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Über die Stille – 2 buddhistische und 1 christlicher Mönch im Gespräch


DavidBhanteThayAm Montag den 31. Januar 2011 konnten wir an einer besonderen Begegnung in der Pagode Phat Hue teilnehmen: der Benediktinermönch Bruder David, weltweit bekannt durch den christlich deutschen Dialog, Bhante Punnaratana aus der Teravada-Tradition und Zenmeister Thich Thien Son sprachen über die Erfahrung von Stille aus der Perspektive ihrer Erfahrung und Tradition.

Thich Thien Son:
Als Mönche wissen wir, dass unser ganzes Leben davon abhängt, dass wir innere Stille üben. Wenn wir die Aspekte betrachten die jeder Mensch üben kann, um die Stille zu erfahren, was ist das in den unterschiedlichen Traditionen?

Bruder David:
Zu uns Bendediktinermönchen wird oft gesagt, ihr habt es so leicht, ihr lebt zurückgezogen im Kloster, aber die Laien müssen Stille in ihrem Alltag finden und das ist oft so schwer, immer wieder die Stille im Leben zu finden. Und wie können wir Stille äußerlich finden in unserem turbulenten Alltag?
Es beginnt schon mit der äußerlichen Stille. In jedem von uns ist ja der Mönch oder die Nonne – das heißt, wir geben uns den Raum, wenigstens ein paar Minuten am Tag klösterliche Stille schenken, frei von Radio, Fernsehen, etc… Die äußere Stille macht es uns möglich, uns auf die innere Stille einzulassen. Wenn wir still werden, bemerken wir plötzlich, dass alles ein Geschenk ist. Dass dieser Augenblick ein gegebener Augenblick ist. Wenn wir nicht still werden, bemerken wir das überhaupt nicht. Aber in dem Augenblick wo wir es bemerken, sind wir schon ganz erfüllt von Dankbarkeit und dann sind wir schon da, wo wir hinwollen: im Augenblick. Und mit der Dankbarkeit sind wir schon am rechten Ort und da erleben wir auch schon die Freude.
Da kommt dann meist die Frage, können wir wirklich für alles dankbar sein? Denn es gibt ja Gewalt in der Welt und Unrecht und Krankheit und Schmerz. Das ist wahr, wir können nicht dankbar sein, für Gewalt oder Unrecht. Aber wenn wir solche Augenblicke erleben wie Krankheit, Schmerz, oder einen Treuebruch, dann können wir überlegen, wofür kann ich dankbar sein? Zum Beispiel über die Gelegenheit etwas zu lernen oder für andere Einzutreten. Und die innere Stille gibt uns dafür Gelegenheit, das zu sehen und zu erfahren und nicht ohnmächtig einer schmerzlichen Erfahrung ausgeliefert zu sein.

Bhante Punnaratana:
Samahdi ist ein bekanntes Wort in Pali für Ruhe, Stille.
Es ist bekannt in der ganzen indischen Philosophie. Zum Beispiel auch beim Yoga ist Samhadi die letzte Übung oder das letztendliche Ziel. Wenn wir im Buddhismus an Stille denken, gibt es Buddhas erste Lehrrede in Varanasi. Dort lehrt er, wie können wir Unzulänglichkeit vermeiden? Und dabei erzählt er von Achtfachen Pfad.
Und den achtfachen Pfad unterteilt er in drei Gruppen:
• Die Rechte Anstrengung
• Die rechte Konzentration
• Die Rechte Sammlung oder Samahdi/ Stille.

Anhand dieser drei Disziplin, Konzentration und Stille, können wir geistige Harmonie herstellen und in Einlang mit uns selbst und anderen kommen. Wir Menschen brauchen Ruhe, körperlich wie geistig. Man stelle sich nur einmal vor, wie es wäre, wenn es keine Nacht gäbe? Was passiert dann mit den Menschen? Nachts hat unser Körper und unser Geist Zeit, Ruhe zu erlangen. Wenn wir nicht richtig schlafen können, merken wir sehr schnell, an unserem Körper und ähnlich geht es auch unserem Geist. Wir alle brauchen die Erfahrung von Ruhe und Stille um leben zu können.

