm werden ebenfalls in Kürze online gestellt und können dann kostenlos heruntergeladen werden. Wir wünschen viel Spaß beim Stöbern und Lauschen.

28. Oktober 2008 Allgemeines Keine Kommentare

Ajahn Brahm: Die Leichtigkeit des Seins oder die Kunst des Eiersammelns

Australischer Humor in der Pagode Phat Hue

Kopie von Ajahn BrahmDer Besuch von Ajahn Brahm in der Pagode Phat Hue war ein echtes Highlight 2008. „It was just awesome!“ („es war einfach nur fantastisch“) – auf diese Weise fassten viele der internationalen Teilnehmer/innen die Tage mit Ajahn Brahm zusammen. Über die Hälfte der Besucher kam zum Beispiel aus Schottland, Frankreich, Holland, Tschechien und sogar aus Mexiko. Selten wurde bei Dharmavorträgen so viel gelacht wie während der letzten vier Tage! Der Abt des Bodhinyana-Klosters in Perth, Westaustralien, versteht es auf einzigartige Weise, Dharma für den Westen mit Humor und Tiefgang zu präsentieren. Seine wöchentlichen Belehrungen auf You-Tube haben in der westlichen Buddhismus-Szene nahezu Kult-Status – über 20.000 Zuhörer/innen schalten sich dort regelmäßig ein.

Zum Auftakt seines Besuchs in Frankfurt gab es am Donnerstag zunächst einen Gastvortrag in der Frankfurter Goethe-Universität zum Thema „Hass, Liebe und wo stehst Du?“ Wieso hassen wir eigentlich und was bedeutet bedingungslose Liebe? Die etwa 50 Besucher/innen waren von Ajahn Brahms Fähigkeit beeindruckt, buddhistische Inhalte durch Geschichten und Parabeln lebendig zu veranschaulichen.
Von Freitag bis Sonntag kamen bis zu 200 Teilnehmer/innen zum Meditationsretreat und den öffentlichen Dharmavorträgen unter dem Motto „Dinner & Dharma“. Auch zu Buddhas Zeiten wurde erst für das leibliche Wohl gesorgt, bevor der Erleuchtete seine Belehrungen an seine Schüler weiter gab. Eine Gruppe Vietnames/innen kochte jeden Abend für die Gäste in der Frankfurter Pagode ein köstliches, vegetarisches Menü.

Ab 20 Uhr ging es dann mit Ajahn Brahm weiter in der Buddhahalle. „Über die Vernunft hinaus, jenseits von Glauben“ war das Motto am Freitagabend. „Wenn wir uns mit Buddhismus beschäftigen, lernen wir das Denken zu stoppen, sodass unsere Zukunft frei ist. Durch Meditation können wir uns aus dem Gefängnis unserer Gedanken befreien. Dann stellst Du fest, dass alles, was Du im Leben machst, einfach ist.“
„Lachend auf dem Weg ins Nirvana“ war das Thema am Samstagabend. Ajahn Brahm vermittelt die Vier edlen Wahrheiten Buddhas auf ganz besondere Art. Er stellt nicht das Leid (dukkha) in den Mittelpunkt, sondern das Glücklichsein. Durch das Loslassen von Wünschen und Sehnsüchten wie Geld, Macht und Erfolg können wir uns für das Glück öffnen. Glück – so Ajahn Brahm – wird dann erfahrbar, wenn wir jeden Augenblick in unserem Leben liebevoll annehmen können. Dies gilt für den Alltag genau so wie für den Weg zur Erleuchtung.

Eine für Ajahn Brahm typische Parabel veranschaulicht diese Sichtweise: Es waren einmal zwei Hühnerzüchter. Der eine ging morgens in den Hühnerstall und sammelte den Hühnerkot in seinen Korb und brachte ihn nach Hause. Schon bald stank es so sehr darin, dass alle aus seiner Hütte flüchteten. Der andere Züchter sammelte in seinem Korb die Eier, backte Pfannkuchen für seine Familie und verkaufte den Rest der Eier auf dem Markt.
Viele Menschen neigen dazu, den Kot der Hühner und nicht die Eier zu sammeln. Die Bedeutung dieses Gleichnisses ist: Wenn Ihr Eure Vergangenheit anschaut – was sammelt Ihr? Sammelt Ihr alle negativen Erfahrungen und grämt Euch darüber? Dann sammelt Ihr lediglich den Hühnerkot? Oder sammelt Ihr die Eier und erinnert Euch an die schönen, erfolgreichen und glücklichen Zeiten?
Tagsüber gab es im Rahmen des Retreats Dharmareden, die die Inhalte der Abendvorträge vertieften, und Meditationen. Die Retreat-Teilnehmer hatten auch die Gelegenheit, Ajahn Brahm Fragen zur eigenen Meditationspraxis zu stellen. In kleineren Gruppen widmete er sich intensiv und sehr einfühlsam den persönlichen Anliegen der Teilnehmer.
„Dank Ajahn Brahm habe ich endlich einen wirklichen Zugang zum Buddhismus finden können. Plötzlich fügten sich auf wundersame Weise Puzzlestücke der buddhistischen Lehre zu einem sinnvollen Ganzen zusammen. Dafür bin ich sehr dankbar“, so ein Teilnehmer nach dem Retreat.

