Allgemeines
Vesak – Ostpark
Viele verschiedene buddhistische Zentren und Gruppen aus dem Rhein-Main-Gebiet organisierten nun bereits zum dritten Mal das Vesak-Fest im Frankfurt Ostpark. Während das letzte Vesak 2007 wortwörtlich ins Wasser fiel, hielt sich der Regen dieses Jahr höflich zurück – Sonnenschein überwog und vertrieb dunkle Gewitterwolken.
Das Vesak-Fest erinnert an die Geburt, Erleuchtung und den Eintritt in das Nirvana (Parinibbana) des Buddhas vor mehr als 2550 Jahren in Nordindien. Traditionell feiern asiatische Länder dieses Fest am ersten Vollmond im Mai als eines der wichtigsten und größten buddhistischen Feiertage. Der Vollmond symbolisiert hierbei Buddhas Erwachen.
Jedes Jahr nimmt die Zahl der interessierten Besucher, der Veranstalter und der Helfer zu. Dieses Jahr nahmen sich rund 3000 Besucher aus Frankfurt und Umgebung Zeit, um zusammen Buddhas Geburtstag zu feiern.
Das Bühnenprogramm begann mit einer Einführung in die Vesak-Aktivitäten durch den Moderator Michael Paul und einer Rede des Ehrw. Thich Thien Son, Abt der Pagode Phat Hue. Die darauf folgende Eröffnungszeremonie wurde in vietnamesischer und singhalesischer Tradition gehalten. Die Rezitation leitete die Buddha-Waschung ein, der sich nach den ordinierten Mönchen und Nonnen die Besucher des Festes anschlossen. Die Buddha-Waschung als Symbol der Reinigung des eigenen Geistes beendete, begleitet von Rezitationen und Musik, diesen ersten Teil der Vesak-Feier.
Bis zum Abend konnten die Besucher vor der Bühne zahlreichen buddhistischen Vorträgen sowie Dharma-Reden lauschen. Vorträge aus der Theravada-Tradition, eine Rede unseres Ehrw. Abtes Thich Thien Son ein Vortrag Alfred Weils und eine Diskussion mit Prof. Dr. Klaus boten verschiedenste Perspektiven auf den Buddhismus im Westen.
Kung Fu Vorführungen, ein Konzert der Ehrw. Ani Choying, kulturelle Darbietungen, Einführungen in die Meditation im eigenen Meditationszelt, buddhistische Ausstellungsstücke und Geschichtenerzählen im Kinderzelt rundeten das Rahmenprogramm hervorragend ab.
Der Tag endete mit einer Kerzenzeremonie, in die das gesamte Publikum einbezogen wurde. Jeder Teilnehmer erhielt eine Kerze, zusammen bildete man einen großen Kreis und umrundete den Festplatz in gemeinsamer “Om Mani Padme Hum” Rezitation. Jede Person umrundete den Platz dreimal bis die Zeremonie ein besonderes Ende fand: Jeder Teilnehmer der Zeremonie erhielt die Möglichkeit, von einer Buddha Reliquie gesegnet zu werden. Wie jedes Jahr war auch diese Endzeremonie ein sehr schöner und harmonischer Abschluss des Vesak 2008.
Vesak 2008 wurde ein sehr schönes Fest ohne große Schwierigkeiten und lässt das Beste für Vesak 2009 hoffen – wir hoffen, sie auch dann wieder zum Geburtstag Buddhas begrüßen zu dürfen.
Die Stimme Tibets – Ein Konzertbericht
Der Abend der gesungenen Mantras mit Ani Choying war entzückend. Es ist eine wundervolle Erfahrung, solch weichen und ruhigen Melodien zu lauschen, wissend, dass es sich um die Klänge von Mantren handelt. Ani Choying eröffnete den Abend mit einem besonderen Avalokiteshvara-Mantra und beendete ihn mit dem wohl bekannten Om Mani Pad Me Om – an dessen Rezitation sich das gesamte Publikum beteiligte.
Anlässlich des Konzerts der Ehrw. Ani Choying wurde zunächst ein neuer Dokumentarfilm vorgeführt, der das Nonnenkloster „Arya Tara“, Ani Choyings Biographie und ihr gegenwärtiges Engagement und Arbeiten für tibetische Nonnen in Nepal präsentierte. Interview-Auszüge Ani Choyings, Aufnahmen aus dem Alltag ihres Nonnenklosters, wunderschöne Bilder und Melodien stimmten die Besucher auf den folgenden Abend gesungener Meditation ein.