Thich Thien Son:
Ich komme aus einem Land, wo es keine Ruhe gab, denn es war Krieg. Als kleiner Junge im Kloster gingen wir in die Meditation, aber ständig hört man Gewehre und Bomben. Und deshalb habe ich gelernt in der Unruhe, die Ruhe zu finden. Denn wenn man äußerlich nicht die Ruhe hat, muss man trotzdem innerlich Ruhe bewahren und die Ruhe in sich finden.
Unser Meister sagte immer zu uns „Weil das Land so unruhig ist müsst ihr die innere Ruhe finden. Ihr müsst auf einem Marktplatz die Ruhe finden können“. – Ein Marktplatz in Vietnam ist ganz anders als hier in Deutschland – alle schreien und handeln und alle Sinne werden angesprochen, es ist sehr schwer dort die Ruhe zu finden. – Während des Krieges in Vietnam mussten wir oft flüchten, wir waren oft gezwungen schnell wegzulaufen und ich erinnere mich, an einen Tag, an dem wir an einen neuen Ort kamen. Den ganzen Tag waren wir unterwegs auf der Flucht und am Abend haben irgendwo ein Lager aufgebaut und ein Feuer gemacht. Und dann mussten wir ja warten, bis das Essen fertig war. Wir saßen um das Feuer und warteten und schauten dabei in die Flammen. Und da wurde mir bewusst, Feuer ist immer in Bewegung aber trotzdem erzeugt es während wir es betrachten in uns Ruhe.
Diese Ruhe in der Bewegung, habe ich auch erfahren, während meines Retreats in Indien, als ich täglich 3000 Verbeugungen gemacht habe. Dort habe ich die Ruhe in der Bewegung erfahren. Plötzlich konnte ich 360 Grad um mich herum wahrnehmen und ich habe verstanden, dass alles in Bewegung ist, wenn ich den Fluss der Bewegung bin, wenn ich mitten im Fluss des Lebens bin, dann bin ich in der Ruhe, in der Stille. Wenn man versucht, sich gegen den Fluss aufzulehnen, fällt man aus der Ruhe heraus. Aber wenn man einfach mit fließen kann, ist man in der Ruhe. Und so mache ich die Erfahrung, wenn ich in Einklang mit den Bedingungen bin und mich in den Fluss der Erfahrung geben kann, bin ich in der Ruhe.

Bruder David:
Was Thay erzählt hat, erinnert mich an meine erste Erfahrung mit Zen. Ich war in einem Zentrum in New York und wir praktizierten dort in einem Keller. Das Kellerfenster ging direkt auf die Straße hinaus und dort war eine Bushaltestelle. Immer hörte man Gesprächsfetzen und die Menschen die ein- und ausstiegen und mein Lehrer sagte, hier könnt ihr am besten lernen still zu sein.
Wenn man keine eigenen Pläne hat und genau weiß wie es sein sollte, sondern den gegeben Augeblick so wie er ist annehmen kann, dann kann man an einer Busstation, oder auf dem Marktplatz praktizieren, denn man nutzt jede Gegebenheit wie sie ist und man hat die Möglichkeit sich zu fragen: Wozu gibt mir diese Gegebenheit die Gelegenheit? Und über die Begebenheit kann ich dankbar sein.
Es gibt ein Zitat aus dem 5. Jahrhundert, das besagt, dass man immer einen Schriott zurück treten soll und auf das Ganze schauen: „Schau auf das Ganze und Lobe das Ganze“. Dankbar sein heißt nicht unbedingt Danke zu sagen, zum Beispiel wenn ich Kindern ein Geschenk mitbringe sagen sie Danke, und legen das Geschenk aber zur Seite und schauen es nicht weiter an. Das ist etwas anderes als Dankbarkeit. Sie sagen Danke, weil sie gut erzogen sind, aber das Wesen der Dankbarkeit ist eher so wie zum Beispiel die Kinder, die mir das Geschenk aus den Händen reißen und gar nichts sagen, aber dann den ganzen Tag ganz vertieft damit spielen. Dankbarkeit drückt sich aus, wie wir etwas verwenden, was wir mit einer Gegebenheit tun.
Bhante hat vorher von Kontemplation gesprochen. Das Wort Kontemplation kommt aus dem Lateinischen und enthält verschiedene Aspekte:
Auf etwas zeigen/ auf eine Dauer oder Wiederkehr oder Wiederholung und auch auf etwas Dazwischen. Dann ist darin auch noch das Wort Tempel, Tempo und Temperament. Es hängt also auch mit einem Maas zusammen. Kontemplieren aus dem lateinischen Ursprung bedeutete bei den Römern so viel wie: zu den Sternen schauen und dabei Maas nehmen, was man auf Erden tun sollte. Still schauen und das Geschaute auf Erden verwirklichen oder umsetzen. Der Tempel war eine Übertragung der himmlischen Ordnung auf die Erde. Das heißt, wenn wir kontemplieren, schauen wir auf das, was wir im Leben TUN.