In Kürze können Sie auf Spendenbasis eine DVD mit den Dharmavorträgen über die Pagode Phat Hue beziehen. Wir informieren Sie, sobald die DVD vorliegt.

27. Oktober 2008 Allgemeines Keine Kommentare

Biographie des Ehrw. Ajahn Brahm

Ajahn Brahm wurde am 7. August 1951 in London als Peter Betts geboren. Schon während seiner Schulzeit interessiert er sich für buddhistische Bücher. Er wächst in einfachen Verhältnissen auf und bekommt aufgrund seiner Begabung ein Stipendium für Theoretische Physik an der Elite-Universität Cambridge. Als Student geht er in buddhistische Zentren und lernt verschiedene Meditationen kennen, wie Zen oder Samadhi. Dann geht Peter Betts nach Thailand und wird mit 23 Jahren im Kloster Wat Saket in Thailand ordiniert. Neun Jahre studiert der junge Mönch, der nun Ajahn Brahm heißt, bei seinem Meditationsmeister, dem Ehrwürdigen Ajahn Chah. Fortan beschäftigt er sich nicht mehr mit physikalischen Phänomenen, sondern mit der Stille und seinem Geist.

„Unser Geist beschäftigt sich den meisten Teil der Zeit mit dem Stoff, aus dem Zeitungen gemacht werden: Beziehungskrisen, Innenpolitik im familiären und beruflichen Bereich, persönliche Skandale, die uns entsetzlich aufregen und die sportliche Betätigung im Bett. Wenn es uns nicht gelingt, diese „innere Zeitung“ gelegentlich wegzulegen (…), dann wird uns die unverdorbene Freude und die Stille der Natur in ihrer schönsten Form immer verborgen bleiben. Dann werden wir nie weise werden.“ (Ajahn Brahm: Vögel fliegen ohne Koffer)

Die Buddhistische Gesellschaft von Westaustralien lädt ihn ein, um nach Perth zu kommen und dort dem Mönchsbruder Ajahn Jagaro beim Lehren zu assistieren. Beide leben in einem alten Haus in der Vorstadt von Nord-Perth. Sie bekommen rund 400 tausend m² bewaldetes Land in den Hügeln von Serpentine, südlich von Perth, geschenkt. Dort haben sie nach und nach als autodidaktische Klempner und Maurer das Bodhinyana-Kloster aufgebaut, das heute die größte buddhistische Klostergemeinschaft in Australien ist.

Ajahn Brahm ist ein brillanter und humorvoller Redner. Seine klare und leichte Sprache spricht viele Westler/innen an. Er kümmert sich aber auch um Kranke und sterbende Menschen, um Straftäter oder wird weltweit für Vorträge eingeladen, um Meditation und die buddhistische Lehre (Dharma) zu vermitteln. Seine lebendigen Dharma-Reden werden jede Woche auf You Tube von rund 20.000 Zuschauer/innen gesehen. (www.bswa.org)

Bekannt geworden ist er auch durch seine Bücher „Die Kuh, die weinte – Buddhistische Geschichten über den Weg zum Glück“ (Lotos-Verlag) oder „Im stillen Meer des Glücks – Handbuch der buddhistischen Meditation“ (Lotos- Verlag). In diesem Jahr erschien sein Buch: „Vögel fliegen ohne Koffer – Meditieren frei von Ballast und Anstrengung“, (Lotos Verlag 2008).

20. Oktober 2008 Allgemeines Keine Kommentare

Die Pagode Phat Hue auf der Buchmesse 2008 – Vortrag und Gesprächsrunde

Zen SeminarAm kommenden Samstag den 18.10.2008 halten die Novizin Hue Nghiem und der Novize Hue Ngo auf der Buchmesse Frankfurts einen einführenden Vortrag in den Zen der Pagode Phat Hue: Geist verstehen – Körper heilen. Buddhistische Psychologie und Zen. Inhalt des Vortrages wird an die Themen der ersten beiden Zen-Seminare angelehnt sein.

Zen ist eng mit der buddhistischen Psychologie verbunden. Jede Bewusstseinsschulung setzt zunächst bei der Selbsterkenntnis an: Verstehen und durchschauen wir unsere Gefühle und Denkstrukturen, können wir unsere individuellen Muster erkennen. Geist und Körper sind aus buddhistischer Sicht eine Einheit. Arbeiten wir tagein, tagaus nur mit unserem Intellekt, verlieren wir den Kontakt zu unserem Körper. Deutsche buddhistische Zen-Mönche und -Nonnen beschreiben, wie sich die Trennung von Geist und Körper auswirken kann: Viele Blockaden oder gar Krankheiten auf körperlicher Ebene sind eigentlich Warnsignale des Geistes.

Samstag ist Publikumstag auf der Buchmesse, ein Besuch lohnt sich in jedem Fall – es gibt sehr viel zu entdecken.