Nach guter Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Folksänger Steve Tibbett, erkannte Ani, dass sie mit
ihrer Stimme, den tibetischen Mantren und ihrem Wissen über Chöd – einer besonderen tibetischen Rezitations- und Dharmapraxis – Geld ansammeln konnte. Ani Choying war sich darüber im klaren, dass sich solch ein Einkommen nicht mit der Verantwortung einer Nonne vereinbaren ließ. Doch nicht das Geldverdienen ist ihre Motivation – alle Einnahmen, die sie durch ihre Gesänge und Rezitationen erhält, werden in Anis Nonnenkloster Arya Tara investiert und unterstützen tibetische Nonnen in ihrer spirituellen Ausbildung und sichern deren Grundbedürfnisse. Ebenfalls ist es so Ani Choying weiterhin möglich, Dharma immer weiter zu verbreiten. So erreicht die Buddhas Lehre immer mehr Menschen auf Ani Choyings ganz besondere Art und Weise.
Ani widmet ihre Energie und Zeit das Leben von 54 Nonnen zu finanzieren, aufrechtzuerhalten, sie über die Runden zu bringen und ihnen zusätzlich eine spirituelle und moderne Erziehung zu ermöglichen. Ani reist von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent, von Show zu Show und Meeting zu Meeting, nur um ihrem Nonnenkloster dies zu ermöglichen. In dem vorgeführten Film erzählte Ani, wie sie im klösterlichen Leben aufwuchs. Viele der dort lebenden Ordinierten kannten zwar Mantren, zeremonielle Rituale und buddhistische Texte auswendig, konnten jedoch nicht einmal ihren eigenen Namen schreiben. Die hohe Bedeutung, die Ani Choying einer modernen Erziehung zuschreibt, deckt sich mit den Ansichten S.H. Dalai Lamas zu diesem Thema. Als der Dalai Lama Ani Choyings Tempel einweihte, fragte er daher witzelnd „Du bringst ihnen doch hoffentlich nicht nur das singen bei, oder?“
In letzter Zeit erhält die Ehrw. Ani Choying immer wieder negative Kritik. In manchen Augen übertritt Ani Choyings wachsende Popularität und ihr „Pop-Star-Status“ die Grenzen eines adäquaten Verhaltens buddhistischer Nonnen. Viele Personen sind mit ihrer Lebensart und ihrer Methode des Geldverdienens durch das Singen nicht einverstanden. Daher wurde es Ani Choying immer wichtiger, die heilsame Motivation zu verdeutlichen, die hinter diesem Lebensstil steht.
Der Abend tibetischer Rezitation in der Pagode Phat Hue war ein Erfolg auf beiden Seiten. Zum einen fand sich ein Publikum von rund 100 Personen ein und lauschte den wunderschönen Gesängen und Chöd – Dharma – Vorträgen Ani Choyings. Zum anderen erhielt das deutsche Publikum einen Einblick in das bereits vergangene und gegenwärtige Privatleben der Ehrw. Ani Choying.
Mehr über Ani Choying sehen sie in unserem Video Interview
Unsere Hilfe für Burma
Spendenaufruf für die Opfer der Naturkatastrophe in Burma
Liebe Freunde, die Sangha der Pagode Phat Hue möchte mit Eurer Hilfe eine gezielte Unterstützung für die Betroffenen in Burma leisten.
Wir wollen mit den gesammelten Spenden den Menschen in ihrer Not helfen und die notwendigsten Nahrungsmittel zum Überleben sichern. Weiterhin wird die Hilfe zum Wiederaufbau von Unterkünften eingesetzt. Durch unsere persönliche Verbindung nach Burma können die Geldmittel direkt vor Ort übergeben werden und kommen daher den Hilfsbedürftigen ohne Umwege zu Gute.
Ihr könnt Eure Spende auf folgendes Konto mit dem Stichwort BURMA überweisen:
Deutsch-Vietnamesisch-Buddhistische Gemeinde e.V.