Bhante Punnaratana:
Wenn wir Samadhi üben, dann achten wir nicht auf uns selbst, sondern auf die ganze Ordnung, wie die Dinge miteinander zusammenhängen. Wenn man kontempliert kann man dankbar sein. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass ich keine Hoffung zu leben hatte. Zwei meiner Mönchsbrüder wurden vor meinen Augen erschossen und auch ein Kind und ich war sicher, ich komme als nächstes dran, ich werde getötet, es gibt keine Chance zu leben. Ich habe die Augen geschlossen und habe über Leben und Tod kontempliert und habe mich erinnert wie dankbar ich bin für alles was ich erfahren habe und ich habe all den Verdienst übertragen, all das Glück das ich erfahren habe, steht in Verbindung mit unzähligen Bedingungen, Menschen und Gegebenheiten und ich war sehr dankbar für alles.
Als Mönche haben wir viele Regeln und eine Regel ist zum Beispiel, wenn wir unsere Robe anziehen, kontemplieren wir darüber, mit wie viel liebevoller Arbeit sie genäht wurde und wer sie uns gespendet hat. Es gibt so viele Bedingungen, auf die man kontemplieren kann, die zur Entstehung des gegenwärtigen Moments beitragen. Meine Erfahrung von Kontemplation ist eher die Vipassanapraxis, als das Samahdi.
Vipassana ist die Besonderheit der Dinge zu analysieren und die Bedingungen zu verstehen, wie etwas entsteht. Und Samhadi ist tief in sich innere Ruhe und Frieden zu finden.

Thich Thien Son:
Wenn ich das Wort Kontemplation aus meiner Tradition betrachte, bedeutet es so viel wie nach innen, deinen eigenen Spiegel sehen, um die Realität zu erkennen, dass man über das, was sich draußen in den Gegebenheiten zeigt, seine eigene Realität erkennt und sich abgleichen kann.

Ich möchte Bruder David aber noch eine Frage stellen: Du bist 84 Jahre alt und hast davon viele Jahre ganz zurückgezogen gelebt. Was hat sich dir in der Stille gezeigt?

Bruder David:
Alles was mich das mönchische Leben gelehrt hat ist, dass ich meinen Tee mit um so größerem Genuss trinke und mich über dieses Gespräch freue und einfach dankbar bin über das Leben. Die Blume blüht, der Tee nährt, wir versuchen einander liebenswert zu begegnen, dafür bin ich dankbar und fühle eine große Freude.

Die Aufzeichnung der Gesprächs mit anschließenden Fragen sind demnächst auf DVD bei uns erhältlich.

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2. Februar 2011 News, Startseite Keine Kommentare

Mittwoch, 12. Januar 2011

Im Buddhismus haben wir ein Sprichwort: „Leid führt zur Erleuchtung“.
Es gibt verschiedene Formen des Leids: Das Leid des Geborenwerdens, das Leid des Alters, das Leid der Krankheit, das Leid der Veränderung und das Leid des Todes. Ebenso empfinden wir unsere Gefühle, sowie unsere unerfüllten Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche als leidvoll. Wir leiden, weil wir nicht alles im Leben kontrollieren und beeinflussen können. Wir möchten unser Schicksal selbst bestimmen, aber wir sind nicht allmächtig und die Dinge geschehen nicht nach unserem Willen. Natürlich wünscht sich jeder einen Zauberstab oder eine Zauberring, um alles Leid wegzaubern zu können. Es fällt uns schwer unseren eigenen Willen einfach loszulassen und zu sagen: So ist es.