Datum: 18.10.2008
Zeit: 14-15 Uhr
Ort: Frankfurter Buchmesse, Halle 3.1 K204 Bühne
Eintritt: Tageskarte 12 Euro (Schüler 6 Euro)

16. Oktober 2008 Allgemeines Keine Kommentare

Zeremonie gegen karmische Verstrickungen – ein Bericht

Gestern fand in der Pagode Phat Hue die mit Spannung und hohem Interesse erwartete Zeremonie zur Auflösung karmischer Verstrickungen statt. Mit über 200 teilnehmenden Besuchern füllte sich die bereits durch Dekorationen reichlich geschmückt und gefüllte Buddhahalle bis auf den letzten Platz – mindestens die Hälfte der Besuchern waren westliche Buddhisten oder Interessierte. Alle Anwesenden können sich sehr glücklich schätzen, an diesem Tag den Rezitationen, Segnungen und Reinigungen beigewohnt zu haben. Lesen sie hier einen längeren Bericht zu dieser seltenen Zeremonie und schauen sie sich die ersten Fotos an.

Bereits um 10:30 Uhr begannen die vorbereitenden Zeremonien in der Buddhahalle zusammen mit vielen vietnamesischen und deutschen Laien-Buddhisten. Die Rezitation des Amithaba-Sutras, des Herz-Sutras und Segnungstexten beendete diesen ersten Teil des Tages. Nach der mittäglichen Gedenkzeremonie an die Verstorbenen des Andachtsaltars in der Buddhahalle wurde dann um 14 Uhr die Zeremonie durch die ehrenwerten Mönche eingeleitet, die eigenes für diese Zeremonie aus Vietnam angereist waren.

Sehnsucht und Durst nach Liebe

Aus buddhistischer Perspektive gibt es neben der Existenz tierischen und menschlichen Lebens auch jene Ebenen, in denen Wesen in unsichtbaren Manifestationen wiedergeboren werden – wie zum Beispiel die Ebene der himmlischen Wesen, in denen ein Tag solange andauern kann wie 50 Menschenjahre oder die der sogenannten hungrigen Geister. Das Leben eines Menschen prägt die Wiedergeburt. Stirbt ein Mensch, ohne das vergangene Leben loslassen zu können und hat er starke Anhaftungen, kann es geschehen, dass er als Hungergeist wiedergeboren wird. Wenn beispielsweise ein Mensch sein Leben verliert, jedoch nicht die Gelegenheit hatte, sich von den Menschen zu verabschieden und loszulassen, die er am meisten liebte, kann dieser Fall eintreten. Eine starke bindende Energie zwischen den noch Lebenden und dem Verstorbenen kann sich in solchen Fällen als Hinderniss darstellen. Solange man an einem verstorbenen Partner, einem Familienmitglied oder einem Bekannten festhällt oder gar am Leben festhält ohne Veränderungen zu akzeptieren, leidet man. Erst wenn man lernt loszulassen, hat man sich von der andauernden Sehnsucht befreit. Das ist der buddhistische Aspekt. Lernen wir loslassen, lernen wir freier und offener für Neues zu sein und lassen uns von Veränderung und Vergänglichkeit nicht mehr so sehr beeinflussen.

Zeremonien wie die am Samstag in der Pagode Phat Hue sind speziell in der vietnamesischen Tradition und Kultur verwurzelt. In der vietnamesischen Tradition geht man davon aus, dass solche Zeremonien aktiv solche Energien, die an Liebe und Dauer anhaften, aufzulösen helfen. Das Ziel ist es hier ebenfalls, frei von den schmerzhaften Bindungen an das vergangene Leben zu sein und den eigenen Weg nun gestärkt und mit einem leichteren Herzen gehen zu können.

Zu den die Zeremonie durchführenden Mönchen

Mönche, die mit unsichtbaren Energien in Kontakt treten können, müssen sich diese Fähigkeit über viele Jahrzehnte harten und intensiven Trainings aneignen. Wirklich weit in dieser Arbeit entwickelte Mönche befinden sich bereits seit dem Kindesalter in der Ausbildung. Man übt sich darin, die Sinnliche Wahrnehmung derart zu schärfen, dass sie neben den sichtbaren Objekten auch nicht sichtbare Phänomene wahrnehmen kann. Das kann nur durch intensiver Meditationspraxis erreicht werden. Man geht davon aus, dass man durch tiefe Meditation die Fähigkeit erlangen kann, mit den oben beschriebenen unsichtbaren Ebenen oder Energien zu kommunizieren.

Den Teilnehmern der Zeremonie war es nun möglich, sich selbst und Personen, mit denen sie sich aus unglücklichen und schmerzhaften Umständen wahrscheinlich in einer schwierigen karmischen Verbindung befinden, zur Auflösung dieser Verstrickungen aufstellen zu lassen: Man gab hierzu Namen und Geburtstags- oder Todesdatum an. Überraschend viele Personen nahmen diese Möglichkeit wahr, sodass das Verlesen der Namen während der Segnung am Ende der Zeremonie viel Zeit in Anspruch nahm.