Hanauer Landstraße 443, 60314 Frankfurt
Kontoverbindung: Volksbank Frankfurt am Main
BLZ 501 900 00 Kto-Nr. 6200 985 883
Mit dieser Dana Praxis (Opfergabe) drücken wir auch unseren Dank dafür aus, dass wir in unserem Land in einer gesicherten Umgebung leben dürfen.
Bitte beteiligt Euch auch gemeinsam mit uns an der spirituellen Unterstützung und sendet täglich Kraft und Mitgefühl an die Menschen in Burma.
Vielen Dank für Eure Hilfe
Sangha Pagode Phat Hue
„Wir brauchen ein Jahrhundert des Dialogs, um unsere Probleme friedlich lösen zu können!”
Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama in Berlin
Große Solidaritätskundgebung für Tibet am 19. Mai 2008. Über 25.000 Menschen hatten sich am Montagnachmittag rund um das Brandenburger Tor versammelt, als das geistliche Oberhaupt der Tibeter die Bühne betrat. Gleich zu Beginn seiner Rede bewies Seine Heiligkeit einmal mehr, was grenzenloses Mitgefühl in der praktischen Umsetzung bedeutet: „Lasst uns unsere Anteilnahme für die chinesischen Brüder und Schwestern ausdrücken – viele haben ihre Angehörigen durch das Erdbeben verloren und leiden“. Darüber hinaus appellierte er an seine Landsleute, die Demonstrationen vor Ort in Tibet für ein paar Tage auszusetzen, um Mitgefühl für das chinesische Volk zu zeigen.
Seine Heiligkeit bedankte sich für die große Unterstützung der westlichen Welt für die aktuelle Situation in Tibet. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass es nicht darum gehe, „Pro-Tibet“ oder „Pro-China“ Stellung zu beziehen. Vielmehr gehe es darum, sich „Pro-Gerechtigkeit“ einzusetzen. Das 20. Jahrhundert sei voll von Blutvergießen gewesen – es sei daher höchste Zeit für ein Jahrhundert des Dialogs und des Mitgefühls. „Bitte weitet Eure Besorgnis aus auf alle leidenden Wesen – schaut nicht nur nach Tibet!“
Der 14. Dalai Lama verdeutlichte zudem, dass er „das große weite Land mit der roten Flagge“ wertschätze und entgegen chinesischer Berichterstattung keine Abspaltung von China anstrebe. „Ich habe kein Problem damit, wenn die chinesische Flagge mit den fünf Sternen neben der tibetischen Nationalflagge weht.“ Tibet sei wirtschaftlich betrachtet durchaus auf China angewiesen. In kultureller Ansicht aber könne China, vor allem auch die junge Generation, sehr viel von der Spiritualität Tibets profitieren.
Gegen Ende seiner Ansprache ermutigte Seine Heiligkeit die Zuhörer, ihren Enthusiasmus für die Sache Tibets auch im eigenen Alltag einzusetzen. „Wenn Ihr Euren Enthusiasmus für Gewaltlosigkeit und menschliche Werte in Eurem Alltag umsetzt, helft Ihr nicht nur Euch selbst, Eurer Familie und Eurer Gemeinschaft, sondern letztendlich auch den Tibetern. Auf diese Weise können wir eine wahrhaft friedliche Welt schaffen!“
Ausrichtung der Olympischen Spiele durch China
8.4.08, Frankfurt
Offener Brief des buddhistischen Zen-Meisters und Abts Thich Thien Son
– Abt der Pagode Phat Hue in Frankfurt –
Nach dem olympischen Geist ist von Kriegen, Hass und Konflikten abzusehen, damit Spieler und Zuschauer sich auf der menschlichen Ebene begegnen und Nationen zueinander finden können. Wir sehen aber, dass China im Vorfeld der Spiele nicht gewillt ist, diesen Grundsatz anzuerkennen. Statt dessen treten die chinesischen Machthaber die Menschenrechte immer wieder mit Füßen.