Auf unserem spirituellen Weg, setzen wir uns mit geistigen Phänomenen auseinander und wir verstehen, dass unsere Empfindungen sehr subjektiv sind und auch zum Teil sehr unterschiedlich von den Empfindungen anderer. Unser Leid, hat mit unserem eigenen Thema oder unseren Ansichten zu tun. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns die Frage stellen, von welchen Gedanken und Konzepten wir unser Glück im Leben abhängig machen und wann wir unser Leben als leidvoll definieren.
Meistes weigern wir uns, Schmerz zu akzeptieren, egal in welcher Form er auftritt. Es tut weh und wir wollen ihn nicht haben. Doch tatsächlich ist es unsere Vorstellungen von Leid, die uns quält und wir verstärken unseren Schmerz noch durch unsere Gedanken. Um das zu verstehen, hilft vielleicht eine Geschichte: ein junger Mann will erfolgreich sein im Leben und er möchte es einfach haben, ohne dass er viel Einsatz bringen muss. Also wählt er sich eine Arbeit, die ihm leicht von der Hand geht ohne dass er viel dazu lernen muss. Jede Kritik versucht er zu vermeiden und auf jedes Hindernis reagiert er mit einem Gegenangriff von Wut oder Konfrontation. Dennoch erlebt er ständig Misserfolge.
Jemand der seine Schwäche und seine Probleme versucht zu vermeiden und aus dem Weg zu gehen, kann nicht groß werden. Nur jemand der Fehler macht, kennt seine Schwächen und kann zum Erfolg kommen. So ist es auch mit unserer spirituellen Entwicklung. Wir üben uns, unseren jetzigen Zustand zu akzeptieren. So wie er ist, und so wie wir sind.
Wenn unser Leben nicht so läuft wie wir es uns wünschen, leiden wir an unseren eigenen Ansichten und Vorstellungen von Glück. Vielleicht müssen wir lernen zu verstehen, dass unsere Vorstellungen von Glück uns in unser Leid bringen. Auf der Konzept – und Gedankenebene ist das leichter nachzuvollziehen, aber wenn wir krank sind und körperliche Probleme auftauchen, herrscht unsere Angst, die Kontrolle zu verlieren, viel stärker. Doch je mehr wir versuchen, die Kontrolle zu gewinnen und uns gegen die Krankheit auflehnen, desto stärker wird unsere Angst. Es ist deshalb wichtig, dass wir uns mit unseren eigenen Konzepten über Krankheit, Schmerz und Leid auseinandersetzen, um unserer Angst zu begegnen. Vielleicht müssen wir uns fragen, „Was hat dazu geführt, dass ich jetzt leide?“
Wenn wir verstehen, was uns zum Leid geführt hat, verstehen wir auch, wie wir aus dem Leid wieder heraus kommen können.
Das ist natürlich Theorie. In der Wirklichkeit sehen wir uns in einem Kreislauf des Leids gefangen, wir denken, es wird nie wieder besser und geben uns nicht einmal die Chance, eine andere Möglichkeit in Betracht zu ziehen oder überhaupt nur zuzulassen. Dabei gibt es tausend Möglichkeiten, die uns aus unserem Leid heraus helfen können. Ein erster Schritt ist zu sagen: Ich bin derjenige, der mich da rein gebracht hat, also kann ich mich auch wieder da raus bringen. Vom Verstand her geht das sehr schnell, doch bis unser Bewusstsein oder unser Ego verstanden hat brauchen wir Geduld.

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Montag, 10. Januar 2011

Im Buddhismus glauben wir daran, dass wir immer wieder geboren werden. Und es kommt auf unser Bewusstsein an, wie wir wiedergeboren werden. Sehr oft nehmen wir im letzten Augenblick unseres Lebens unser Leid mit. So entsteht ein Kreislauf des Leidens und wir werden in diesem Leben erneut mit Leid konfrontiert und haben wieder die Gelegenheit, unser Leid aufzuarbeiten. Das Problem ist, dass uns meist das Werkzeug oder die Methoden fehlen, um anders mit leidvollen Situationen umzugehen. Probleme zu verändern fällt uns schwer, da unser Bewusstsein an alten Strukturen festhält. Das ist ungefähr so, als ob wir nach einem alten Rezept Brot backen. Uns wurde das Rezept überliefert und wir halten uns genau daran, aber irgendwie wird das Brot nicht so gut. Denn das Rezept ist veraltet, es ist abgestimmt auf alte Holzöfen, statt unseren modernen Backöfen und auch die Zutaten sind anders als die, die wir heute benutzen und deshalb gelingt das Brot nicht. Doch wir versuchen immer wieder neu nach dem alten Rezept das Brot zu backen und niemals sind wir zufrieden, denn das Brot gelingt nicht richtig. Manchmal müssen wir einfach das Rezept verändern, andere Zutaten benutzen oder die Temperatur anders einstellen und das Brot gelingt. Wir brauchen eine Offenheit für das Neue um das Alte zu verändern.
Einige unserer Gemeindemitglieder möchten mit Technik nichts zu tun haben. Aber sie möchten regelmäßig nach Vietnam telefonieren, was sie sehr hohe Gebühren kostet. Wir bieten ihnen an, bei uns über das Internet kostenlos zu telefonieren, aber das lehnen sie ab, weil sie vor der modernen Technik zurückscheuen und nichts damit zu tun haben möchten. So klagen sie immer weiter über zu hohe Telefonrechnungen!
Deshalb ist es wichtig, immer wieder eine Offenheit für das Leben zu entwickeln, damit wir Neues aufnehmen können und auch Neues lernen können. Buddha sagt, wir sollen offen sein für das Dharma und versuchen Belehrungen zu hören, darüber zu reflektieren und zu praktizieren. Um dafür offen zu sein, gibt es eine Grundregel:

