Allgemeines
Kinder erobern Pagode – Laternenfest 2008
Über 400 Kinder und ihre Eltern besuchten am heutigen Samstag das große Kinder- und Laternenfest der Pagode Phat Hue. Die Clowns und das Theater der Sanghagemeinschaft, Spiel, Spaß und Gesang sowie eine riesige Menge Luftballons bescherten unseren kleinsten Gästen einen bunten und abwechslungsreichen Tag.
Um 15 Uhr wurde das Fest von den Teilnehmern des Trommel-Workshops eröffnet. Die nächsten Stunden sollten ganz den Kindern und denen, die es wieder einmal sein wollten, gehören. In der Buddhahalle tanzten die Kinder einen verrückten Tanz mit Musik und einer Wagenladung Luftballons, im Vorraum der Pagode bot ein verrücktes Clownpaar allen Interessierten Luftballontiere- pflanzen, -schwerter und –hüte an – sie waren von Anfang bis Ende von Kindern umringt.
In der oberen Etage gab es den bereits genannten Trommel-Workshop: Viele verschiedene Congas und jembés standen den Kindern zu Verfügung und wurden von Florian Dressler angeleitet. Einen Raum weiter konnte man das Geheimnis der Dunkelheit ergründen – im von den Nonnen der Pagode kreierten Fühl- und Tastraum. Jedes Kind, das die dort im Dunkeln zusammengetragenen Dinge richtig erfühlen konnte, erhielt einen kleinen Preis. Im Bastel- und Schminkraum entwickelte sich aus so manchem Kindergesicht ein Schmetterling, eine Katze oder ein gruseliger Geist. Dort gestalteten viele Kinder mit einem hohen Maß an Kreativität und Tatkraft bunte Spiegel und bastelten sich ihre eigenen Laternen, deren farbenprächtige Lichter später munter durch die Nacht tanzen sollten.
Bis dahin war es jedoch noch eine ganzes Stück, genug Zeit um vielen Kindern die Möglichkeit zu geben, auf der Bühne musikalisches, schauspielerisches oder tänzerisches Können unter Beweis zu stellen. Den Höhepunkt stellte mal wieder das eigens einstudierte Theaterstück der Ordinierten der Pagode dar: Mit selbst geschneiderten und gebastelten Kostümen, selbst geschriebenem Drehbuch und einer großen Portion Spaß an der Sache, boten die Mönche und Nonnen eine Geschichte aus Buddhas vorherigen Leben dar: Der Reiher und der Krebs. Anschließend ging es los zum großen Finale: Dem Flug der traditionellen, asiatischen Drachen gleich, schlängelten sich die bunten Laternen mit ihren Trägern durch die Dunkelheit. Am Ende des Marsches fand der Abschluss des Abends mit einer imposanten Feuer- Trommel- und Drachentanzshow statt.
Die junge Sangha der Pagode Phat Hue hat nun zum 3. Mal zusammen mit der vietnamesischen Gemeinschaft dieses Laternenfest organisiert. Wir haben jedes Mal viel Freude an den Vorbereitungen und der Durchführung des Festes. Doch ohne die Hilfe vieler tatkräftiger Helferinnen und Helfer, hätte das Fest auch dieses Jahr nicht so stattfinden können. Vielen Dank an alle, die uns geholfen haben – Sie haben nicht nur uns, sondern in erster Linie den Kindern einen wunderschönen Tag geschenkt.
Karuna Informationsabend war voller Erfolg
Am Samstagabend haben das Karuna-Team um den Ehrw. Bhante Punnaratana in der Pagode Phat Hue das Karuna Samadhi Projekt in warmer und familiärer Atmosphäre den Besuchern vorgestellt. Auch ohne viel Ankündigung für diese warmherzige Abendveranstaltung und das dahinterstehende Kinderhilfsprojekt, kamen überraschend viele Besucher in die Pagode und füllten den zur Verfügung gestellten Raum schnell bis auf die letzten Sitze. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich eine nahezu familiäre Atmosphäre. Neben der Projektvorstellung und einer dazugehörigen Filmdokumentation boten die Organisatoren des Projektes singhalesische Speisen, Tanzvorführungen sowie gemeinsame Meditation an.