So wurde gerade der Bürgerrechtler Hu Jia zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, weil er das Recht der Meinungsfreiheit für sich beanspruchte. Und Yang Chunlin, der sich gegen die Zwangsumsiedlung von Menschen wandte, wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die chinesische Regierung plant nach den olympischen Spielen, eine Million weiterer Chinesen in Tibet anzusiedeln, damit demonstriert sie den Willen zur Fortsetzung ihrer ethnischen Strategie. Das tibetische Volk und seine Kultur sollen ausradiert werden. Und die Planung, den olympischen Fackellauf durch Tibet zu führen, macht deutlich, dass die Tibeter mit allen Mitteln gedemütigt werden sollen. Mit solchen Formen der Machtdemonstration wird Hass erzeugt. Die Verunglimpfung des Dalai Lama gehört ebenfalls zum Handwerk der politischen Machthaber. Dabei fordert er nicht die Loslösung von China, sondern das Recht der Tibeter auf Identitätserhaltung. Die Unruhen in Tibet sind Ausdruck des Ohnmachtgefühls eines Volkes, dessen Rechte über Jahrzehnte hinweg verunglimpft wurden. Der Dalai Lama fordert von den chinesischen Behörden Dialog statt Unterdrückung.
China wird versuchen die Spiele als eine Plattform für geschönte Selbstdarstellung zu nutzen. Die chinesischen Machthaber setzen gezielt ihre Medien und politischen Werkzeuge ein, um der Außenwelt Harmlosigkeit zu präsentieren. Sie üben Druck aus und versuchen, westliche Medien auf diesem Wege mundtot zu machen. Hier findet eine geplante Manipulation der Weltöffentlichkeit statt. Es ist zu befürchten, dass während der Spiele nach außen hin eine Scheinruhe erzeugt wird. Nach innen aber – vielfach unbemerkt von Touristen und Spielern – werden die Machthaber weiterhin mit harter Hand regieren.
Sollten Sportler wirklich an Spielen teilnehmen, die von Machthabern ausgerichtet werden, die keine Moral in sich tragen? Olympische Spiele sind doch kein Straßenfest, wo einzelne Sportler sich „mal eben so treffen“. Sie vertreten vielmehr die gesamte Nation. Es kann auch nicht sein, dass wir aus Sportsgeist Ethik und Moral vergessen. Wir lassen schließlich bei den Spielen die Moral auch nicht beiseite. Faule Tricks führen zur Disqualifikation.
Besonders die offiziellen Repräsentanten von Politik, Wirtschaft und Sport sollten bedenken, dass sie durch ihre Unterstützung oder Anwesenheit während der Spiele das chinesische Regime aufwerten. Wenn politische Machthaber nicht jedem Bürger das Recht auf Freiheit und Unversehrtheit gewähren, wie sollte denn da Sport zu Frieden und Völkerverständigung beitragen können? Die Deutschen sollten nicht aus Schuldgefühlen heraus ihre leidvollen Erfahrungen der Geschichte ausblenden. Deutschland hat erfahren, wie durch internationale Duldung und Besänftigungsstrategien ein Unrechtssystem gestärkt wurde. Fordert die Vergangenheit jetzt nicht zu einem anderen Handeln auf?
Die buddhistische Sicht ist eindeutig. Ereignisse, Situationen, Systeme bilden eine Bedingungsgefüge. Mit unserem Handeln haben wir daran Anteil. Wenn wir die olympischen Spiele unterstützen, schaffen wir eine weitere Bedingung dafür, dass China sein Vorgehen gegenüber Menschen als rechtmäßig ansehen kann. Bleiben wir passiv und tun gar nichts, liefern wir ebenfalls eine weitere Bedingung für eine unheilsame Situation. Es kann also nicht darum gehen ein Bedingungsgefüge hinzunehmen. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, durch heilsame Impulse ein neues Bedingungsgefüge zu erzeugen. Nur so können wir helfen, nur so schaffen wir die Grundlage für eine friedvolle Welt.
Friede ist immer möglich, der Wille dazu muss nur stark genug sein!
Abt Thich Thien Son
Vietnamesisches Neujahrs- und Kulturfest
Im Rahmen der mehrtägigen vietnamesischen Neujahrsfeierlichkeiten lud die Vietnamesisch-Buddhistische Gemeinde Frankfurt e.V. am Samstag, den 9. Februar 2008 zu einem abwechslungsreichen Programm. Nahezu 2000 Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen an den buddhistischen Zeremonien und dem abendlichen Unterhaltungsprogramm teil.