1. Um sich mit seinen Problemen auseinander setzen zu können, muss man stark sein. Man stärkt sich mit positiven Gedanken, Situationen und Affirmationen, damit unser Geist mit positiver Energie aufgetankt wird.
2. Man erkennt, welche Probleme man hat
3. Man betrachtet sich ehrlich und schaut, in wie weit man bereit ist, sein Problem zu verändern. Wenn man es verändern möchte, öffnet man sich für Methoden, um eine Veränderung möglich zu machen.

Was heißt das konkret?
Wir lernen, die schönen Momente im Leben zuzulassen.
Wir lernen, Lob anzunehmen.
Wir lernen, um Hilfe zu bitten.
Wir gehen liebevoll und sanft mit uns selbst um und nutzen die Möglichkeiten unsere Energie zu stärken, bis wir genug Kraft haben, uns unseren Problemen zu stellen.
Im Alltag beobachten wir, welche Probleme sich in unserem Leben immer wieder wiederholen oder was uns stört, uns aber immer wieder begegnet. Dann versuchen wir, unser Problem zu analysieren. Sehr oft agieren wir mit Schuldzuweisungen, in dem wir uns selbst oder anderen die Schuld geben. Oft verurteilen wir uns selbst und machen uns schlecht: „Ich bin schlecht, oder ich mache alles falsch.“ Oder wir beschuldigen die Anderen: „Du machst alles falsch, Ihr seid nicht richtig“ – Buddha aber sagt: Nichts existiert allein, alles existiert immer in einer Co-Abhängigkeit und in einer Co-Abhängigkeit trägt niemand allein die Schuld. Es geht vielmehr darum, das Resultat zu sehen und sich zu fragen: Wie gehe ich damit um?

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Sonntag, 9. Januar 2011

Das Jahr hat gerade begonnen, und schon sind wir wieder verstrickt und gefangen in unserem Alltag. Sehr schnell ist das neue Jahr schon nicht mehr neu für uns. Unsere Probleme, die wir während der Feiertage kurz zur Seite legen konnten, sind alle wieder da. Wir stehen unter Druck und machen uns selbst viel Stress. Schon haben wir unsere Vorsätze für das neue Jahr vergessen, der Alltag hat uns wieder ganz im Griff und alle unbearbeiteten Konflikte des vergangen Jahres zeigen sich neu. Auch die Themen, denen wir eigentlich aus dem Weg gehen wollen oder wo wir nicht ehrlich mit uns selbst sind, tauchen wieder auf und wir sind wieder verstrickt in all unsere üblichen Schwierigkeiten.

Es gibt ein Gleichnis von Buddha, wo er von einem Mann erzählt, der durch die Gassen ging und von einem starken Regenschauer überrascht wurde. Er versucht einen Weg zu finden, wo er nicht nass wird, doch er rutscht aus und fällt in den Schlamm. Total durchnässt und dreckig denkt er „Jetzt bin ich sowieso verschmutzt, dann kann ich ja weiter durch den Schlamm waten und muss nicht mehr darauf achten, nicht schmutzig zu werden“. Obwohl er von oben bis unten dreckig ist, ihm kalt ist und er sich unwohl fühlt, geht er seinen Weg im Schlamm weiter.
In diesem Gleichnis sagt Buddha, dass wir in unserem Leben manchmal in ein Leid reinrutschen, doch es ist wichtig, dafür zu sorgen, dass wir wieder rauskommen und nicht wie dieser Mann handeln, der ins Leid hineingerutscht ist und sich nicht mehr wert schätzt und dann sein ganzen Leben im Schlamm verwickelt wird.
Es gibt Zeiten, da kommen wir in eine Lebensphase, die sehr leidvoll und schmerzhaft für uns ist. Aber dennoch sollten wir wissen, dass der Regen irgendwann vorbei ist. Dass die Sonne wieder scheint, der Himmel wieder blau wird und die Blumen wieder blühen.
Auch in den schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass wir behutsam und wachsam mit uns umgehen und darauf achten, dass wir nicht noch tiefer in unser Leid rutschen und darin wühlen. Egal in welcher Lebensphase wir gerade sind und welches Leid wir durchlaufen, wir sollten uns immer wieder ins Bewusstsein holen, dass die Möglichkeit da ist, raus zu kommen: In jeder Phase unseres Lebens, können wir praktizieren, offen zu sein, für schöne Augenblicke. Wachsam zu sein, dass wir die schönen Momente mitbekommen und nicht verpassen. Wir können uns darin üben, das Glück im Leben immer wieder neu zu entdecken.