Der zeremonielle Aufbau

An der Außenwand der Pagode wurde während der Eröffnungszeremonie am Freitagnachmittag ein langes Banner herabgelassen, welches mit Mantren beschrieben war. Dieses Banner stellt der Tradition nach für Hungergeister einen Wegweiser dar, dass hier ein Tor zu einem Platz geöffnet wird, an dem die schmerzhaften Energien aufgelöst werden können. Dieses Banner soll eine Brücke zwischen den unsichtbaren und den sichtbaren Ebenen unserer Welt darstellen.

Der Innenraum der Buddhahalle war in Form eines Mandalas aufgebaut: 4 Altarhütten mit Buddhastatuen symbolisierten die 4 Himmelsrichtungen, während der große Altar in der Mitte den Berg Meru symbolisierte. Am Eingang der Buddhahalle stand ein großes Tor mit einer Statue, die selbst aussah, wie ein Dämon, allerdings eine Verkörperung des Bodhisatvas Avalokiteshvara darstellte – dem Bodhisatva des universellen Mitgefühls. Die Darstellung als Dämon irritiert zunächst, steht aber als Symbol für das Mitgefühl Avalokiteshvara: Dass Avalokiteshvara sich in Dämonengestalt zeigt, soll verdeutlichen, dass er nicht nur Menschen, sondern auch Hungergeistern gegenüber Liebe und Mitgefühl zeigt.

Der Hauptaltar

Links und rechts des Hauptaltars saßen die Ehrwürdigen Mönche aus Vietnam und begleiteten die Zeremonie mit Instrumenten, Rezitationen und hoher Konzentration. Die vietnamesische Tradition dieser Zeremonie sieht vor, dass der Mönch, der die Zeremonie leitet, auf dem Altar in der Mitte Platz nimmt. Er soll den Buddha repräsentieren. Der Buddha wird für diesen Zweck von den Mönchen, die diese Tradition praktizieren, mit einem Vorhang verhüllt.

Der durchführende Meister muss von allen anwesenden Mönchen die strengste und intensivste Ausbildung gehabt haben. Denn die Energien, die sich während der Zeremonie in der Buddhahalle aufbauen sollen, muss er zu bändigen wissen. Die Kraft, die sich in der 4 1/2 stündigen Zeremonie entwickeln kann, soll sehr stark sein. Kann der Meister diese Kraft nicht kontrollieren, kann sie ihm auf energetischer Ebene Schaden zufügen. Die Mönche, die uns am Samstag diese Zeremonie ermöglichten, haben eine jahrzehntelange Ausbildung in dieser Arbeit genossen und unterstützen den Meister während der Zeremonie.

Die Zeremonie

Obwohl die Zeremonie einem dem westlichen Kulturverständnis zunächst verschlossenen vietnamesischen Brauch folgt, gingen viele Deutsche ihrem Interesse und ihrem Gefühl nach, dieser in diesem Umfang äußerst seltenen Zeremonie beizuwohnen. Nachdem die Altäre einzeln durch den leitenden Meister gesegnet wurden, begann dieser sich in einen Zustand höchster Konzentration und Sensibilität zu begeben. Durch Rezitation und segnende Mudras – symbolische aber auch die Energie beeinflussende Handgesten – bereitete er sich auf die Anstrengungen der folgenden Stunden vor. In tiefster Meditation nahm er auf dem erhöhten Sitz platz. Begleitet wurde die gesamte Zeremonie von einem Citar spielenden Vietnamesen, der, obwohl er kein Mönch ist, dieselbe Ausbildung genoss wie die Anderen. Sein Spiel zeichnete sich durch ein Höchstmaß an Konzentration aus: Er spielte die gesamte Zeremonie lang bestimmte Melodien mit gewissen Schwingungen oder begleitete den Gesang der rezitierenden Mönche. Er schien dabei stets gelassen und ruhig, ohne dass es möglich war, aus seinen Gesichtszügen Emotionen oder Gefühle abzulesen. Sein Geist war voll und ganz mit dem Instrument, den Rezitationen und der Atmosphäre des Raums verschmolzen.

Segnung und Freiheit

An einem gewissen Punkt veränderte sich die Stimmung der Rezitationen: An diesem beginnt der die Zeremonie durchführende Meister dem Protokoll nach, die Segnung der unsichtbaren Wesen. Die Melodien der Rezitationen wurden verspielter und fröhlicher. Symbolisch wurde Reis gesegnet und in den Raum geworfen. Der Klang heller Glocken durchdrang die Halle, gespielt von den begleitenden Mönchen – der Teil der Zeremonie war gekommen, an dem die Teilnehmer und die anderen Wesen in der Buddhahalle sich nun von ihren Sehnsüchten und Anhaftungen trennen konnten. Die Atmosphäre der Buddhahalle änderte sich schlagartig.