Der Professor der Buddhist Pali University Colombo in Sir Lanka der Ehrw. Bhante Piyaratana hielt eine Dharmarede mit dem Thema “Können Buddhisten ihr Leben genießen?”. Anschließend beteiligten sich einige Besucher an einer Frage-und-Antwort-Runde. Den Abschluss bildete eine sehr schöne Licht-Meditation, bei der alle Anwesenden eine Kerze nach kurzer Gehmeditation auf den Altar der Buddhahalle stellten. Jeder Teilnehmer erhielt zum Abschied ein Glücksbändchen um das Handgelenk gebunden.
Sanghaleben und Kressepflanzen
Diese kurze Dharma-Belehrung gab der Ehrw. Abt der Pagode Phat Hue den anwesenden Mönchen und Nonnen während einer der täglichen Morgenbesprechungen in der Pagode Phat Hue.
Ich habe mir einmal einige Kressesamen gekauft und wollte sie keimen lassen. Ich streute sie auf den Boden einer breiten und flachen Metallschüssel und einer meiner Schüler hatte die Aufgabe, sie zu gießen. Ich beobachtete nach einigen Tagen, wie die Keime, sobald auch nur ein wenig zu viel gegossen wurde, im Zentrum der Schüssel anfingen einzugehen, zu verfaulen. Das überschüssige Wasser sammelte sich dort an. Die Keime, die bereits anfingen einzugehen, steckten schnell die anderen Pflänzchen um sich herum an. Gießt man eine kleine Gruppe des Ganzen zuviel, fängt sie an zu faulen und steckt obendrein die anderen an. Es ist wie in einer Gemeinschaft wie der unseren hier: Wenn ein Keim der Gemeinschaft fault, greift das schnell auf die benachbarten Keime über. Daher ist es für Ordinierte in einer Sangha-Gemeinschaft äußerst wichtig, die faulenden Stellen in körperlicher, sprachlicher und geistiger Hinsicht zu beseitigen und umzuwandeln.
Wer versucht alleine zu wachsen, hat keine Überlebenschance…
Ein weiteres Phänomen der Pflanzenwelt können wir auf das Sanghaleben übertragen:
Ein Keim, der versucht alleine zu wachsen, besser, höher und stärker, hat eigentlich keine Überlebenschance. Er wächst weitab von der Gruppe, hat keinen Halt, keine Stütze. Er steht allein und kann daher als erster gepflückt und gefressen werden. Oder er wächst gar nicht erst so hoch, dass er gegessen werden kann, da er ohne den Halt der Gruppe einknickt und nicht weiter wächst. In einer Sanghagemeinschaft geht es darum, gemeinsam zu wachsen und sich gegenseitig zu stützen und nicht darum, sich von den anderen hervorzuheben, besser zu sein, besonders zu sein. Wir sind alle wie die Keime, können in einer unheilsamen und in einer heilsamen Art wachsen und gedeihen. Wer im Leben als Mönch Bestätigung für sein eigenes Ego sucht, möchte sich über die Köpfe der Anderen emporheben und gesehen werden, wie der kleine Kressesamen, der sich besonders weit nach oben reckte. Doch wir wissen, was ihm dort passieren kann. Er kann den Halt durch die Sanghagemeinschaft verlieren. Eine Gemeinschaft merkt sehr schnell, wer nicht mit sondern gegen den Strom arbeitet. Neid, Missgunst und Ärger sind da nicht weit und vergiften die Atmosphäre. Im Zen-Buddhismus spielt der Meister hierbei eine wichtige Rolle. Er spiegelt die Probleme seiner Schüler wider. Er sieht es als erster, welche seiner Kressepflanzen sich zu weit nach oben reckt und gestutzt werden müsste – wer am höchsten wächst, wird zuerst gefressen.