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Samstag, 01.01.2011

Wir freuen uns jedes Jahr auf Neujahr, weil wir Neujahr wie einen Neubeginn empfinden. Wir haben Vorsätze und Zielsetzungen und schenken uns die Gelegenheit für neue Möglichkeiten unserem Leben.
Am Ende des Jahres reflektieren wir über das vergangene Jahr und schöpfen daraus Motivation für das kommende Jahr. Diese Gelegenheit wollen wir nutzen, um positive Energie in uns zu erzeugen: Wie das Leben auch sei, welchen Konflikt wir im letzen Jahr hatten und was immer das neue Jahr uns bringen wird – wir nutzen die positive Energie, um miteinander zu leben. Denn im Leben geht es darum, fröhlich und gelassen unser Leben zu genießen. Um das möglich zu machen, wollen wir am Anfang des Jahres unser Herz öffnen und mit Offenheit allen Situationen begegnen.
Was in unser Leben kommt, ist richtig für uns.
Was zu Ende geht, lernen wir loszulassen.
Wenn wir in dieser Offenheit leben können, haben wir weniger Konflikte und Frieden kommt aus unseren tiefsten Herzen.

Ich wünsche Euch allen ein frohes Neues Jahr 2011
In Liebe
Thich Thien Son

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Donnerstag, 23. Dezember 2010

Wir bekommen in diesen Tagen so viele Geschenke und Wünsche zu Weihnachten, von unseren Freunden, Patienten und den Zenschülerinnen. Als Ausländer und Mensch, der nicht in der christlichen Kultur aufgewachsen ist, versuche ich zu verstehen, was Weihnachten eigentlich bedeutet. Vieles ist mir nicht ganz klar: Was ist der Unterschied zwischen dem Nikolaus und dem Weihnachtsmann und welche Rolle spielt darin das Christkind? Ich bekomme alle möglichen Versionen erzählt und habe trotzdem nicht alles verstanden. Nur eine Sache ist hängen geblieben, dass der Nikolaus aus der Türkei kommt und der Weihnachtsmann von Coca Cola. Aber jetzt kann ich erst Recht keine Verbindung herstellen, was das mit Jesus Christus zu tun hat. Also bin ich auf den Weihnachtsmarkt gegangen, um die Weihnachtsstimmung zu spüren: Ich sehe viele Menschen fröhlich miteinander Glühwein trinken und es gibt viele Stände an denen Sachen verkauft werden, aber was hat das mit Weihnachten zu tun? Irgendwann bin ich an der Liebfrauenkirche vorbeigekommen und bin hineingegangen. Ich habe mich hingesetzt. Es war still und ruhig und ich spüre etwas Erhabenes. Nach einer Weile setzt sich eine Frau zu mir, sie spricht mich an und sagt „Sie sind doch ein buddhistischer Mönch, was machen Sie denn hier, in einer christlichen Kirche?“
„Ich versuche herauszufinden was Weihnachten ist“, sage ich.
Sie erklärt mir vieles. Ein Satz ist in meinem Kopf besonders hängen geblieben: „Weihnachten ist ein Tag der Besinnung. Ein Tag, wo du über deine Verbindung zu Gott nachdenkst. Durch die Geburt seines Sohnes, besinnen wir uns auf unsere Verbindung mit dem Allmächtigen.“ Als Nicht-christlich-Gläubiger verstehe ich, dass wir uns an Weihnachten darauf besinnen, dass wir ein Teil des Ganzen sind. An Weihnachten machen wir uns bewusst, dass wir nicht allmächtig sind und bedanken uns darüber, wie reich Gott uns beschenkt. Die Atmosphäre in der Kirche und die Antwort der Frau, wecken in mir eine tiefe Demut und ich fühle mich warm und umhüllt von Liebe. Man muss nicht alles allein schaffen und erkämpfen, sondern wird von anderen Kräften getragen. Dafür gibt es im Buddhismus ein Wort: Intersein. Es bedeutet: Ich existiere, weil du existierst. Wenn ich mir der Abhängigkeit voneinander bewusst bin, spüre ich automatisch, dass Frieden notwendig ist. Wenn wir uns darüber bewusst sind, dass wir voneinander abhängig sind um zu existieren, haben wir selbstverständlich Respekt und Fürsorge füreinander. An Weihnachten können wir uns darauf besinnen, wie notwendig innerer und äußerer Frieden ist.