Nach der Eröffnung des Tages hatten die Besucher die Möglichkeit, Zuflucht zu den drei Juwelen (Buddha, Dharma und Sangha) zu nehmen. Sie verpflichten sich von unheilsamen Handlungen Abstand zu nehmen und mehr und mehr heilsamen Taten und Gedanken in ihrem Leben Raum zu geben. Im Anschluß an die buddhistische Zufluchtnahme hielt der Abt der Pagode, Thich Thien Son, eine Ansprache zum Beginn des „Jahres der Ratte“.
Was können wir selbst für ein „gutes 2008“ tun? Wir sollten achtsam sein im Umgang mit uns selbst und mit anderen – uns selbst und unsere Mitwelt nicht verletzen, Harmonie praktizieren und Neid loslassen. Zuguter letzt – das Schwierigste von allem -: sollten wir versuchen uns selbst anzunehmen und lieben zu lernen – denn nur dann werden wir unserer Mitwelt gegenüber echtes Mitgefühl empfinden können.
Wer Mittwochnacht noch nicht die Neujahrssegnungen mit den Reliquien empfangen konnte, hatte dazu nach der Neujahrsrede nochmals die Gelegenheit.
Damit war der zeremonielle Teil des Tages offiziell abgeschlossen – die Buddhahalle blieb dennoch bis in die Nacht mit Besuchern gefüllt. Räucherstäbchen wurden für die Erfüllung von Neujahrswünschen entzündet, üppige Opfergaben vor den verschiedenen Buddhastatuen platziert und Bitten um die Widmung von heilsamen Rezitationen für kranke und tote Verwandte abgegeben.
Das kulturelle Abendprogramm bot Tanz und Gesang, sowie Kampfsportvorführungen und Theateraufführungen. Für das leibliche Wohl der zahlreichen Gäste sorgte ein bunt gemischtes, exotisches Buffet.
Die großen buddhistischen Jahreskreisfeste dienen nicht nur der Pflege des buddhistischen Glaubens, sondern sind darüber hinaus ein wichtiger sozialer Treffpunkt für Vietnamesen aus ganz Deutschland geworden.
Vietnamesisches Neujahrsfest in Frankfurt
6. Februar 2008, Mitternacht. In der hell erleuchteten Buddhahalle warten die Besucher gespannt auf den Einzug der Mönche und Nonnen. Dann erschallen der dumpfe Klang der großen Glocke und der durchdringende Ton der großen Trommel – Auftakt für den religiösen Festakt. Video-Dokumentation. Das vietnamesische Neujahr beginnt diesmal am 7. Februar. Nach dem Tierkreiszeichen steht es unter dem Leitbild der Ratte, Symbol für Wende und tiefgreifende Veränderung.
Neujahr ist für die Vietnamesen gleichzeitig auch Frühjahrsbeginn. In den Wohnzimmern und Tempeln in Vietnam dürfen weder die gelbblühenden „Mai-Bäumchen“ noch die Kirschbaumzweige fehlen. Bei unserem Klima reicht es nur zu künstlich erblühten Bäumchen, so haben fleißige Helfer der Pagode in tagelanger Arbeit große Zweige mit Papierblumen geschmückt.
Aber natürlich ist die Halle auch mit frischen Blumen und Obst dekoriert. Auf dem großen Schrein befindet sich ein kunstvolles Arrangement aus Gerbera, Lilien, Chrysanthemen, Orchideen, sowie Melonen, Mandarinen, Mangos, Papayas und Birnen. Diese Vielfalt und Fülle von Blumen und Früchten versprechen materiellen wie auch spirituellen Reichtum.
Üppigkeit verspricht auch die Traditionsfigur des „Glücksgottes“. So schreitet am Ende des Prozessionszuges ein Mann herein, der mit einem mächtigem Kopfputz ausgestattet und mit einem blauen Gewand bekleidet ist. Er verkörpert diesen Gott. In der Hand hält er einen glänzenden Kultgegenstand. Berührt man diesen Gegenstand, soll Reichtum im neuen Jahr in greifbare Nähe rücken.
Nach dem feierlichen Einzug der Mönche und Nonnen und einem imposanten Spiel von Glocke und Trommel findet die religiöse Zeremonie statt, eine Rezitationsfolge von Sutren und Schutzmantren. Die Gläubigen rufen den Maitreya-Buddha an und geloben, freundlich und friedfertig zu sein. Freundlichkeit und Friedfertigkeit wünschen sie auch ihren Familien, ihrer näheren Umgebung und der ganzen Welt.