Ein Lächeln schenken…
In Sanghagemeinschaften ist das höchste Ziel Harmonie. Nur in einer harmonischen Gemeinschaft kann die buddhistische Praxis Früchte tragen ohne Zwietracht zu streuen. Wir wissen, wie schnell der Neid die Menschen enzweit und Distanz schafft. Ich kenne einige Mönche und Nonnen aus der vietnamesischen Tradition, die sich nicht durch besondere große Dharma-Reden auszeichnen, sondern allein durch ihr Lächeln Menschen belehren. Ein Lächeln zu schenken bedeutet oft viel, viel mehr als tausend Worte. Wer seiner Sanghagemeinschaft ein Lächeln schenkt, trägt bereits viel zu Harmonie und gegenseitigem Respekt bei. Und das sollte man nicht nur bei Personen praktizieren, die uns sympathisch sind. Gerade den Menschen, mit denen wir Problemen haben, müssen wir ein Lächeln schenken und versuchen, einen neuen Weg zu finden, mit ihnen umzugehen. Mönchspraxis bedeutet auch Lächeln. Gerade in Situationen des Ärgers und der Enttäuschung ist es wichtig, liebende Güte zu praktizieren.
Klarheit und Harmonie
Die 5 Silas geben den Kressepflanzen einer Sangha einen gesunden Halt, durch den sie gemeinsam wachsen können. Es ist sehr wichtig, dass die Mitglieder einer Sangha die gleiche Praxis verfolgen. Die jungen Sanghamitglieder, die noch grüne Pflänzchen sind, sich aber leicht zu Unkraut weiterentwickeln können, müssen daher gemeinsam der Silapraxis nachgehen. Die Silas sind, wenn man sie mit Klarheit praktiziert, der Schlüssel zu einem harmonischen und heilsamen Gemeinschaftsleben.
Samen des Unheils herausreißen…
Wir müssen achtsam mit unseren Sanghabrüdern und –schwestern umgehen. Wenn wir offen und mit liebender Güte das Sanghaleben leben, schaffen wir dadurch den Ort, an dem die buddhistische Praxis blühen und gedeihen kann. Sind wir jedoch nur auf unser Ego konzentriert und heben uns über die Sangharegeln hinweg, schaffen wir unheilsame Energien in der Sangha. Neid, Zwietracht, Missgunst sind die Früchte dieser Haltung. Einem faulen Kressesamen gleich, können sie die restlichen Pflanzen anstecken und jegliche Harmonie zerfressen. Daher ist es erste Aufgabe eines jungen Praktizierenden, alle unheilsamen Samen in seinem Geist zu erkennen und mit der Wurzel herauszureißen.
Das Ego – unser Selbstbild
Alle Phänomene, Taten und Gefühle beruhen auf Bedingungen. Diese Bedingungen sind wiederum abhängig von der Beschaffenheit unseres Egos. Ist unser Ego heilsam, ziehen wir positiven Gefühle und Handlungen an, ist es unheilsam, so ziehen wir Negativitäten an.
Was ist das Ego?
Buddha spricht von Atman. Wir übersetzen den Begriff mit Ich, Selbst oder Ego. Unser Ego ist eine falsche Vorstellung von den 5 Aggregatzuständen:
– falsche Vorstellung vom Körper
– falsche Vorstellung von den Gefühlen
– falsche Vorstellung über die Ideen
– falsche Vorstellung über die Gewohnheitsstrukturen
– falsche Vorstellung über die Wahrnehmung
Anders ausgedrückt, Ego ist nur eine Vorstellung von einem Selbst oder Ich. Es ist also ein Konzept und kein fixes Wesen, wie von uns oft irrtümlicherweise angenommen. Unsere Vorstellungen vom Selbst unterliegen der Veränderung. Wenn unser Körper jung und schön ist, fühlt sich unser Ego stark. Wenn aber unser Körper altert und wir ihn nicht mehr schön finden, dann ist unser Ego schwach. Wir sehen, die Veränderung eines Aggregatszustandes- hier des Körpers – kann unser gesamtes Selbstbild ins Wanken bringen. Unser Ich oder Ego ist abhängig von positiven oder negativen Erfahrungen, die wir machen.