Abschluss

Viele der Gäste blieben, auch nachdem die Zeremonie mit dem herabsteigen des Meisters vom Altar und der abschließenden Segnung aller Personen in der Buddhahalle beendet worden war, noch in sich gekehrt in der Buddhahalle sitzen und verarbeiteten, was um sie herum in den letzten 4 ½ Stunden geschehen war. Erst jetzt konnten einige Besucher realisieren, dass sie gerade einem wunderschönen Ereignis beigewohnt haben, das in solcher Art und Weise nur ungefähr 4 Mal im Bestehen eines Tempels geschieht. Umso größer waren das Glück und die Zufriedenheit bei vielen der Anwesenden. Doch wo Fröhlichkeit ist, kann auch Trauer nicht weit sein: Manche der Teilnehmer überkamen große Gefühle. „Wer mit offenem Herz an der Zeremonie teilnimmt“ so sprach der Ehrw. Abt der Pagode Thich Thien Son zu Beginn der Zeremonie, „kann in Kontakt mit den karmischen Verstrickungen gelangen, die wir von Leben zu Leben tragen.“ Das kann schmerzen, Traurigkeit auslösen und überwältigen. Nach einem solchen Ereignis sind alle auftretenden Gefühle und Emotionen, erlaubt und brauchen nicht unterdrückt werden. Die Menschen kamen an diesem Samstag zusammen, um die schmerzhaften und unheilsamen Verbindungen zu verstorbenen Menschen zu akzeptieren und nicht mehr an ihnen festzuhalten.

Loslassen – Frei sein

Die Pagode Phat Hue organisierte diese Zeremonie besonders für die Mitglieder unserer Gemeinde, unseren Zen-Schülerinnen und Zen-Schülern und allen Freunden, Unterstützern und Nahestehenden der Pagode Phat Hue. Sie sollte den Anwesenden einen zeremoniellen Rahmen geben, um die Anhaftungen an vergangene und schmerzhafte Umstände loszulassen. Loslassen stabilisiert die buddhistische Praxis und bringt unseren Geist zur Ruhe. Mögen alle Gäste des gestrigen Samstags nun mit höherer Leichtigkeit an sich selbst arbeiten, mit mehr liebender Güte und Mitgefühl in ihren Beziehungen und Familien leben können und ihr Leben mit weniger Anhaftungen führen. Mögen alle Wesen, die sich gestern in der Buddhahalle versammelten, frei von ihren Anhaftungen an vergangene Leben sein. Mögen sie sich alle von ihren Sehnsüchten befreit haben und nun unter neuen Vorraussetzungen dem Glück und dem Frieden entgegenstreben können.

Die Pagode Phat Hue möchte sich aus ganzem Herzen bei den Ehrwürdigen Mönchen bedanken, dass sie ihre Kraft und ihre Anstrengungen dafür aufbrachten, der Sangha, den Mitgliedern, den Schülern, Freunden und Gästen der Pagode Phat Hue auf ihre Weise dabei zu helfen, von Anhaftungen und schmerhaften Erinnerungen loszulassen. Mögen alle Verdienste, die durch die Kraft dieser Zeremonie freigesetzt wurden, an die Ehrwürdigen Mönche, an alle Teilnehmer der Zeremonie und an alle fühlenden Wesen gesendet werden. Mögen sie alle frei sein von Sehnsucht und Anhaftung. Mögen sie alle glücklich sein.

 
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13. Oktober 2008 Allgemeines Keine Kommentare

Fehler Anderer sieht man leicht…

Es ist leicht, die Fehler der anderen,
aber schwierig, die eigenen zu sehen.
Die Fehler der anderen siebt man heraus wie Spreu,
die eigenen verbirgt man, wie ein Falschspieler einen unglücklichen Wurf.

Wenn du dich auf die Fehler anderer konzentrierst
und dauernd an ihnen herumnörgelst,
gedeiht deine Gier mehr und mehr,
ohne Chance, sie zu beenden.

(Dhammapada 252/253)

Viele Menschen haben es schwer damit, sich ihre eigenen Fehler oder Schwächen vor Augen zu führen. Es ist ein unangenehmes Gefühl, sich mit unliebsamen Charakterzügen auseinanderzusetzen. Was tun daher die meisten Menschen? Sie kritisieren andere Personen in ihrem Umfeld und picken deren Fehler heraus. Ist man damit beschäftigt, hat man keine Zeit, sich die eigenen Schwachpunkte anzusehen. Diese Gewohnheit trägt jedoch viele unheilsame Samen, die später viele giftige Früchte hervorbringen. Es gibt drei Dinge, an die wir denken sollten, wenn wir uns dabei ertappen, wie wir erneut auf die Fehler Anderer schauen und nicht bei uns bleiben. Es sind kleine, aber effektive Vergleiche, die uns dabei helfen, die negative Angewohnheit loszulassen:

1. Sei wie ein glatter und starker Bambusast

Bambus wächst schnell, hoch und bleibt dabei ungeheuer belastbar und elastisch. Kommt Wind auf, streicht er sanft um den Bambusast herum, ohne ihn umzuknicken. Wird der Wind stärker und stärker, bis er zu einem Sturm geworden ist, biegt sich der Bambus, verlässt aber niemals seinen festen Ort, er bleibt in sich stets ruhig und schwingt mit den Bedingungen um ihn herum.