Dann treten zwei weitere Traditionsfiguren auf: manchmal werden sie Löwen, manchmal auch Drachen genannt. Junge Männer und Kinder in prachtvollen Kostümen mimen diese Tiere und führen den Löwentanz auf. Das Erscheinen der Fabelwesen am Neujahrstag verheißt Frieden, ihr Ausbleiben dagegen lässt Krieg befürchten.
Kaum sind die Löwen in die Buddahalle eingezogen, beginnt im kleinen Garten hinter der Buddahalle eine schier unendliche Salve von Knallern. Der Lärm vertreibt die bösen Geister und schlechten Energien, so glaubt man. Das neue Jahr soll glücklich verlaufen.
Nun folgen die Segenswünschen des Abtes, des Vertreters der Sangha und des Vertreters der deutsch-vietnamesischen Gemeinde: Chúc mừng năm mới – ein gutes neues Jahr! An khang thịnh vượng -Sicherheit, Gesundheit und Wohlstand! Abschließend erhalten die Besucher den Reliquiensegen und nehmen die kleinen symbolträchtigen Geschenke entgegen.
Gegen 1.30 Uhr lehrt sich die Buddahalle, denn für viele Vietnamesen ist am nächsten Morgen ein ganz normaler Arbeitstag, leben sie doch in einem Land mit einem ganz anderen Festkalender.
Von Windmühlen und Mauern im Wind
Bericht zu einem Seminar mit schweizer Unternehmern in Berlin
Prof. Dr. Anton Gunzinger, Inhaber der Firma „Super Computing Systems“ in Zürich, ist der Veranstalter einer Seminarreihe zum Thema „Forschungsreise zur Seele des Unternehmens“. In diesem Jahr fand das 4. Seminar dieser Veranstaltungsreihe statt, welche aus dem Gedanken heraus entwickelt wurde, wirtschaftliche und ethische Grundsätze miteinander zu verbinden. Diese Idee führte zu einem fruchtbaren Austausch zwischen Prof. Dr. Gunzinger und Abt Thich Thien Son.
Am 17. Januar trafen sich 23 schweizer Unternehmer sowie 6 Mönche und Nonnen der Pagode Phat Hue in Berlin. Was bringt diese auf den ersten Blick doch recht unterschiedliche Gruppen zusammen? Nun, das Thema „Wendepunkte“.
Unternehmen sind mit ihren Aktivitäten in den Konjunkturzyklus eingebettet: Phasen des Aufschwungs und des Booms wechseln mit Phasen des Abschwungs. Die Kunst des Unternehmers besteht darin, Kurskorrekturen möglichst rechtzeitig vorzunehmen oder- ist im schlimmsten Fall die Depression erreicht- das Unternehmen wieder aus der Talsohle herauszuführen.
Buddhistische Mönche und Nonnen sind nun keine Wirtschaftsfachleute, aber man könnte sie schon als Experten für das Thema „Wandel“ ansehen, lehrt doch der Buddhismus, dass alles ständig der Veränderung unterworfen ist. Entsprechend lernen Buddhisten die Wahrnehmungsfähigkeit für den Augenblick und für die Möglichkeiten des Wandels zu stärken. Zum andern lernen sie im Rahmen der buddhistischen Psychologie zu erkennen, wie und wo Blockaden auftreten, die spontanes angemessenes Handeln verhindern.
Und so bearbeiteten beide Gruppen gemeinsam drei Tage lang das Thema Wendepunkte. Welcher Ort könnte da besser den Rahmen liefern als Berlin, die Stadt, die in den letzten 60 Jahren einer Vielzahl politischer Krisen ausgesetzt war und die deutliche Einschnitte erlebt hat: von Westdeutschland abgetrennt, von kommunistischen Herrschaftsansprüchen bedroht, geteilt, in den 80iger Jahren wiedervereint und als Hauptstadt wieder anerkannt.
Wie können wir Wendepunkte wahrnehmen, warum gehen wir wider besseren Wissens oder Fühlens dem Abgrund entgegen, welche Chancen ergeben sich, wenn wir uns auf Veränderungen einlassen? Solche und ähnliche Fragen standen im Mittelpunkt des Seminars.