Wie entsteht das Ego und wie funktioniert es?
Das Ego, also die Vorstellung von einem Ich, entsteht aus unseren Wunschbildern. Wir wollen etwas sein und etwas können. Wir wollen zum Beispiel schön sein und wertgeschätzt, angesehen oder akzeptiert werden, also entwickeln wir ein entsprechendes Selbstbild.
Dieses Bild aber basiert auf unseren tiefliegenden Grundängsten. Wir haben Angst, verlassen oder abgelehnt zu werden oder wir befürchten minderwertig zu sein. Aus unserer Angst und der damit einhergehenden Unsicherheit heraus entwickeln wir gegenteilige Vorstellungen, unsere Wunschträume. Wenn wir zum Beispiel fürchten, abgelehnt zu werden, präsentierten wir uns vielleicht als Mulitalent oder als großer Denker und hoffen, auf diese Weise Anerkennung und Zuneigung zu erhalten. Mit der Umsetzung solcher Egobilder aber fangen unsere Probleme an.
Jeder Mensch kann erkennen, dass seine Ich-Vorstellung nicht haltbar ist– sie ändert sich ja jeden Tag, jeden Moment und jede Sekunde. Es ist ein ständiges auf und ab. Der Kern unseres Selbst, den wir so sehr suchen, entpuppt sich als nicht greifbar. Denn wir sind unterschiedlich, je nachdem in welchen Bedingungsfeld wir uns befinden. Ob wir im Regen stehen oder statt dessen in der Sonne liegen macht einen deutlichen Unterschied, wir sind jeweils ein ganz anderer Mensch. Wir machen jedoch das ständige Auf und Ab unserer Bilder mit. Statt unser Ego aufzudecken, lassen wir uns täuschen.
Wenn jemand sagt: „Deine Arbeit ist so schlecht“, sagen wir „Nein, ich mache es die ganze Zeit, ich bin so gut .“ Man identifiziert sich mit dem, was man macht. Was man tun, das ist man, denken wir. Je mehr Ruhe man jedoch in sich hat, desto eher wird man erkennen, dass man ständig defensiv ausgerichtet ist und verteidigt, was gegen das Egobild spricht. Und je mehr man das Gefühl hat,das Ego stärken zu müssen, desto defensiver wird das Verhalten sein und desto sturer und starrer wird man.
Wenn man allerdings flexibel ist und die Bedingungen des Moments akzeptiert, kann man die dahinter liegenden Ängste aufdecken. Dann erkennt man auch, dass man ein Egobild hat welches man gerne verteidigt.
Woher kommt dieses Selbstbild? Wovor habe ich Angst?, das sind Fragen, die wir uns stellen können, um Klarheit darüber zu erhalten, welche Egobilder wir ständig reproduzieren, wie wir dieses Selbstbild immer wieder beschützen und in welcher Weise wir dadurch unser Leid ständig erneut erzeugen.
Wie kann man das Ego loslassen ?
Das Ego ist nur eine konzeptuelle Idee. Wenn wir die Realität erkennen wollen, müssen wir dieses Ego, also das von uns entworfene Selbstbild loslassen. Loslassen heißt nun aber nicht, dass das Ego im wörtlichen Sinne zu zerstören ist. Es geht vielmehr darum, das Egospiel in völliger Klarheit zu erkennen.
Am Anfang sollten wir uns beobachten: Was ändert sich bei mir in welchem Bedingungsrahmen ? Wann bin ich authentisch? Wann bin ich wahrhaftig?
In einem zweiten Schritt können wir dann erkennen, wie unser Selbstbild entsteht und woraus es besteht. Im Zusammenhang damit werden wir auch unsere Grundängste erfahren.
Statt den Weg über das Selbstbild zu nehmen, können wir auch direkt unseren Ängsten begegnen und dann dadurch erkennen, welche falschen Bilder aus den Ängsten heraus erzeugt werden.