Sei wie ein solcher Bambusast, sei glatt, stark aber zugleich elastisch.

Es gibt aber Pflanzen, die tragen viele Dornen. An ihnen bleiben daher auch viele Dinge hängen. Eine solche Pflanze sind wir, wenn wir die Fehler bei anderen suchen. Wir strecken unsere Dornen aus und suchen regelrecht nach den Fehlern der Anderen, um sie mit unseren Dornen zu packen. Das, was wir an anderen als negativ entdeckt haben, bleibt dann an uns hängen und stört uns immer wieder: Wir denken immer wieder daran und können so niemals davon loslassen, so zu denken. Ist man allerdings glatt und stark wie der Bambus, machen uns die Fehler oder Unzulänglichkeiten Anderer nichts mehr aus: Sie streifen an uns vorbei wie der Wind.

2. Kümmere dich um deinen Garten

Stellt euch einen Gärtner vor, der einen kleinen Garten neben vielen anderen Gärten hat. Doch anstatt sich um seine Pflanzen, Obstbäume und Blumen zu kümmern, steht er den ganzen Tag nur am Zaun und betrachtet die anderen Gärten und ihre Besitzer. Er steht dort und meckert an den anderen Gärten herum:

„Schau dir doch mal deine Obstbäume an! Die stehen alle schief und krumm! So wirst du niemals eine ordentliche Ernte einfahren können!
Und du da drüben, deine Blumenbeete bekommen viel zu wenig Wasser, willst du, dass sie alle verdursten? Und wie man Tomaten anpflanzt weißt du auch nicht, die werden alle eingehen! Tu doch einmal etwas gegen diese Missstände!“

Was glaubt ihr wie der Garten dieses Gärtners aussieht? Hat er hübsche und gerade Bäume in seinem Garten? Reiche Apfel- und Pflaumenernten? Gibt es in seinem Garten schöne Blumen und gesunde Gemüsepflanzen? Wohl kaum. Dieser Gärtner hat gar nicht die Zeit, sich um seine eigenen Pflanzen und Bäume zu kümmern, so viel Zeit verbringt er damit, die Gärten der Anderen zu kontrollieren und zu kritisieren. Wenn dieser Gärtner diese Zeit jedoch dafür verwenden würde, sich um seinen Garten zu kümmern, dann würde er nach kurzer Zeit einen wunderschönen Garten besitzen.

Der Garten, das ist unser Geist – unsere Gedanken, unsere Sprache und unsere Handlungen. Der Gärtner ist unsere Achtsamkeit, die wir brauchen, um unseren Garten zu pflegen. Nur mit Achtsamkeit können wir erkennen, wann wir uns um unseren Garten gut kümmern und wann wir ihn vernachlässigen. Nur mit Achtsamkeit erkennen wir, was unser Geist benötigt. Verschwenden wir die Zeit, Andere Menschen zu kritisieren und schlecht zu machen, sind wir in diesen Momenten nicht wirklich für uns da. In dieser Zeit geht es in unserem Garten drunter und drüber – Unkraut macht sich breit:

3. Gieße nur die guten Samen

Sobald wir unseren Garten vernachlässigen, bemerken wir nicht, was sich in dessen Erde tut: In den Gärten aller Menschen gibt es gute und schlechte, heilsame und unheilsame Samen. Samen, die zu herrlichen Blumen oder Bäumen heranwachsen können oder Samen, die sich zu stacheligen oder überwuchernden Pflanzen entwickeln können.

Wir alle meinen zu wissen, was Unkraut ist und was nicht. Doch meistens wissen wir das nur bei unseren Nächsten – bei Freunden, Partnern, Verwandten oder gänzlich unbekannten Personen. Wir wissen genau, was im Garten des Anderen wuchert und welche hässlichen Flecken sich in seinem Blumenbeet befinden. Nur eines vergessen wir erneut: Suchen wir krampfhaft nach diesen Schandflecken in den Gärten anderer, kann unser Unkraut in aller Ruhe gedeihen. Während wir uns weit über unseren Gartenzaun herauslehnen, sprießen unter der Erde Samen, die sich zu genau den Schandflecken entwickeln können, die wir bei den anderen herauslesen.

Wenn wir zu lange unseren eigenen Garten vernachlässigt haben, stehen wir vor riesigen Problemen. Da hat das Unkraut feste, hölzerne Stämme bekommen, hat sich über unsere Gemüsebeete ausgebreitet und nimmt den Blumen das Sonnenlicht weg. Auf solchem Weg wird unser Garten niemals Schönheit erlangen und einen harmonischen, friedlichen Platz abgeben, an dem sich Schmetterlinge gerne niederlassen und wir als Gärtner reich ernten können.