„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen manche Mauern und manche Windmühlen“
Laotses Ausspruch zeigt zwei verschiedene Grundmuster des Menschen. Die Notwendigkeit von Veränderungen nicht wahrnehmen zu wollen und sie abzublocken, erklärt sich daraus , dass wir gerne an Vertrautem und Gewohntem festhalten wollen. Das, was wir kennen, gibt uns Sicherheit, wenn auch oft nur eine Scheinsicherheit. Das Neue und Ungewohnte dagegen löst ein ungutes Gefühl oder sogar Ängste in uns aus, Angst vor dem, was wir nicht vollständig einschätzen und damit auch nicht kontrollieren können, also igeln wir uns ein, solange, bis die Krise wirklich nicht mehr zu verleugnen ist. Damit aber haben wir wertvolle Zeit und Energie verspielt, die wir zur Umstrukturierung oder zum Neuaufbau längst hätten nutzen können.
Aus buddhistischer Sicht ist alles immer im Prozess. Die Kunst des Handelns ist die Kunst, den Augenblick wahrzunehmen und offen zu sein, denn die Zukunft strukturiert sich aus der Gegenwart.
Natürlich, sind wir erst einmal in eine Krise hineingeraten, so ist es zunächst sehr schmerzhaft, sich die Situation einzugestehen. Aber die Lösung besteht niemals darin, vor dem Schmerz zu flüchten und den aufkommenden Ängsten auszuweichen. Angst ist eine zutiefst menschliche Reaktion, wir können sie nur auflösen, wenn wir sie anschauen, sozusagen hindurchgehen. Gleiches gilt für den Schmerz. Die Möglichkeit zur Kurskorrektur ist in jedem Augenblick gegeben und dabei gibt es keine noch so tiefe Krise, für die es nicht auch einen Ausweg gibt. Wichtig ist, das Tief niemals nur unter dem Aspekt des Negativen zu betrachten.
Da alles immer veränderlich ist, sind unsere Situationen niemals nur in eine Richtung festgelegt, folglich kann man auch einem Tief eine positive Wende geben. So betrachtet- und niemand kann uns daran hindern es so zu sehen- bieten Krisen geradezu die Chance zum Neubeginn. Was wir brauchen, ist Mut und die Entschlossenheit, weder in Selbstmitleid zu versinken, noch den andern die Schuld zu geben. Und Offenheit, um neue Perspektiven zu erkennen und vielleicht die Wertigkeiten anders zu setzen. Wenn uns dies gelingt, dann sind wir wie Laotses „Windmühlen im Wind des Wandels.“
Ordination in der Pagode Phat Hue
Im Rahmen einer stimmungsvollen Feier wurden am 28.12.2008 drei Anwärter in den Lin -Chi Orden der Pagode Phat Hue aufgenommen. „Ich heiße Lelio de Dominicis, bin 31 Jahre alt und bitte um Aufnahme in die Sangha“. Lelio ist einer von drei jungen Leuten, die am 28.12.07 in den Orden aufgenommen wurden. Warum wünschen in der heutigen Zeit Männer und Frauen als Novize oder Novizin den Ordensweg zu gehen und ihr Leben in der Gemeinschaft zu verbringen ?
Die Antworten sind ganz individuell: So sagte Maya Oelke, sie habe schon als Kunststudentin den Wunsch gehabt, eine gute Künstlerin und ein guter Mensch zu werden. Sie wünsche sich, wahres Mitgefühl zu entwickeln, ihr sei aber bewusst, dass sie dazu große Klarheit und Selbstvertrauen aufbauen müsse. Die Sangha sei nun genau der richtige Ort, um sich selbst zu reflektieren, Selbstvertrauen zu gewinnen und klare Strukturen in sich selbst zu entwickeln.
Wolf Schacht sagte bei seiner Vorstellung, er habe in den letzten Monaten, die er gemeinsam mit den Mönchen und Nonnen als Praktikant verbracht hatte, gemerkt, wie gut ihm das Gemeinschaftsleben getan habe und wie sehr er sich selbst den Mitmenschen gegenüber öffnen konnte. Warum er sich nun wünschte, Mönch zu werden, konnte er jedoch kaum auf einen Aspekt reduzieren: ” Ich will Mönch werden, um heraus zu finden, warum ich Mönch werden will!” Er folgte bis zur Ordination einem tiefen inneren Gefühl, das Richtige zu tun.