Unser irrtümliches Selbstbild loszulassen verlangt Mut, aber es lohnt sich, denn unter dem Ego liegt die eigentliche Buddhanatur, ein universelles Potential. Erst wenn wir nicht mehr durch Ängste und Konzepte eingeschränkt sind, können wir dieses Potential voll ausschöpfen.
Wir halten aber vielfach an unseren Selbstkonzepten krampfhaft fest und hindern uns an der Entfaltung der Buddhanatur. Bildlich gesprochen heißt das, wir identifizieren uns nur mit einer kleinen Glühbirne und nehmen nicht wahr, dass wir mit einem Stromkraftwerk verbunden sind und dass der Strom uns zum Leuchten bringt.
Ein zweites Beispiel: Wir kennen alle die kleine Taschenrechnerfunktion der Windows Betriebssysteme. Wir glauben ständig, wir seien ein solch kleiner, einfacher Taschenrechner, der gerade mal die Funktionen plus, minus, geteilt und Wurzelrechnungen vollziehen kann und nicht weiß, dass er durch das große Betriebssystem erzeugt wird. Wir sind uns sicher, dass nur die wenigen Taschenrechnerfunktionen unsere Kapazität ausmachen. Wir sind zudem überzeugt, dass wir unser ganzes Leben lang darauf beschränkt sein werden, Rechnungen für andere Menschen auszuführen. Doch was wäre, wenn wir erkennen würden, dass wir kein kleiner Taschenrechner sind ? Was wäre, wenn wir erkennen würden, dass er von einem viel größeren Betriebssystem aufgebaut wurde?
Manchmal wird fälschlicherweise Befreiung als eine rein intellektuelle Arbeit verstanden. Dem ist aber nicht so. Buddhistische Praxis beinhaltet Erfahrung, bei welcher der Intellekt mit dem Herz vereint wird. Dann kommt es zu Einsicht und Erkenntnis.
Nur die durchaus harte Arbeit an unserem Selbstbild führt zum Loslassen der Anhaftungen und damit zur Befreiung. Wir müssen den Mut aufbringen, uns Situationen zu stellen, die wir normalerweise zu meiden versuchen, und wir müssen uns dabei mit unseren Ängsten konfrontieren. Befreiung haben wir erreicht, wenn sich unsere Bilder und die diesen zugrundeliegenden Ängste aufgelöst haben.
Mutterliebe – tief wie der Ozean, weit wie der Himmel
Der folgende Text wurde aus Anlass der Ullambana-Feier am 07.09.2008 während der Gedenk- und Dankeszeremonie in der Buddhahalle der Pagode Phat Hue vorgetragen. Diese Gedanken zum Muttertag können als Anregung benutzt werden, um sich an seinen Ursprung zu erinnern und seinen Eltern positive Gedanken zu widmen…
An Ullambana gedenken wir unserer Eltern, unserer Mutter sowie unserem Vater. Ohne unsere Eltern würden wir nicht existieren, nicht leben. Wie aus dem Samen einer Blume eine neue Pflanze wachsen kann, wenn man sie regelmäßig gießt und sich um sie kümmert, konnte auch wir durch die Fürsorge und Liebe unserer Eltern leben, uns zu den Menschen entwickeln, die wir heute sind. Heute wollen wir besonders unserer Mutter Gedanken und Worte des Dankes und der Liebe widmen: Unzählige Stunden, Tage, Wochen blieb sie an unserer Seite, sorgte für uns und beschützte uns. Sie gab uns Nahrung, Wärme und Liebe. Sie half uns Zeit unseres Lebens bei allen Schwierigkeiten, die sich uns in den Weg stellten und brachte uns bei, für uns selbst zu sorgen. Ohne die Hilfe und Zuneigung unserer Mutter, hätten wir niemals heute hier sein können, um eben dafür zu danken.