Wir müssen also versuchen, uns von den Gärten anderer abzuwenden und erst einmal unsere eigenen Pflanzen hüten und unser eigenes Unkraut ausfindig machen. Manchmal verbirgt sich hinter einer hübschen Blüte wildes Unkraut, ohne dass wir es bemerken. Dafür brauchen wir erneut die Achtsamkeit – das achtsame Auge eines erfahrenen Gärtners. Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen:

Sobald ich das Unkraut anderer suche, gieße ich gleichzeitig mein eigenes.

Wenn wir also aufhören, uns auf die Fehler Anderer zu konzentrieren, wenden wir uns automatisch unserem eigenen Unkraut zu. Dann lernen wir, was gut für unseren Garten ist und können beginnen, unsere Pflanzen in einer heilsamen Weise aufzuziehen. Wenn wir mit Achtsamkeit unseren Geist untersuchen, lernen wir unser Unkraut zu erkennen, es zu akzeptieren und in einen wunderschönen Garten umzuwandeln. Die Früchte, die wir aus dieser Arbeit ernten, werden uns gut tun. Die Anstrengungen lohnen sich.

Als letztes muss jedoch gesagt werden, dass man nun nicht alle Menschen um sich herum ignorieren oder missachten soll. Das wäre unachtsam. Man muss als Gärtner einen guten Blick dafür haben, wann man einem Nachbarn helfen muss und wann nicht. Noch wichtiger als dieser geschulte Blick ist jedoch die Absicht wirklich helfen zu wollen. Will man einem Menschen ehrliche Unterstützung zukommen lassen, wird die Art, wie wir auf diese Menschen zugehen ein ganz anderes Gefühl vermitteln. Betrachtet euch also wie einen Garten, um den man sich mit viel Achtsamkeit und Liebe widmen muss. Nur mit Achtsamkeit und Liebe werdet ihr euren Garten in einen friedlichen Ort verwandeln, den ihr selbst und Andere gerne aufsuchen. Ist euer Garten erst einmal gepflegt und von Unkraut befreit, werden das die Gärtner um euch herum bemerken – keine Frage. Sie werden sich sagen

Oh, solch einen Garten hätte ich auch gerne. Ich werde an meinem wohl noch weiter arbeiten müssen.

Und dann wird sich eure Umgebung von alleine ändern, ohne dass man Dornen ausfahren oder sich weit über einen stacheligen Gartenzaun herauslehnen musste.

9. Oktober 2008 Allgemeines Keine Kommentare

Loslassen und Aufnehmen

Interview mit Dr. Thynn Thynn, einer burmesischen Dharma-Lehrerin. (Quelle: www.buddhanet.net)

Warum ist das Loslassen von solch großer Bedeutung im Buddhismus?

Der Begriff “Loslassen” ist in buddhistischen Kreisen zu einem Schlüsselbegriff geworden. Es stimmt, dass „Loslassen“ unabdingbar für das Erreichen inneren Friedens ist, man muss jedoch verstehen wie man loslässt.

Was sollen wir denn loslassen?

Unsere Anhaftung. Lassen sie die Begierde als Motivation hinter allem was sie tun los. Es mag die Begierde sein erfolgreich zu sein, perfekt zu sein, andere zu kontrollieren oder gar sich selbst zu glorifizieren. Es ist nicht wichtig, was genau es ist; was von Bedeutung ist, ist die Begierde, die hinter der Handlung steht. Man verwechselt hier leicht die Handlung selbst mit Begierde.
Loslassen heißt also loslassen von Anhaftung an Begierde, nicht loslassen der Handlung selbst?
Es geht uns darum, Emotionen zu erkennen und zu stoppen. Versuchen sie einmal, eine Handlung zu stoppen und zu betrachten. Schauen sie, ob sie die Begierde erkennen können, die die Handlung antreibt. Wenn sie die Begierde erkennen, dann können sie auch die Anhaftung an sie loslassen. Wenn sie Anhaftung wirklich erkennen, wird sie sich auflösen und sie lassen spontan los.

Aber es gibt so viele Dinge in unserem Leben, denen wir nicht entsagen wollen.

Natürlich. Wir lassen ja auch nicht nur um des Loslassens Willen los. Es gibt eine Parapel über einen Zen-Meister dessen Schüler fragte: „Ich habe nun alles in meinem Geist losgelassen, was mache ich als nächstes?“ „Heb’s auf!” antwortete der Meister. Der Meister zeigte dem Schüler, das pures Loslassen, nur um immer und immer mehr loszulassen nicht der richtige Weg ist. Das wäre dann purer Nihilismus und kein wirkliches Verständnis des Loslassens.
Wenn wir an das Konzept des Loslassens gebunden sind, können wir nicht frei sein. Wenn wir nicht frei sind, kann das Verständnis oder die Weisheit – panna – nicht entstehen. Wenn wir aber wahrhaft unsere Anhaftung an die Begierde sehen und loslassen können, dann wird unsere Handlung zu einer reinen Handlung, ohne jegliche Anwesenheit von Anspannung oder Frustration. Wenn unsere Handlungen rein und einfach sind, können wir mehr mit weniger Stress erreichen. An diesem Punkt „nimmst du auf“, sobald du „loslässt“.