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Mittwoch 21. Dezember 2010

Es sind nur noch einige Tage bis Weihnachten. Überall spüre ich die Anspannung vor dem Fest, sogar hier bei uns im Kloster. Patienten bringen uns Schokolade und zahlreiche Geschenke, und wollen uns eine Freunde machen. Jedes Mal wenn wir die Geschenke in Empfang nehmen checken die Freunde unsere Reaktion: Freuen wir uns darüber? Bemerken wir ihre Herzlichkeit? Wenn wir über die Farbe des Geschenkpapiers mit ihnen diskutieren, freuen sie sich besonders und da wir keine Erwartungen haben, freuen wir uns über jedes Geschenk.

Besonders an den Festtagen entstehen häufig hohe Erwartungen an die Menschen die wir lieben. Wir haben eine genaue Vorstellung, wie Liebe und Aufmerksamkeit aussehen soll und wenn die Geschenke nicht ausdrücken was wir erhofft haben, sind wir schnell enttäuscht. Wenn die festliche Stimmung, auf die wir hinarbeiten, nicht so aufgeht, wie wir es uns vorgestellt haben, dann trifft es uns hart und wir sind schnell verletzt. Viele von uns merken gar nicht, dass unser Glück nur auf Erwartungen und Vorstellungen basiert.

Weihnachten ist das Fest der Liebe und Liebe bedeutet annehmen und verstehen.
Wenn wir das Weihnachtsfest auf dieser Bedeutung aufbauen, werden wir automatisch ein glückliches Fest erleben. Dann wird Weihnachten zu einem besonderen Fest, auf das wir immer wieder gerne zurück blicken und uns an unser Glück erinnern.

Wie wäre es, wenn wir dieses Mal unsere Festtage mit mehr Spontanität und Flexibilität gestalten, und dem Impuls des Augenblicks folgen? Und wie wäre es, wenn wir uns in diesen Tagen die Möglichkeit geben, unsere Familienmitglieder tiefer zu verstehen und anzunehmen?

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Dienstag, 21. Dezember 2010

Viele Buddhisten haben den Wunsch ins Nirvana zu gehen. Sie denken, dort finde ich Ruhe, Gleichmut und Glück. Ihr Wunsch ist, der Welt zu entsagen und alle Anhaftungen und Schwierigkeiten loszulassen. Nur so denken sie, ist es möglich, den Geist zu transformieren und inneren Frieden zu finden.

Ich beobachte, dass viele Menschen ihre Mitmenschen nicht ertragen können. Oft wollen sie sich nicht einmal die Mühe machen, sich mit ihrem Gegenüber auseinanderzusetzen, denn er oder sie denkt und fühlt so anders, dass es sowieso keinen Sinn macht. Sie denken, das Beste ist, sich zurückzuziehen und zu meditieren, statt sich mit sinnlosen Problemen auseinanderzusetzen und Zeit zu verschwenden.

Aber was bedeutet es dann, Zusammen zu sein? Zusammen zu leben?

Als Kind habe ich oft versucht, mich in Menschen, die viel Ablehnung und Hass in sich tragen hineinzuversetzen. Wie geht es ihnen? Was fühlen sie? Ich habe mir vorgestellt sie fühlen so viel Hass und Ablehnung in sich, dass sie vor lauter Wut ins Nirvana flüchten müssen. Doch was passiert, wenn sie in der Stille des Nirvana ankommen, mit ihrer ganzen Wut? Quälen sie sich dann selbst? Oder gehen sie sich selbst so sehr auf die Nerven, dass sie sich die ganze Zeit sagen müssen: „Ich existiere nicht, du existierst nicht, das Problem existiert nicht, ich in im Nirvana?“

Buddha lehrt uns, dass wir jedem Augenblick begegnen sollen und jedes Hindernis annehmen sollen. Egal was kommt, es ist richtig: Jede Situation ist die richtige. Jeder Mensch ist der richtige. Es ist gut wie es ist. Alles dient unserer Entwicklung.
Als Praktizierender leuchtet es mir ein, dass alle äußeren Aspekte, meine inneren Aspekte sind. Und wenn ich die äußeren Aspekte nicht annehmen kann, werde ich auch meinen inneren Frieden nicht finden können.