Natürlich haben wir uns seit unseren ersten Lebensjahren sehr verändert, sind gewachsen, haben die Welt erkundet, Freunde gefunden und wollen auf eigenen Beinen stehen – genau wie der einstige Samen der Blume: Zunächst wuchsen zarte, hellgrüne Blättchen aus dem hauchdünnen Spross. Die Pflanze wuchs und wuchs, entwickelte die ersten Blüten und reckte ihren Kopf hoch über das Gras hinaus, um die Weite der Welt zu erblicken. Fragt man nun diese neue Blume: „Weißt du eigentlich noch, dass du vor zwei Wochen noch ein kleiner Samen warst?“ dann kann es gut sein, dass sie es bereits vergessen hat. Dass die Blume ihren Ursprung vergessen hat, bedeutet aber nicht, dass der Samen sich in Nichts aufgelöst hat. Der Samen ist immer noch Bestandteil der Blume und wird es immer bleiben. So ist es auch mit uns: Auch wir vergessen manchmal, wo unser Ursprung liegt – nämlich in unseren Eltern. Sie haben sich für uns gegeben, opferten viel Zeit und Kraft ihres Lebens dafür, uns ein angenehmes und gutes Leben zu ermöglichen. Sie sind unser Ursprung und damit ein Teil von uns. Wir waren und sind die Verbindung unserer Eltern und werden es immer bleiben, auch wenn wir uns verändert haben oder diese Verbindung sogar nicht mehr akzeptieren wollen. All dies ändert nichts an der Liebe, die eine Mutter für ihr Kind empfindet.
Man sagt: Mutterliebe – Sie ist so tief wie der Ozean und so weit wie der Himmel.
Die Liebe, die eine Mutter ihrem Kind entgegenbringt ist unendlich. Viel Schmerz ließ unsere Mutter über sich ergehen, viele ihrer eigenen Bedürfnisse opferte sie unserem Wohl und unserem Glück. Auch wenn ein Kind sein ganzes Leben seinen Eltern widmen würde, könnte es nicht vergelten, was es von seinen Eltern erhalten hat: Existenz. Leben. Unendliche Liebe und Zuneigung.
Heute wollen wir daher unseren Eltern und besonders unserer Mutter mit offenem Herz unseren tiefsten Dank ausdrücken und unsere Gedanken nur ihnen widmen.
Wir können innerlich zu uns selbst sagen:
“Mutter, Ich bin mir bewusst, dass ein Teil von dir immer in mir ist,
in jeder Zelle meines Körpers.”
Auch wenn du eines Tages sterben solltest,
meine „innere“ Mutter bleibt bei mir…
Wohin ich auch gehe, ein Teil von dir geht mit mir.
Wenn ich dich in der Vergangenheit abgelehnt und verletzt haben sollte,
so möchte ich mich dafür entschuldigen.
Wie die kleine Blume habe ich vergessen, dass du und ich niemals getrennt sind.
Mutter… Egal wo du jetzt auch bist,
meine Gedanken sind bei dir und senden dir all meine Liebe und Dankbarkeit”
Ein ganz besonderes Flair – das Ullambana-Fest 2008
Ullambana – das asiatische Muttertagsfest. Auch an diesem Samstag kehrten über den Tag verteilt an die 5000 Besuchern in der Pagode Phat Hue ein, um an den Gedenk- und Dankeszeremonien in der Buddhahalle teilzunehmen, Freunde und Verwandte zu treffen oder ganz einfach das besondere Flair des Miteinander rund um die Pagode zu genießen, dass neben den zahlreichen Vietnamesen auch immer mehr Deutsche in seinen Bann zieht.