Alle drei Anwärter brachten zum Ausdruck, dass sie Thich Thien Son, dem Abt der Pagode, großes Vertrauen entgegenbringen und wünschen, von ihm als ihren Meister auf dem Weg begleitet zu werden, „ ein Weg, der sicher auch mal mit Hindernissen gepflastert sein kann “- wie der junge Italiener Lelio sagte – „und wo die Hilfe des Meisters unabdingbar wird.“
Die Zeremonie der Ordination vollzog sich in mehreren Schritten: nach der förmlichen Anfrage um Aufnahme folgte der Dank an die anwesenden Eltern und die Bitte um deren Verständnis und Unterstützung.
Die Eltern haben die Kinder in Liebe und Sorge großgezogen und somit für die jungen Anwärter die Bedingungen geschaffen, damit diese den Weg als Mönch oder Nonne gehen können. Mit dem Eintritt in den Orden findet nun ein Wechsel im Rollenverständnis statt. Die Ordinierten kultivieren ihren Geist, lernen, ihr Herz zu öffnen und wollen mit ihrer Kraft und Weisheit allen Lebewesen zu Verfügung zu stehen. Folglich konzentrieren sich ihre Pflichten nicht mehr allein nur auf die Eltern und die Familienmitglieder. Deswegen haben die Mönchs- und Nonnenanwärter die anwesenden Eltern gebeten, sie von ihrer Kindrolle zu entbinden.
Das Einverständnis der Eltern ist- so von Buddha vorgegeben –Voraussetzung für die Aufnahme in den Orden. Darüber hinaus ist für die jungen Leute entscheidend, dass die Eltern bereit sind, sie auf dem neuen Weg zu begleiten und zu unterstützen. Denn erst auf dieser Grundlage kann eine friedliche, harmonische Beziehung mit der Familie hergestellt werden. Es sei angemerkt, dass die Mönche und Nonnen keineswegs abgeschlossen hinter Klostermauern leben, das bedeutet, dass die Eltern auch als Gäste in der Pagode jederzeit herzlich willkommen sind. So berichtete Hue Nghi, einer der älteren Novizen, dass sich seit seinem Ordenseintritt das Verhältnis zu seinen Eltern durch die Besuche und die vielen Gespräche deutlich verändert habe und die Beziehung zu seinen Eltern nun sehr viel enger und verständnisvoller sei als früher.
„Wer aus der Sangha gegen die Aufnahme der Anwärter in den Orden sei, erhebe seine Stimme jetzt oder schweige für immer“, sagte der Abt laut und vernehmlich. Stille im Raum, damit sind die jungen Menschen aufgenommen.
Mit der Aufnahme in den Orden beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der in der Zeremonie zum einen durch eine förmliche Handlung der Reinigung und zum andern durch das Schneiden der Haare sowie der feierlichen Einkleidung zum Ausdruck gebracht wurde. Buddhistische Mönche und Nonnen verzichten vollständig auf ihre Haarpracht und zeigen damit, dass sie den Äußerlichkeiten des Lebens, den Symbolen der äußeren Schönheit, nicht mehr verhaftet sein wollen. Auch das Tragen der bescheidenen braunen Ordenstracht ist symbolhaft zu verstehen. ’Kleider machen Leute’ sagt unser Sprichwort; mit dem Anziehen der einfachen Robe demonstrieren die Novizen wiederum, dass äußere Phänomene nicht mehr wichtig genommen werden.
Am Ende des feierlichen Festaktes, der insgesamt zwei Stunden dauerte , betonte der Abt der Pagode nochmals die Aufgabe der Mönche und Nonnen: Kultivierung des Geistes, die Entwicklung tiefer Einsicht und mitfühlende Hinwendung an alle Lebewesen. Er hob hervor, dass das Kloster und die Klostergemeinschaft die bestmöglichsten Rahmenbedingungen für diese Aufgaben stellten, dass die Verantwortung aber zur Umsetzung und Wandlung beim Einzelnen liege.