Warum aber ist Loslassen so schwierig? Ich kann meine anderen Emotionen wie Ärger und Hass durchaus gut beobachten, aber es ist um ein Vieles schwieriger Begierde und Anhaftung wirklich zu erkennen.

Wir sehen Begierde und Anhaftung nicht so leicht, da sie starken Emotionen wie Ärger und Hass vorhergehen. Unsere mentalen Formationen treten so schnell auf und verändern sich so schnell, dass wir normalerweise nur starke und hervorstechende Emotionen identifizieren können. Begierde und Anhaftung sind viel subtiler, es benötigt starke Konzentration – samadhi – um sie klar und deutliche sehen zu können.
Wir alle wurden von klein auf konditioniert, alles auf unser Selbst zu beziehen. Sobald man lernt Personen und Dinge wahrzunehmen, beginnen wir, sie auf unser „Ich“ zu beziehen und als „mein“ anzusehen – meine Mama, mein Papa, mein Spielzeug, usw. Wachsen wir auf, bringt man uns bei, nun anstelle der Spielsachen Ideen und Konzepte auf unser Selbst zu beziehen. Das müssen wir lernen, um in der Gesellschaft angemessen zu funktionieren.
Aber gleichzeitig kreiert dieser Prozess langsam und unbewusst das, was wir dann unsere eigene Persönlichkeit nennen und baut unser Ego auf. Dieser Aufbau unseres Egos wird durch gesellschaftliche Werte weiter gestärkt. Wir lernen uns zu beweisen, zu konkurrieren, uns durchzusetzen, Wissen, Wohlstand und Macht anzuhäufen. In anderen Worten: Wir werden darin trainiert, anzueignen und anzuhaften.
Zu dem Zeitpunkt, an dem wir bereits erwachsen sind, ist unser Selbst-Bild so real geworden, dass es sehr schwierig wird zu unterscheiden was Illusion und was Realität ist. Es ist schwer zu realisieren, dass „Ich“ und „mein“ nur vorübergehend, relativ und veränderbar sind. Das gleiche gilt für alles, was wir auf dieses „Ich“ und „mein“ beziehen. Versteht man „Ich“ und „mein“ nicht als nur vorübergehend, kämpfen wir um ihre Dauerhaftigkeit; und so haften wir an ihnen an. Die Begierde, alles als dauerhaft und permanent zu bewahren ist die Ursache dafür, dass uns das Loslassen so unglaublich schwer fällt.

Ich habe aber immer noch Schwierigkeiten damit, die buddhistische Idee des Selbst als Illusion zu akzeptieren.

Sie sind ja auch so gewohnt derartig mit „Ich“ und „mein“ umzugehen, so gewohnt, unser „Selbst“ als real zu sehen. Daher ist es nur natürlich, Schwierigkeiten mit der buddhistischen Denkweise zu haben. „Ich“ und „mein“ – beides Illusionen – können nur überleben, wenn das „Ich“ an den Illusionen anhaftet, die es selbst kreiert hat. Das „Ich“ haftet an allen möglichen mentalen „Besitztümern“ an – seien sie Macht, Reichtum, sozialer Status, was auch immer. Diese sind aber selbst bloß konzeptuelle Schöpfungen des Geistes – kurz: Illusionen.

Wenn aber das “Ich” eine Illusion ist und nicht die Realität, wie kann dann das “Ich” das “Ich” loswerden?

Wie wird man etwas los, das niemals war?

Nun ich habe das Gefühl, dass wenn ich das „Ich“ und „mein“ loslasse, ginge meine Identität verloren. Wie kann ich existieren, wenn ich von allem losgelassen habe? Wird man dann nicht kaltherzig und gefühllos? Es hört sich schon etwas gruselig an, als lebe man in einem Vakuum.

Man muss hier verstehen, dass wir lediglich eine Illusion verlieren würden. Es hat niemals existiert. Wir entfernen die Selbstillusion aus unserem Geist. Lasse einfach von der Illusion los.
Und in Wirklichkeit verlieren wir gar nichts. Man nimmt bloß einen imaginären Filter von unseren Augen (Projektionsfläche). Durch diesen Prozess erlangen wir Weisheit – panna. Aus dieser Weisheit entwickeln wir die 4 Tugenden: bedingungslose Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut. Wenn man panna besitzt, kann man die umfassende Schönheit und Wärme, die zwischen allen menschlichen Beziehungen existiert wirklich erfahren. Daher bedeutet Loslassen nicht den Verlust eines illusionären Egos. Wir enthüllen in Wirklichkeit einen wertvolle Schatz.

Dr. Thynn Thynn wurde in Burma geboren und ist pensionierte Physikerin und mittlerweile Dharma-Lehrerin. Sie stammt aus der Shwe Baw Gyun Tradition, einer buddhistischen Tradition aus Burma und lehrt “klassischen Buddhismus” und “Vipassana im Alltag”. Des weiteren legt sie besonderen Wert darauf, die Abhidharma-Lehren der buddhistischen Psychologie in alltägliche Achtsamkeitsübungen zu integrieren.

1. Oktober 2008 Allgemeines Keine Kommentare