Die Buddhahalle verwandelte sich in ein von Räucherstäbchenduft durchdrungenes hin und herwiegendes Meer aus Menschen, Blumen und Buddhastatuen. Die Essenshalle des Klosters ähnelte einer Hauptstraße im Feierabendverkehr. Die gesamte Front der Pagode entwickelte sich in eine Art Little-Vietnam, in das die Besucher vergnügt und interessiert eintauchten. Besonders die Westler schlenderten mit großen staunenden Augen zwischen den vielen schwarzen Haarschöpfen durch die Alleen aus Bänken, Marktständen und riesigen Suppentöpfen. Besonders fiel dieses Jahr der enorme Ansturm Jugendlicher auf. Ein Großteil der Hanauer Landstraße wurde von kleinen Teenager-Gruppen in Beschlag genommen, die das Ullambana-Fest besonders dazu nutzen, neue Kontakte zu knüpfen und alte zu pflegen; immerhin kommen die vietnamesischen Familien aus ganz Deutschland zu Besuch. Das Kulturprogramm bot erneut eine bunte Mischung aus Tanzeinlagen, Kampfkunst und vietnamesischen Pop-Sängerinnen und -Sängern.
Wer nun glaubt, dieses Programm sei alles andere als Teil des Muttertagfestes, mag die Dinge vielleicht nur etwas negativ sehen. Am Muttertag geht es nicht nur darum, der eigenen Mutter dank auszusprechen, sondern auch darum Nähe zu Menschen im Allgemeinen zu suchen und zu finden. Der Hochehrw. Thich Nhu Dien sprach in seiner Ullambana-Rede davon, dass Asiaten seit frühester Zeit anstatt der Individualisierung eher das Kollektiv suchten. Auch heute finden wir daher immer noch zahlreiche Familien, in denen 3 oder 4 Generationen unter einem Dach oder zumindest in engster Verbindung nebeneinander leben. Im Westen beginnt dem entgegengesetzt immer schneller der Prozess der Individualisierung, des sich Abtrennens von der Familie und den „Wurzeln“. Das Ullambana-Fest trug an diesem regnerischen Samstag seinen Teil dazu bei, dass Menschen verschiedenster kultureller Hintergründe, Religionen und Altersgruppen auf engstem Raum zusammenfanden. Egal ob man dabei an seinen Eltern, Verwandten oder Verstorbenen gedachte – solange die Menschen an diesem Samstag für einige Stunden die Nähe und das Miteinander genießen konnten, hat das Ullambana-Fest mehr als nur einen „Zweck“ erfüllt…
Weiteres zum Thema finden sie unter Alltagspraxis (Mutterliebe) und unter Traditionen (Ullambana)
In Kürze werden sie auf unserer Media-Sektion die Fotos des ganzen Tages durchschauen.
Gut und Schlecht und Selbstreflektion
Was ist gut und was ist schlecht? Woher kommen unsere Ideen von richtig und falsch und was hat Schuldgefühl damit zu tun? Welche Position nimmt Buddhas Lehre im Bezug auf heilsame und unheilsame Sprache, Gedanken und Handlungen ein? In der letzten Woche widmeten sich mehrere Unterrichtsabende diesen Themen: Der Unterricht unseres Meisters dem Ehrw. Thich Thien Son, die Dienstags-Meditationsgruppe und auch die Ordinierten der Pagode befassten sich mit Gut und Böse im Rahmen der buddhistischen Universitätsstudien. Hier nun lesen sie die zusammengefassten und am Alltag Orientierten Ergebnisse dieser Diskussionen, Gesprächen und Belehrungen.
„Das macht man nicht!“
Menschen haben eine eigene, persönliche Wahrnehmung von der Welt. Was für den einen Menschen richtig erscheint, ist für einen anderen unter Umständen total unangebracht. Jeder Mensch hat daher eigene Vorstellungen von „Gut“ und „Böse“. Die kommen selbstverständlich nicht von ungefähr sondern wurden hauptsächlich durch die Erziehung unserer Eltern nach und nach gefestigt. Sätze wie „Das macht man nicht!“ oder „Das will ich nicht noch einmal von dir hören!“ kennen wir bestimmt alle noch aus unserer Kindheit. Sie formten in uns ein Bild davon, was eine gute und was eine schlechte Handlung ist und was man darf und was man nicht darf. Manchmal wird uns erklärt, warum wir etwas nicht machen sollen. Manchmal heißt es einfach „Weil man das eben nicht macht.“ Das so entstandene Bild von Gut und Schlecht tragen wir seit unserer Kindheit in uns und bewerten danach auch heute noch die Welt und uns selbst.