Jetzt, wo Weihnachten vor der Tür steht, haben wir oft besonders viel mit Stress mit der Suche nach Geschenken, dem „Vorweihnachtsstress“ und unserer Familie und plötzlich haben wir viel mehr Wut und Zorn in uns als sonst! Vielleicht müssen wir lernen, genau diese unangenehmen Gefühle zu akzeptieren, damit wir ins uns Frieden schließen und uns innerlich für ein friedvolles Fest vorbereiten können. Wenn du Frieden in dir und mit den Menschen um dich herum hast, brauchst du weder Nirvana, noch irgendeinen anderen Ort, wo dein geistiger Zustand hinstreben muss um Ruhe, Gleichmut und Glück zu finden. Du hast Nirvana in dir, über dir, unter dir und um dich herum. Überall. Dann ist Weihnachten in jedem Augenblick.

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Montag, 20. Dezember 2010

Eine Freundin sagt zu mir, irgendwann wenn ich von diesem Leben loslasse und sterbe, möchte ich, dass ihr eine Party feiert und keine Abschiedsfeier: Jeder soll ein Glas Champagner trinken und mir das Beste wünschen, dass ich ein neues Leben anfangen darf und kann. Es soll ausgelassen und verschwenderisch sein, denn so lebe ich ja auch. Viele sagen zu mir ich, ich sei verrückt, und ich sollte sparen, dass ich mir ein Auto kaufen kann oder neue Möbel. Aber das Leben ist doch so kurz und ich möchte auf mein Leben nicht wegen einem Einbauschrank oder einem Auto einschränken und auf vieles verzichten, was das Leben mir bietet. Ich lebe gern, ich esse gern und ich verschenke gerne. Als ich auf die Welt gekommen bin hatte ich ja auch nichts, zwischendurch ich nichts und ich werde auch mit leeren Händen aus dieser Welt gehen. Sie sagt, sie will nie das Gefühl haben, im Leben etwas versäumt zu haben, dass sie irgendwann mit gutem Gewissen sagen kann: „Ich habe nichts bereut. Ich habe mein Leben gelebt. Ich bin mit mir vollkommen im Reinen.“

Jeder versucht auf seine Art und Weise sein Glück zu definieren und macht sich abhängig von einem bestimmten Aspekt, von bestimmten Gegenständen oder Menschen, um glücklich zu sein. Wir jagen unserer Vorstellung von Glück hinterher und sind oft unglücklich, weil nichts so eintritt, wie wir es uns wünschen. Dabei ist das Glück JETZT!

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Freitag, 17. Dezember 2010

Altes Loslassen. Neues anfangen.

Gestern war ein starker Sturm. Es hat stundenlang geschneit, so dass auch die letzen Blätter von den Bäumen weggeweht wurden. Ich habe aus dem Fenster gesehen und gedacht, dass die Natur uns wirklich vollkommen zeigt, das Loslassen ein Überlebensmechanismus ist. Denn wenn die Bäume im Winter ihre Blätter nicht verlieren würden, wären sie nicht in der Lage zu überleben. Auch in der Lehre des Feng Shui wird gesagt, dass wir nur neu anfangen können, wenn wir im Haus das Alte wegwerfen und loslassen, damit wir Raum für neue Möglichkeiten schaffen können. Es wäre schön, das Vertrauen zu entwickeln und von der Natur zu lernen, dass Loslassen uns die Möglichkeit für einen Neubeginn gibt. So oft halten wir an unseren Schmerzerinnerungen fest, an Konflikten, Auseinandersetzungen und Verletzungen – und sind nicht bereit sie loszulassen und zu verzeihen. Wir pflegen weiter unsere alten Wunden, obwohl sie schon längst verheilt sind. Doch je mehr wie an ihnen festhalten, uns weiter selbst bemitleiden, trauern und beklagen, desto schmerzhafter wird es für uns. Wenn wir loslassen und verzeihen, geben wir uns die Möglichkeit für Entwicklung und Veränderung. Sonst sind wir wie der Apfel, der am Baum hängen bleibt und verfault, aber sich nicht herunter fallen lassen kann. Er infiziert den Baum mit Fäulnis und Pilz und macht ihn krank. Wir sollten uns bewusst sein, dass unser Festhalten an alte Verletzungen und Schmerzen, uns wie der faule Apfel negativ beeinflusst. Vielleicht bringen wir die Energie auf, im Hier und Jetzt zu leben. Dass wir jederzeit sagen können: „Ich lebe mein Leben!“

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