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Seine Heiligkeit XIV. Dalai Lama in Paris
Weihung der Pagode Khanh An in Evry
Am Dienstag, 12. August 2008 war Seine Heiligkeit der XIV. Dalai Lama zum Auftakt seiner Reise nach Frankreich zu Gast in der vietnamesischen Pagode in Evry. Er weihte in einer Runde von insgesamt 1500 geladenen Gästen den Neubau der wohl größten buddhistischen Pagode Europas. Zwei unserer Ordinierten durften der Einladung folgen und an der Veranstaltung teilnehmen.
Während seiner Rede vor ca. 300 Ordinierten und Laien in der Buddhahalle, die von einer riesigen goldenen Buddhastatue überragt wird, sprach der XIV. Dalai Lama eindringlich über die Entwicklung menschlichen Mitgefühls und der Notwendigkeit von Respekt für und Harmonie zwischen allen Religionen und Traditionen. Nur so ist längerfristiger Frieden in der globalisierten Welt möglich. Konflikte können nachhaltig lediglich ohne die Anwendung von Gewalt über friedliche Dialoge geklärt werden.
Die Basis aller Religionen ist die Kraft der Liebe. Freude und Harmonie innerhalb der verschiedenen Traditionen sollten in die Welt getragen werden. So müssen wir spirituelle Kraft und nicht physische Kraft entwickeln. Wir sind von unserem Nachbarn abhängig und sollten ihn nicht bekämpfen. Selbst die Wissenschaft belegt heute den positiven Einfluss und die Notwendigkeit von Mitgefühl und Zuneigung für die gesunde Entwicklung des menschlichen Gehirns.
Es war eine rein religiöse Botschaft und weniger eine politische Rede. Presse und Fernsehen waren mit einem Riesenaufgebot anwesend. Die Sicherheitsstufe war dementsprechend hoch, das Gelände war weiträumig durch Sicherheitskräfte abgeriegelt.
Der Bischof und der Bürgermeister der Stadt Evry hielten eine Ansprache zum Thema menschlicher Würde und Frieden. Eine Gruppe vietnamesischer und tibetischer Kinder überreichten Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama ein Geschenk. Rund um die Pagode, die sich noch immer im Bau befindet, wehten tibetische, buddhistische und vietnamesische Fahnen im Wind. Auf dem Gelände hatten sich zahlreiche Besucher eingefunden, um die Übertragung per Leinwand zu verfolgen.
Die enge Verbundenheit von Tibetern und Vietnamesen durch die gemeinsame Flüchtlingskultur und die Botschaft des Dalai Lama, unabhängig von den jeweiligen Traditionen, die buddhistischen Grundwerte und Frieden zu praktizieren, wurden an diesem Tag sehr deutlich.
(Lesen sie auch den Erlebnisbericht in unserem Blog und Photogalerie)
Ankündigungen
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- Filmtipp: Buddhas Lost Children
Zitat der Woche
“Zwei Dinge sind zu unserer Arbeit nötig: Unermüdliche Ausdauer und die Bereitschaft, etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat, wieder wegzuwerfen.”
(Albert Einstein)
Achtsamkeit (Engl.: mindfulness; Pali: sati) im Alltag
„Unser wahres Zuhause ist der gegenwärtige Augenblick. Wenn wir wirklich im gegenwärtigen Augenblick leben, verschwinden alle unsere Sorgen und Nöte und wir entdecken das Leben mit all seinen Wundern.“
(Zenmeister Thich Nhat Hanh in „Heute achtsam leben“)
Seit dem Besuch unserer Sangha in Thich Nhat Hanhs‘ Plum Village (Südfrankreich) ist das Thema Achtsamkeit in unserem täglichen Miteinander ständig präsent. Doch was ist Achtsamkeit eigentlich?
Und noch viel wichtiger: wie können wir sie wirklich sinnvoll in unserem geschäftigen Alltag umsetzen? › Continue reading

